Absicherung der Deutschen: Ein Einblick in die Vorsorge für Gesundheit, Alter und Notfälle

Wie sieht die Vorsorge der Deutschen aus?

Der Druck, sich auch im Alter privat abzusichern, steigt. Selbst die junge Genration macht sich Gedanken über ihre zukünftige Absicherung und auch in der Schule ist das Thema nicht mehr unbekannt. Wie sieht also die Gesundheits-, Alters-, und Notfallvorsorge der Deutschen aus? Einen Überblick finden Sie hier.

Personen sitzen am Schreibtisch (Bild: 88studio - stock adobe)
Absicherung spielt in Deutschland nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. Dabei werden sowohl im Bereich der Gesundheitsvorsorge als auch bei der Altersvorsorge verschiedene Möglichkeiten kombiniert. (Bild: 88studio - stock adobe)

Noch vor der Jahrtausendwende erlebten deutsche Bürger kaum Druck, sich finanziell über das staatliche Versorgungssystem hinaus abzusichern. Es unterstützte damals seine Mitglieder wortwörtlich „von der Wiege bis zur Bahre“. Heute unglaublich - bis Ende 2003 erhielten Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung automatisch ein Sterbegeld ausgezahlt.

Seit der demografische Wandel den Generationenvertrag zu kippen droht und Negativzinsen das Sparen erschweren, mutiert die persönliche finanzielle Absicherung für viele Deutsche zum zentralen Thema. Schlagworte wie „Vermögensbildung“ und „Altersvorsorge“ finden aktuell in den Schulen sogar Einzug in die Köpfe der ganz Jungen. Doch wie halten es die Deutschen mit den verschiedensten Absicherungsformen?

Absicherung in den Köpfen: Wie Deutsche über das Thema denken

Selbst wenn viele Deutsche ihrer finanziellen Absicherung bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt haben – die aktuelle Krise treibt gerade die Einkommensschichten bis 2.000 Euro Nettoverdienst in Existenzsorgen und erhöhte Vorsicht. So äußerten 24 Prozent der Bürger in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, sich anlässlich der Pandemie finanziell besser für den Fall von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit absichern zu wollen.

Die Gesundheitskrise nimmt gleichzeitig Einfluss auf das Gefühl von Sicherheit und Vermögen: So sank der Anteil der Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz als sicher einstufen, im Verlauf des Jahres 2020 um 5 Prozentpunkte. Zudem betrachten statt 53,5 Prozent nur noch 51 Prozent der Befragten ihr persönliches Wohlstandslevel als „hoch“.

Parallel wurde die Debatte um das Grundeinkommen durch Corona neu entfacht. Aktuell existiert das Grundeinkommen in der Realität nur auf begrenzten Experimentalfeldern. In einer Langzeitstudie (August 2020 bis Dezember 2024) wollen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Verein „Mein Grundeinkommen“ herausfinden, welche Auswirkungen ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die deutsche Gesellschaft hat.

Deutsche Bürger stehen also bislang allein in der Verantwortung, sich über die staatlichen Garantien hinaus für Krankheit, Jobverlust und Schicksalsschläge abzusichern. Dabei sind die folgenden Themenbereiche essenziell: Gesundheit, Notfälle und Alter.

Das Thema allgemeine Krankenversicherungen

Rund 87,8 Prozent der Deutschen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, 10,5 Prozent sind hierzulande Mitglieder einer privaten Krankenversicherung (PKV). Das Übergewicht auf Seiten der GKV begründen in erster Linie die knapp 34 Millionen pflichtversicherten Arbeitnehmer und deren Familienmitglieder.

Dass die privaten Krankenversicherungen aber nur Gutverdienern offenständen und die GKV keine Argumente für Selbstständige böte, sind Vorurteile. Beide Kassenarten bringen Vor- und Nachteile für verschiedene Lebenssituationen mit sich – die passende Krankenversicherung sollte deshalb jeder individuell wählen.

