Connected Car: Was Hersteller wollen und Kunden brauchen

Kantar-Studie zu Connected Car

Connected was? 32 Prozent der deutschen Besitzer eines PKW mit Connected Car-Ausstattung nutzen die damit verbundenen Features nicht aktiv – darunter auch die 19 Prozent, die gar nicht wissen, dass ihr Auto diese Technologie besitzt. Ein herber Schlag für die Autohersteller, die massiv in neue Technologien investieren.

 

Der Weltmarkt für mit Connected Cars verbundene Technologien und Dienstleistungen wird 2020 auf einen Wert von über 100 Milliarden Euro geschätzt. Und dennoch: trotz der hohen Investitionen der Hersteller in diesen neuen Markt gelingt es ihnen bisher nicht ausreichend, die Besitzer vom Nutzen der neuen Features zu überzeugen. So sind sich fast zwei Drittel der deutschen Connected Car-Fahrer nicht sicher, ob sie künftig diese Dienste wieder buchen beziehungsweise kaufen werden, oder sie planen es gar nicht. 

Diskrepanz: was Hersteller realisieren und Kunden brauchen

Winfried Hagenhoff, Geschäftsführer von Kantar TNS Automotive bringt das Problem auf den Punkt, indem er von einer "Diskrepanz zwischen dem technisch von Herstellern realisierten Angebot an Connected Car Features und dem, was die Verbraucher erwarten, nutzen und zahlen möchten" spricht.

Viele Nutzer eines Connected Car sehen die Technologie als optionales Extra und eben nicht als sinnvoll eingebundenen Teil des Autos. Gemessen an der Rolle, die Technologie und Konnektivität für Nutzen, Leistung und Sicherheit eines PKW spielen können, gibt es eine enorme Wissenslücke der Connected Features bei den Nutzern. Entsprechend gering ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden für diese Dienste. 52 Prozent der Deutschen sind nicht bereit, für die Infotainment- und Navigationsdienste im Connected Car etwas zu bezahlen. Für Entertainment-Dienste im Connected Car zeigen gar nur 28 Prozent der Deutschen eine Zahlungsbereitschaft: Sie bevorzugen klar ihre bekannten Apps via Smartphone gegenüber festinstallierten Systemen.

Erwartungsgemäß nutzen die Besitzer der Premium PKW-Marken Connected Features häufiger (67 Prozent in Deutschland) und zeigen eine größere Kauf- und Zahlungsbereitschaft. Dieses Muster zeigt sich in allen Kategorien der Connected Car Features – von Sicherheitsfeatures und Navigation bis hin zu Infotainment.
Von den gesättigten Märkten in Nordamerika und Europa hebt sich China ab: Chinesische Autofahrer stehen den Connected Features viel aufgeschlossener gegenüber. Hier nehmen 65 Prozent diese Features an, in Europa dagegen nur gut 40 Prozent und in Deutschland 46 Prozent.

Connected Features müssen simpel und vertrauenswürdig sein

Ein weit höheres Interesse besteht in China an weitergehenden sogenannten CASE Innovationen (Connectivity, Autonomous Driving, Shared Mobility, Electric Driving). 75 Prozent der chinesischen Fahrer eines Connected Car interessieren sich für autonomes Fahren. In Europa und auch in Deutschland dagegen nur gut ein Drittel. Ebenso deutliche Unterschiede gibt es bei den anderen CASE-Themen.
Hagenhoff schlägt vor: "Autohersteller müssen die Connected Features leichter zugänglich, stärker personalisiert und relevanter für das Fahrerlebnis gestalten. Sie sollten die Systeme vereinfachen, standardisieren, Relevanz und Nutzen besser verdeutlichen und das Vertrauen in die Sicherheit der neuen Features und in den Datenschutz stärken."

Zur Studie: Befragt wurden insgesamt 8.576 Personen, die seit 2013 einen Neuwagen (inklusive Tageszulassung, Vorführwagen) erworben haben. Die Befragten mussten außerdem über ein Smartphone verfügen und in die PKW-Auswahl eingebunden sein. Es sind 67 verschiedene Automarken vertreten.

Veröffentlicht am: 09.01.2018

 

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