Bricolage: Von Lego® Serious Play® zu Brickstorming. Lego als Methode für die Marktforschung

Dr. Barbara Lang (Point-Blank International)

Dr. Barbara Lang (Point-Blank International)

Von Dr. Barbara Lang, CCO, Member of Management Board, bei Point-Blank International

„Ich bin beeindruckt, wie quasi zufällig, durch das Bauen mit den Händen, Ideen entstehen. Und durch das Erzählen und durch den Austausch mit den anderen kann man über die Ideen sprechen und diese auch gemeinsam weiterentwickeln.“ So einer der Teilnehmer, der Lego als Methode für die qualitative Marktforschung auf beim BVM Regionalabend in Berlin kennen lernte. 

Seit Anfang des Jahres sammelt Point-Blank International Erfahrungen mit  Lego ®Serious Play® (LSP) und nutzt das Konzept als eine neue Methode in der qualitativen Marktforschung. D.h. wir nutzen die Grundpfeiler von LSP als Ausgangspunkt – setzen sie jedoch im Rahmen von Workshops mit Konsumenten oder Kunden in einen neuen Kontext. Durch diese klassische Form der „Bricolage“ (Claude Levi-Strauss) entsteht etwas neues, das mit LSP nur noch verwandt ist, aber für Forschung und Innovation sehr inspirierend ist.  


Das haptische Denken, das durch das Bauen angeregt wird, verschafft Zugang zum „Tacit Knowledge“ der Beteiligten. Und: durch das Storytelling, den Austausch über die Bedeutung der Modelle, werden auch abstrakte Ideen und Vorstellungen mitteilbar und für die anderen nachvollziehbar. 

Ursprung und Genese: Lego® Serious Play® 

Lego® Serious Play® wurde in den 90er Jahren durch den Haupteigentümer von LEGO, Kjeld Kirk Kristiansen begründet. Kristiansen war mit den Methoden der Innovation und Strategieentwicklung in seinem eigenen Unternehmen unzufrieden – und suchte nach neuen Lösungen. Gemeinsam mit zwei Wissenschaftlern von der Universität Lausanne wurde sukzessive Lego® Serious Play® als geschützte Methode entwickelt. 

Anhand eines klar definierten „Window of Exploration Bags“ mit einer festgelegten Zahl und Form von Lego Bausteinen werden die Teilnehmer in Workshops gebeten, Modelle zu bauen. Zunächst wird ein Problem formuliert bzw. eine Frage gestellt – dann wird gebaut. Es geht darum, abstrakte Ideen konkret und greifbar zu machen: ein Problem, ein Zustand oder auch eine Lösung wird im Modell gebaut und dadurch im Wortsinn für alle (be)greifbar. Dabei zählt nicht das materielle Ergebnis, also das Gebaute, sondern die Erklärung und die Bedeutung, die den Modellen zugeschrieben wird, ist zentral.

Im Wesentlichen fußt die Methode auf 3 Pfeilern:

  1. Zunächst wird eine Frage gestellt bzw. ein Problem formuliert. Doch anstelle der üblichen Antworten bzw. des rein kognitiven Brainstormings wird nun gebaut.
    Wichtig ist nicht, mit welcher technischen Finesse oder Fertigkeit die Modelle gebaut werden. Vielmehr geht es darum, dass Ideen, und Vorstellungen greifbar und damit nachvollziehbar für andere werden. Nicht wirklich das, was gebaut wird, zählt, sondern das, was es darstellen soll, ist von Bedeutung. 
  2. Dann wird erzählt und mit den anderen geteilt.
    Jeder Teilnehmer erklärt und erläutert, was sein Modell zum Ausdruck bringt und darstellt. Die Modelle ermöglichen und erleichtern durch ihre dreidimensionale Form das Storytelling und den Austausch mit den anderen. Diese können Fragen stellen und dadurch den Dingen weiter auf den Grund gehen. 
  3. Schließlich wird gemeinsam entwickelt.
    Letztlich geht es um die gemeinsame Entwicklung einer Lösung oder Perspektive. Dabei können die Modelle der einzelnen Teilnehmer wieder verwendet werden – oder aber es werden neue Modelle, diesmal jedoch von allen gemeinsam, gebaut. Wiederum ist es wichtig, dass alle Beteiligten am Ende durch Storytelling zu einer gemeinsamen Perspektive kommen.

Die Vorteile für die Marktforschung sind zahlreich – hier die wichtigsten:

  • Anders als bei anderen Kreativtechniken, wie z.B. Collagen, setzt Lego die Teilnehmer nicht unter Stress, kreativ zu sein. Vielmehr schaffen die Steine einen Rahmen, den jeder aus seiner Kindheit kennt.
  • Jeder Teilnehmer ist aktiv und beteiligt. D.h. nicht nur einer spricht – sondern jeder baut und teilt anschließend seine Gedanken in der Runde mit.
  • Die Methode transzendiert die rationalen Frage-Antwort-Techniken, indem das haptische Denken genutzt wird. Noch bevor unser Kopf ‚weiß’, haben unsere Hände bereits das Modell gebaut.
  • Das Modell wiederum erleichtert durch seine materielle, dreidimensionale Form den Austausch mit den anderen: was bedeuten die Modelle, was liegt ihnen zugrunde, was repräsentieren sie?
  • Insbesondere bei Themen und Gefühlen, die schwer in Worte zu fassen sind, helfen die dreidimensionalen Modelle, um Dinge zum Ausdruck zu bringen.
  • Lego baut auf Kollaboration: durch das Zuhören, den Austausch und das gemeinsame Bauen, entstehen gemeinsam entwickelte Lösungen und Konzepte.
  • Last but not least: Das Arbeiten mit Lego macht Spaß! 

Veröffentlicht am: 14.10.2014

 

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