Krankenkassenkarten (Bild: Stockfotos-MG - stock adobe)
Aufgrund der Pflichtversicherung sind die meisten Deutschen gesetzlich krankenversichert. (Bild: Stockfotos-MG - stock adobe)

Gesetzliche Krankenversicherungen

Im Jahr 2021 existieren hierzulande insgesamt 103 gesetzliche Krankenversicherungsanbieter. Die größte Gruppe bilden die sogenannten Ersatzkassen: BARMER, TK, DAK, hkk, HEK und KKH. Mitglied wird in Deutschland automatisch jeder Arbeitnehmer, dessen Bruttojahreseinkommen unterhalb von 64.350 Euro liegt. Diese sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) passt der Gesetzgeber jährlich an die Lohnentwicklung an.

Wie hoch sind die Beiträge der GKV?

Seit 2015 liegt der allgemeine Beitragssatz zur GKV bei 14,6 Prozent, zudem hat die Bundesregierung für 2021 einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,3 Prozent beschlossen. Diesen Zusatzbeitrag dürfen die verschiedenen Kassen individuell anpassen, müssen ihren Mitgliedern nach Erhöhung jedoch ein Sonderkündigungsrecht anbieten, um zu einer günstigeren Kasse zu wechseln.

Die Beiträge zur GKV werden komplett paritätisch finanziert. Das heißt genau 50 Prozent des allgemeinen Beitragssatzes plus die Hälfte des Zusatzbeitrags übernimmt der Arbeitnehmer, die andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber. Nach oben hin sind die Beiträge dabei gedeckelt: Im Jahr 2021 zahlen Gutverdiener maximal 928,80 Euro an monatlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen.

Wer darf aus der GKV heraus- und wieder hineinwechseln?

Wer über die JAEG hinaus verdient (mehr als 64.350 Euro jährlich), fällt aus der gesetzlichen Versicherungspflicht und kann sich nach einem günstigeren Tarif bei einer privaten Krankenversicherung umsehen.

Schwierig kann es allerdings werden, wenn PKV-Mitglieder nach Beitragserhöhungen wieder in die GKV zurückwechseln wollen. Hier besteht die Möglichkeit, ein Einkommen oberhalb der JAEG zum Beispiel durch Teilzeitarbeit so weit abzusenken, dass wieder Versicherungspflicht in der GKV besteht.

Wer allerdings älter als 55 Jahre ist, bei dem ist nicht nur das Einkommen, sondern auch die Zeit in der GKV für die Wiederaufnahme ausschlaggebend: Kommt jemand in den vergangenen 5 Jahren auf weniger als 2,5 Jahre in der GKV, wird eine Wiederaufnahme abgelehnt. 

Krankschreibung (Bild: nmann77 - stock adobe)
Für viele Berufsgruppen ist die private Krankenversicherung eine lohnende Alternative. (Bild: nmann77 - stock adobe)

Private Krankenversicherungen

Günstigere Tarife als die GKV und dabei umfassendere Gesundheitsleistungen – private Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern heutzutage attraktive Konditionen. Doch wer darf eigentlich in die PKV wechseln?

Fakt ist:  Mehr als 64.350 Euro Bruttoeinkommen vorweisen zu müssen, um in die private Krankenversicherung wechseln zu können, trifft nur auf Angestellte zu. Für andere Berufsgruppen gelten hier keine Einkommensgrenzen.

So können sich zum Beispiel Studenten von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen, um einen günstigen Tarif der PKV zu nutzen. Genauso steht es Beamten und Selbstständigen frei, sich bei einer privaten Krankenkasse zu versichern.

Für Beamte kann die PKV besonders günstig sein

Für Beamte mit privater Krankenversicherung ist es ein Leichtes, einen günstigen Tarif zu finden. Sie müssen kein Mindesteinkommen nachweisen, zudem leistet der Dienstherr eine Beihilfe zu Behandlungskosten in einer Höhe von 50 bis 80 Prozent.

Dieser Anspruch auf die Beihilfe senkt somit merklich die Kosten für die Krankenversicherung. Die Tarife in der PKV fallen im Vergleich zu Beamtentarifen in der GKV günstiger aus. Dadurch sind 85 Prozent aller Beamten in Deutschland privat krankenversichert.

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Für wen lohnt sich die PKV noch?

