Erkenne Dich selbst

Researchability - Verantwortung für Markt und Daten

Selftracking ist kein Blick in die Glaskugel, sondern es ermöglicht exakte Selbstanalysen. Am Ende kann es unser Verhalten beherrschen.

Von Prof. Dr. Rolf Schwartmann


Manche Menschen steigen morgens auf die Waage, um ihr Gewicht zu kontrollieren. Andere legen eine gröbere Skala an und stellen, ob sie zu oder abgenommen haben, daran fest, ob der Gürtel noch passt. Wie intensiv man den Fakten ins Auge zu sehen will, ist eine individuelle Frage. 

Quantified Self - Selftracking für Fortgeschrittene 

Dank moderner Technik muss es heute niemand mehr bei altmodischen Körperfaktenchecks belassen. In Zeiten des Self Tracking kann man seine Selbstbeobachtung bis ins Detail ausfeilen. Die eigenen Gewohnheiten werden ja über Smartphones und Navigationssysteme ohnehin wo man geht und steht erfasst. Sobald Wearables wie die Apple-Watch hinzukommen, werden noch viel mehr Körperinformationen gesendet und ausgewertet werden können. Für Anhänger der sog. Quantified-Self-Bewegung geht es darum, Selbsterkenntnisse aus persönlichen Daten zu ziehen. Man kann seinen Alltag und sein Leben, die in unzählige Dateninformationen ohne Sinn dokumentiert sind, in eine Art Trichter aus Algorithmen senden. Dieser zieht dann Erkenntnisse aus den Detailinformationen unseres Alltags und liefert uns so Erkenntnisse über unser Leben. 

Selftracking bringt Triviales genauso zutage wie erschreckende Wahrheiten

Man erfährt Dinge, die man sich auch hätte denken können. "Wenn Du weiter Kalorien in dieser Menge in Dich hineinschiebst, erhöht sich Dein Herzinfarktrisiko wegen Fettleibigkeit erheblich" ist eine solche triviale Erkenntnis. Es geht aber beim Selftracking als moderner Form des "Erkenne Dich selbst" um eine ausgefeilte technikgestützte Selbstoptimierung des Verhaltens. Man gibt Daten über sich preis und diese Informationen spiegeln dann das innere des Datenerzeugers nicht nur. Computerprogramme werten sie aus und führen ihn auf diese Weise zu einer besseren Kenntnis über sich selbst, und die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Sie sagen einem auch, was richtig und falsch oder gut oder schlecht für einen ist. 

Am Ende geben Maschinen das Verhalten vor

Dieses Lesen in den digitalen Eingeweiden der eigenen Persönlichkeit ist treffsicherer als ein Blick in die Glaskugel, weil es auf persönlichen Fakten basiert. Es ist aber auch beängstigender, weil es dazu verleitet, Entscheidungen nicht mehr selbst zu treffen, sondern Verhaltensvorgaben von Maschinen zu folgen. 

Veröffentlicht am: 07.01.2015

 

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