Der Mensch hinter dem Profil – macht Instagram wirklich glücklich?

Lars Greif & Dr. Martin Schultze, concept m

Lassen sich Ruhm und Aufmerksamkeit auf Social Media Plattformen wie Instagram auch ins echte Leben übersetzen? concept m hat untersucht, ob sich das Phänomen Instagram positiv auf unser Privatleben auswirkt.

Lars Greif & Dr. Martin Schultze, concept m
Lars Greif & Dr. Martin Schultze, concept m

Social Media ist aus unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Mit unseren Smartphones können wir uns überall mit unseren sozialen Netzen verbinden. Wir teilen unsere Erlebnisse, egal ob mit unseren Freunden oder mit Fremden, und stellen uns dabei so dar, dass das Ganze auch schön eindrucksvoll wirkt und Bewunderung sowie vielleicht auch Neid bei unseren Followern erweckt. Vielen kommt dabei wahrscheinlich ein Netzwerk in den Kopf: Instagram, die App, die facebook als beliebteste Social Media Plattform bei den jüngeren Generationen ablöste.

Social Media-Plattformen wird oft vorgeworfen, dass Sie eine künstliche Welt erschaffen, in welcher die Nutzer eine verzerrte Realität erleben. Diese virtuelle Welt zeigt uns Stories von Menschen, die mit einer perfekten Bikinifigur auf einem tropischen Strand vor dem Sonnenuntergang stehen, oder Besucher eines riesigen Musikfestivals, die völlig in der feiernden Menschenmenge aufgehen. Andere lassen den Motor ihres unbezahlbar teuren Sportwagens aufheulen und zeigen dabei ganz beiläufig die Rolex am Handgelenk. Und dann sehen wir bildschöne Männer und Frauen, die scheinbar die perfekte Traumbeziehung führen. Nur wenige Menschen können behaupten, diese Dinge wirklich intensiv zu tun oder zu haben, aber alles was wir sehen, sind die besten Momente der Nutzer. Denn schließlich will jeder nur das Beste von sich zeigen: Beziehungen müssen perfekt, der Urlaub traumhaft und das Portemonnaie gefüllt sein.

Doch wie fühlen sich die Menschen, die sich ständig in diese Welt begeben? Wie steht es um ihre Beziehungen zu anderen Menschen, wie ehrlich sind sie zu sich selbst und was verstehen sie unter Schönheit? Diesen Fragen wollen wir auf den Grund gehen. Grundlage unserer Untersuchung ist eine von uns durchgeführte Studie zu Lifestyle-Welten, an der 1.000 Personen online teilnahmen. Im Rahmen dieser Studie wurden die Teilnehmer unter anderem darum gebeten, ihr Social Media Verhalten anzugeben und Fragen zu ihrem Privatleben zu beantworten. Letztere wurden auf einer fünfstufigen Skala erhoben. Die Werte, die in diesem Artikel berichtet werden, sind jeweils die Top-2-Boxen der Zustimmung.

Entgegen unseren Erwartungen zeigen sich zunächst keine bahnbrechenden Unterschiede, aber interessante Tendenzen zwischen Personen, die Instagram regelmäßig (mindestens mehrmals pro Woche, n=237), gelegentlich (mehrmals pro Monat, n=218) oder gar nicht nutzen (n=545).


 
Ein andauernder Kritikpunkt an sozialen Medien ist, dass die Digitalisierung sozialer Kontakte zu einer Distanzierung von realen Kontakten führen könnte. Im Schnitt gaben 76 Prozent der regelmäßigen Nutzer von Instagram an, stabile Beziehungen zu anderen Menschen zu haben, wohin gegen fast 90 Prozent der Nicht-Nutzer angaben, dass sie stabile Beziehungen zu anderen Menschen pflegen. Dies schließt einen regelmäßigen Kontakt und ein vorwiegend positives Verhältnis zu Partnern, Freunden, Familienangehörigen oder anderen Menschen ein. Social Media erlauben es den Nutzern, schnell Kontakte zu knüpfen und ebenso schnell wieder zu beenden – jeweils ohne Begründung. Wen wir nicht mehr sehen wollen, entfernen wir einfach aus unserer Freundesliste oder "entfolgen" ihm oder ihr. Kurz gesagt: Beziehungen lassen sich auf Social Media Plattformen schnell und unkompliziert beenden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Nutzer von Instagram weniger häufig angaben, stabile Beziehungen zu führen.

Social Media und das Internet im Allgemeinen gewähren uns Anonymität und Distanz. Wir können dort tun und sagen, was wir wollen, und müssen dafür fast nie mit (rechtlichen) Konsequenzen rechnen. Unser Auftreten im Internet entspricht nur selten der Person, die wir im echten Leben sind. Man kann sich schnell in sein virtuell inszeniertes Ich verlieren, vor allem, wenn es bei anderen gut ankommt. Ehrlichkeit zahlt sich in diesem Zusammenhang eher selten aus. Und tatsächlich sind Instagram-Nutzer auch weniger ehrlich zu sich selbst als Nicht-Nutzer: Etwa Zwei Drittel der befragten Nutzer gaben an, ehrlich zu sich selbst zu sein, während es bei Nicht-Nutzern über Drei Viertel sind. Offensichtlich passt Ehrlichkeit nicht so gut in die Scheinwelt, die wir auf Instagram kreieren und erleben. Wer schließlich immer neuen Trends folgt, kann nicht immer von sich behaupten, dass diese mit den eigenen Überzeugungen und Neigungen übereinstimmen.

Zuletzt interessierte uns, wie Nutzer von Instagram im Vergleich zu Nicht-Nutzern das Thema Schönheit bewerten. Einfache Frontalfotos gehören auf einen Ausweis, aber damit präsentieren sich nur die wenigsten im Internet. Der richtige Kamerawinkel, der perfekte Filter, viel Make-Up und körperbetonte Kleidung dominieren die Inszenierung des virtuellen Ichs. Bilder in Instagram könnten oft nicht weiter von der Realität entfernt sein. Und doch erhöht sich damit die Chance, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Natürlichkeit sollte also nicht Trumpf sein. Erstaunlicherweise gab es hier kaum Unterschiede zwischen den Befragten. Ob Instagram-Nutzer oder Nicht-Nutzer, Zwei Drittel der Befragten waren der Ansicht, dass Natürlichkeit schöner ist als jede Kosmetik.

Ein Großteil der Ergebnisse entsprach unseren Erwartungen, auch wenn zwischen den Antworten unserer unterschiedenen Gruppen keine Welten lagen, sind sie doch zum Teil beunruhigend. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass Social Media die Welt im Sturm erobert haben und auch in Zukunft das Zusammenleben eines Großteils der Bevölkerung dadurch geprägt sein wird. Persönliche Inszenierung in Social Media kann dabei einen negativen Effekt auf unsere Beziehungen und Selbstbild haben und dies betrifft weit mehr Menschen, als die, welche sich im Netz politisch radikalisieren oder anonym dem hate speech in den Kommentarspalten der Nachrichtenseiten frönen. 

Zu den Autoren: Dr. Martin Schultze ist Research Director bei concept m research + consulting in Köln und Lehrbeauftragter an der Europäischen Medien- und Business-Akademie in Düsseldorf. Lars Greif studiert Angewandte Psychologie im 5. Semester an der Hochschule Döpfer. Seit September 2019 unterstützt er die Abteilung für quantitative Marktforschung bei concept m als Praktikant.

Veröffentlicht am: 13.11.2019

 

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