Studenten, die den günstigen Tarif der privaten Anbieter nutzen wollen, sollten hier bereits für die Zukunft planen. Denn wer nach dem Studium im Angestelltenverhältnis arbeitet, fällt höchstwahrscheinlich wieder unter die gesetzliche Versicherungspflicht. Wer sich hingegen selbstständig macht, muss in der PKV bleiben. Besonders attraktiv ist die PKV für studierende Kinder von Beamten: Sie haben Anrecht auf eine Beihilfe in Höhe von 80 Prozent.

Wie gestaltet sich der Beitrag in der PKV?

Anders als in den gesetzlichen Kassen bemisst die PKV ihre Beiträge nicht nach Einkommen, sondern nach persönlichem Gesundheitsrisiko. Hier sind zwei Faktoren ausschlaggebend: das Alter und die Vorerkrankungen. Wer jung (unter 40 Jahren) Mitglied wird, profitiert von günstigen Tarifen und sichert sich auch im Alter gegen allzu stark steigende Beiträge ab, da ein Teil des Beitrags in die sogenannte Altersrückstellung fließt. Ältere Neumitglieder können hingegen nur geringe Altersrückstellungen aufbauen und müssen mit zunehmendem Alter große Beitragssteigerungen hinnehmen.

Wer sich diese nicht mehr leisten kann, aber nicht mehr von der GKV akzeptiert wird, kann in einen Basistarif seiner privaten Krankenversicherung wechseln, dessen Höhe sich am Spitzensatz der GKV orientiert. Der Nachteil: Der Tarif bildet den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ab und bietet privat Versicherten damit keine Leistungsvorteile mehr.

Beliebte andere Gesundheitsversicherungen

Insgesamt stellen die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Mitgliedern einen guten gesundheitlichen Basisschutz zur Verfügung. In einigen Bereichen hat er jedoch Schwachstellen, für die sich spezielle Zusatzversicherungen lohnen können.

Person liegt im Krankenhausbett (Bild: Gorodenkoff - adobe stock)
Mit einer Krankenhauszusatzversicherung haben Patienten Anspruch auf bestimmte Extras. (Bild: Gorodenkoff - stock adobe)

Krankenhauszusatzversicherungen

Mitglieder der GKV haben Anspruch auf die Behandlung im örtlich nächsten Krankenhaus und einen Aufenthalt im Mehrbettzimmer. Wer sich darüber hinaus bestimmte Extras wünscht – etwa eine Chefarztbehandlung, ein Einzelzimmer oder freie Klinikwahl – der kann diese Leistungen über eine Zusatzversicherung absichern.

Bei der Klinikwahl müssen Versicherte jedoch bedenken, dass Privatkliniken kein Vertragsverhältnis mit der GKV unterhalten und sie Behandlungen dort nicht erstatten kann. Zudem sind die Arzt-Honorare bei den gängigen Zusatzversicherungen nach oben hin meist auf den 3,5-fachen Satz der ärztlichen Gebührenordnung begrenzt.

Auslandskrankenversicherungen

Für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte im Ausland kommen deutsche Krankenversicherer nur zu einem Bruchteil auf. Lediglich innerhalb der EU und in Ländern, mit denen die Bundesregierung ein Sozialversicherungsabkommen hat, erstattet die GKV ihren deutschen Mitgliedern jene Leistungen, die auch lokal über die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt wären.

Wer teure Urlaubsüberraschungen vermeiden will, sollte deshalb vor dem Reisen eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abschließen, die es bereits ab 10 bis 20 Euro pro Jahr gibt.

Wichtig: Interessenten sollten vorab genau prüfen, ob der Leistungsumfang zu ihren Reiseplänen passt. Denn Reisezeiten von mehr als acht Wochen bedürfen spezieller Auslandskrankenversicherungsverträge. Mitglieder der PKV sind bei Reisen dagegen häufig im Vorteil: Ihre Tarife bieten in den meisten Fällen den vollen Schutz in allen EU-Staaten sowie Island, Norwegen und Liechtenstein.

Zahnzusatzversicherung

Gerade beim Zahnarzt wird für Mitglieder der GKV ein hoher Eigenanteil fällig – sie müssen für Zahnersatz in der Regel 35 bis 50 Prozent der Kosten selbst tragen. Ob sich hier eine Zahnzusatzversicherung lohnt, hängt vom individuellen Gesundheitszustand und den finanziellen Verhältnissen ab.

Denn eine gute Zahnzusatzversicherung erhebt oft einen Beitrag zwischen 300 und 400 Euro jährlich, ohne dass sie dabei in allen Fällen greift. So haben viele Tarife festgelegte Wartezeiten von mehreren Monaten, in denen Neumitglieder keine Leistungen für Zahnersatz in Anspruch nehmen können.

In den ersten 3 bis 5 Jahren übernehmen die meisten Zusatzversicherer zudem nur begrenzte Summen für den Zahnersatz und der Eigenanteil der Versicherten bleibt trotz Zusatzversicherung meist bei 10 bis 20 Prozent der Kosten.

Unfallversicherung 

Wer einen schweren Unfall hat, dem droht im schlimmsten Fall die Erwerbsunfähigkeit. Macht es deshalb Sinn, eine private Unfallversicherung abzuschließen? Tatsache ist, dass nur einer von zehn Erwerbsunfähigen infolge eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann. Alle anderen Fälle von Berufsunfähigkeit sind Krankheitsfolgen.

Rettungsdienst transportiert Person ab (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS - adobe stock)
Eine private Unfallversicherung kann sinnvoll sein. Insbesondere, wenn man keine Berufsunfähigkeitsversicherung hat. (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS - stock adobe)

Wer sich gegen den Verdienstausfall absichern will, sollte daher der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) den Vorzug geben. Einziger Sonderfall: Die BU verlangt hohe Risikoprämien, falls Versicherte Extremsportarten und gefährlichen Hobbies nachgehen. In diesem Fall lässt sich der Schutz bei der BU ausklammern, um am Beitrag zu sparen, und parallel eine Unfallversicherung abschließen.

Zudem bekommt nicht jeder eine Berufsunfähigkeitsversicherung gewährt. In dem Fall sichert eine private Unfallversicherung zumindest einen kleinen Teil des Risikos ab. Noch dazu übernimmt sie die Kosten, die durch einen Unfall entstehen – im Gegensatz zur BU.

Versicherungen gegen alle Eventualitäten 

Wohnungsbrände, Unfälle, Schicksalsschläge – das Leben bringt leider regelmäßig auch negative Überraschungen mit sich. Damit sie nicht den persönlichen Bankrott bedeuten, nehmen deutsche Bürger gern die Produkte der Versicherungswirtschaft in Anspruch.

Ehepaar sitzt bei einem Beratungsgespräch (Bild: contrastwerkstatt - adobe stock)
Viele Deutsche sichern sich mit zusätzlichen Versicherungen gegen Notfallsituationen ab. (Bild: contrastwerkstatt - stock adobe)

Lebensversicherungen

Über 87 Millionen Lebensversicherungsverträge bestehen in Deutschland – über die Hälfte davon machen die Rentenversicherungen aus. Der Rest entfällt auf Kapitallebensversicherungen (30 Prozent) und Risikolebensversicherungen (knapp 16 Prozent). Bei diesen beiden Versicherungsformen liegt der Unterschied darin, wen sie begünstigen – den Versicherungsnehmer oder dessen Hinterbliebenen.

Bei einer Kapitallebensversicherung erhält der Versicherte am Ende der vereinbarten Laufzeit einen festgelegten Teil seiner eingezahlten Beiträge plus Verzinsung ausgezahlt. Und zwar wahlweise als Einmalsumme oder in monatlichen Raten, vergleichbar einer Rente.

Die Risikolebensversicherung hingegen zahlt im Todesfall des Versicherten eine vertraglich vereinbarte Summe an seine Hinterbliebenen aus. Da die Beiträge im Vergleich zur Versicherungssumme niedrig ausfallen, bietet sie Alleinverdienern die Möglichkeit, ihre Angehörigen günstig abzusichern.

Haftpflichtversicherung

Vom Rotweinfleck auf dem Perserteppich bis hin zum schweren Unfall – tagtäglich kommt es zu unabsichtlich verschuldeten Unglücken. Da schlimmstenfalls Schäden in Millionenhöhe entstehen, die eine Existenz vollständig ruinieren können, zählt die private Haftpflichtversicherung zu den wichtigsten Policen überhaupt. Teuer ist sie dagegen nicht: Verträge mit Mindestdeckungssummen von 10 bis 50 Millionen Euro kosten etwa 65 Euro pro Jahr. 

Frau führt ein Gespräch mit einem Polizisten (Robert Kneschke - adobe stock)
Die Hausratversicherung deckt unter anderem Schäden ab, die durch Einbruchdiebstahl entstanden sind. (Bild: Robert Kneschke - stock adobe)

Hausratsversicherung

Das Vermögen deutscher Bürger befindet sich nicht nur auf digitalen Konten, sondern teilweise auch innerhalb der heimischen vier Wände. Entsprechend groß ist der Verlust, wenn der Hausrat durch Einbruchdiebstahl, Feuer oder Wasser Schaden nimmt.

Eine Hausratversicherung deckt in diesem Fall die Schäden ab – jedoch nur, wenn die Police mit einer ausreichend hohen Deckungssumme vereinbart wurde. Tritt der Versicherungsfall ein, erhält der Versicherte den Wiederbeschaffungswert der verlorenen Gegenstände im Neuzustand. Entsprechend hoch muss man vorab den Versicherungswert ansetzen.

Auch Wertsachen wie Bargeld und auf Geldkarten geladene Beträge ersetzt eine Hausratversicherung, ebenso wie Folgekosten im Schadensfall, die durch Reparaturen, Schlossaustausch oder Hotelaufenthalte anfallen können.

Rechtsschutzversicherungen

Rechtsschutzversicherungen übernehmen für den Versicherten die Kosten eines Rechtsstreits, doch sie gelten unter Experten als Versicherungen von nachrangiger Priorität. Denn anders als die BU und die Haftpflichtversicherung deckt eine Rechtsschutzversicherung Felder ab, die für den Verbraucher ein weit geringeres finanzielles Risiko und eine kleinere Wahrscheinlichkeit des Schadensfalls bergen.

Sinnvoll ist eine Rechtsschutzversicherung für Menschen, die für sich ein persönliches Risiko in einer bestimmten Sparte identifizieren. Zum Beispiel eine Verkehrsrechtsschutzversicherung für Pendler oder eine Arbeitsrechtsschutzversicherung in einem spannungsreichen Berufsfeld.

Allerdings sollten Interessenten prüfen, ob auf den abgesteckten Feldern auch günstigere Schutzangebote existieren. Unberechtigte Schadensforderungen von Dritten wehrt etwa die private Haftpflichtversicherung ab, eine Gewerkschaftsmitgliedschaft hilft bei Ärger im Job und der Mieterbund unterstützt seine Mitglieder im Streit mit Vermietern.

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Sterbegeldversicherungen

Zwischen 3.000 und 5.000 Euro kostet ein Begräbnis heutzutage – manche Menschen wollen diese Rechnung im Falle ihres Ablebens nicht auf ihre Angehörigen abwälzen oder sich überhaupt auf deren Gestaltung von Grabstätte und Feier verlassen. Einige Versicherer bieten zur persönlichen Absicherung deshalb Sterbegeldversicherungen an, die in Form einer Kapitallebensversicherung über Summen zwischen 4.000 und 10.000 Euro abgeschlossen werden.

Im Todesfall wird das Geld an die Hinterbliebenen ausgezahlt, doch lässt sich bereits zu Lebzeiten abschätzen, ob die Konditionen attraktiv sind. Gerade nach dem Renteneintritt zahlen Versicherte nämlich hohe Beiträge, die schnell die ausgezahlte Summe übersteigen können.

Alternativen bieten dann individuelle Sparpläne auf ein Festgeldkonto oder Vorsorgeverträge mit einem Bestattungsunternehmen. Hier legt der Kunde nicht nur den Kostenumfang der eigenen Beerdigung zu Lebzeiten fest, sondern entscheidet auch über deren Gestaltung. Das Geld fließt anschließend in Raten oder in einer Summe auf ein Treuhandkonto.

Schwerpunkt Altersabsicherung

Früher verließen sich die Arbeitnehmer allein auf ihre staatliche Rente. Heutzutage ruft die Deutsche Rentenversicherung dazu auf, mindestens auf drei Säulen der Altersvorsorge zu setzen. Immobilien und Kapitalanlagen können dazu weitere Ergänzungen bilden.

Ein älteres Ehepaar sitzt zusammen vor einen Laptop (Bild: Rawpixel - stock adobe)
Wer sich frühzeitig um eine umfassende Altersvorsorge kümmert, muss später keine finanziellen Probleme fürchten. (Bild: Rawpixel.com - stock adobe)

Eigenheim

Aktuell motivieren die günstigen Zinskonditionen viele Menschen dazu, auf das Eigenheim als Altersvorsorge zu setzen. Der Zinsmarkt macht jedoch gleichzeitig andere Anlageprodukte unattraktiv und treibt auch Großinvestoren zum „Betongold“. Die Folge: In vielen deutschen Städten und ihren Speckgürteln sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark angestiegen.

Für private Eigenheimkäufer stellt sich deshalb die Frage, wie sie die Preisentwicklung an ihrem Wohnsitz in den kommenden Jahrzehnten einschätzen. Wer sein Alter später durch den Verkauf des Eigenheims absichern will, aber den Kauf zu teuer in einer schwachen Region tätigt, muss unter Umständen hohe Verluste hinnehmen.

Staatliche Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung, die Beamtenversorgung und die Altersabsicherung der Landwirte bilden das öffentlich-rechtliche Pflichtsystem der Altersvorsorge, auf das sich noch immer rund 30 Millionen Deutsche verlassen.

In den kommenden Jahren werden Rentner allerdings immer weniger davon profitieren: Aufgrund der sinkenden Geburtenrate werden die Rentenzahlungen in den kommenden Jahrzehnten langsamer wachsen als die Löhne. Zudem unterliegen sie ab 2040 in voller Höhe der Einkommenssteuerplicht.

Seit Juli 2020 liegt die monatlich ausgezahlte Standardrente im Durchschnitt bei 1.538,55 Euro brutto – eine Summe, mit der viele Berufstätige ihre Lebenshaltungskosten aktuell kaum decken könnten.

Betriebliche Zusatzversorgungen

Als „zweite Säule“ betrachtet die Deutsche Rentenversicherung die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und fördert diese Form deshalb in erheblichem Maße. Bei der klassischen Form der bAV hat der Betrieb die Beiträge in voller Höhe übernommen.

Seit 2002 haben Arbeitnehmer zusätzlich ein Recht auf Entgeltumwandlung, bei dem sie selbst Beiträge in die Betriebsrente unversteuert und sozialabgabenfrei vom Bruttogehalt entrichten dürfen.

Damit sich diese Rechnung angesichts der später zu versteuernden Rentenzahlung lohnt, sind Arbeitgeber seit 2019 verpflichtet, die Beträge ihrer Mitarbeiter mit 15 Prozent zu bezuschussen.

Private Versicherungen

Als private Vorsorgeprodukte bieten sich Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen an. Der Unterschied: Die private Rentenversicherung zahlt nach Erreichen des Renteneintrittsalters, während Versicherte beim Abschluss einer Kapitallebensversicherung auch einen anderen Zeitraum vereinbaren können.

Beide Versicherungen stehen jedoch bei Fachleuten in der Kritik: Kalkuliert man niedrige Zinsen und hohe Bearbeitungskosten mit ein, bleiben den Kunden von 0,9 Prozent Garantiezins tatsächlich nur 0,14 Prozent Wertezuwachs im Portemonnaie.

Fazit: Die Deutschen nutzen viele Kanäle der persönlichen Absicherung

Wer sich im Dschungel der Absicherungsprodukte nur schwer zurechtfindet, sollte mit den essenziellen Bausteinen beginnen. Meist sind das eine kluge Wahl der Krankenkasse, eine individuell angemessene Form der Altersvorsorge, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und natürlich eine private Haftpflichtversicherung. Ob darüber hinaus individuelle Zusatzversicherungen sinnvoll und nötig sind, lässt sich in einem zweiten Schritt abschätzen.

/jr

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