Gut gemeint - schlecht gemacht: das Corona Dashboard des Robert Koch Instituts

Tobias Riedner, Process Manager Business Intelligence bei Knauf

Das COVID-19-Dashboard des RKI dürfte das prominenteste und meistbesuchte deutsche Dashboard in der Corona-Krise sein. Warum das Dashboard aber dennoch vor allem gut gemeint ist, aber nicht gänzlich überzeugen kann, erläutert Tobias Riedner von Knauf in seinem Artikel.

Covid-19 Dashboard
Covid-19-Dashboards sollen Auskunft über die aktuellen Corona-Fallzahlen geben. (Bild: Markus Spiske, Pexels)

Kennen Sie das? Suchen Sie mal bei Google nach "gut gemeint - schlecht gemacht". Dort gibt es viele Treffer aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Umwelt, Politik, Rente, Projekte und vieles weitere. Ein weiterer Artikel zu dieser Redewendung ist dieser Artikel. "Gut gemeint -schlecht gemacht: das COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts.

Warum ist das COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts gut gemeint?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn auf der Internetseite des Robert Koch Instituts gibt es keine Begründung, warum dieses Dashboard erstellt wurde und öffentlich betrachtet werden kann. Welchem Zweck soll es dienen? Es gibt zwar Hinweise zum Dashboard, diese beziehen sich aber auf die Datenerhebung. Wer das Dashboard angefordert hat und welche Überlegung diese Person/en hatte/n, ist nicht einsehbar.

Darüber hinaus gibt es auch keine Hinweise darauf welche Antworten das Dashboard liefern soll. Auf dem Dashboard selbst gibt es keinen Disclaimer, der über relevante Fragen informiert. Auch auf den entsprechenden Seiten gibt es keinen Bezug zu Fragen, die Bundesbürger zur Corona-Situation haben wie beispielsweise:

  1. Gehöre ich zur Risikogruppe? (Kann ich sterben?)
  2. Gehören Familienmitglieder oder Freunde zur Risikogruppe (können für mich wichtige Personen sterben?)
  3. In welcher Phase befindet wir uns international/ europäisch/ national/ regional?

Die Fragen sind relativ einfach und doch menschlich nachvollziehbar. Jeder Mensch möchte, dass er selbst, seine Familie und Freunde diese Situation gesundheitlich bestmöglich überleben. Darüber hinaus sind wir alle mit zahlreichen Restriktionen der Bundes- und Länderregierungen betroffen und möchten beurteilen können, ob die Maßnahmen angemessen sind oder nicht. Ohne entsprechend aufbereitete Daten können nur generelle logisch-deduktive Schlüsse gezogen werden wie beispielsweise: "eine Person mit Vorerkrankung ist gefährdeter als eine gesunde Person" - klasse! 

Warum ist das COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts schlecht gemacht?

Covid-19 Dashboard des RKI
Covid-19 Dashboard des RKI

Des Weiteren wurde das Dashboard ohne die Beachtung von Best Practices Regeln erstellt. Die Verstöße sind zahlreich und als Daten-Experte kann ich nur mit dem Kopf schütteln:

Generelle Kritik über alle Objekte

  1. Die Hintergrund-Farbe ist schwarz. Ich kenne die Argumentation für schwarz bezüglich Stromsparen bei modernen Geräten oder auch optisch ansprechender - Die Regel ist ein weißer Hintergrund.
  2. Das Dashboard enthält neun verschiedene Farbtöne, welche alle keine Bedeutung haben. Farben werden nur verwendet, wenn sie eine Bedeutung haben. Ein Beispiel ist eine positive (grüne Kennzeichnung) oder negative (rote Kennzeichnung) Abweichung.
  3. Das Dashboard enthält mindestens 10 verschiedene Schriftgrößen - die Schriftgröße sollte maximal drei Stufen besitzen. Der Titel des Dashboards am größten, alle Texte für Daten-Visualisierungsobjekte gleich und etwas kleiner und die Meta-Informationen noch kleiner.

Einzel-Kritik zu den Visualisierungs-Objekten

  1. Die Reihenfolge der Daten in der Tabelle auf der linken Seite ist falsch. Als erstes werden immer die Dimensions-Elemente (Bundesländer), dann die Daten (Fälle, Todesfälle) gezeigt. Die farbliche Einfärbung der Zahlen ist nicht notwendig und darf nicht sein.
  2. Die Kennzahl der Karte wird mit einer Flächenfärbung gezeigt. Das kann zu unterschiedlichen Interpretationen führen. Design Best Practice ist die Visualisierung mit Blasen. Und trotzdem kann auf die Karte verzichtet werden, da die Informationen bereits in der linken Tabelle gezeigt werden.
  3. Die Kacheln rechts oben sind die wichtigsten Information - sie müssen links oben stehen. Auf die Information zum Vortag kann verzichtet werden, da kaum ein Nutzer die Entwicklung im Kopf hat, ob ein Wert hoch oder niedrig ist. Die farbliche Einfärbung der Zahlen hat keine Bedeutung. Darauf muss verzichtet werden.
  4. Das Diagramm COVID-19-Fälle nach Altersgruppe und Geschlecht hat keine statistische Relevanz, da man die Anzahl der Tests pro Altersgruppe und Geschlecht nicht kennt.
  5. Das Diagramm "COVID-19-Fälle/Tag nach Erkrankungsbeginn, ersatzweise Meldedatum" ist eine gute Idee. Aber erst auf den dritten Blick lässt sich erkennen, dass durch das Anklicken der Pfeile weitere Diagramme angezeigt werden können - ein Dashboard besitzt so etwas nicht.
  6. Die Logos in der Mitte unten des Robert Koch Instituts, der Universität Bonn und Esri sind deplatziert und zu groß. Sie tragen nicht zur Informationsbereitstellung bei und können gelöscht werden.
  7. Die Kachel unten links ist gut - denn der aktuelle Datenstand ist wichtig, um die Aktualität zu verstehen.

Was ist die Handlungsempfehlung des Artikels "Gut gemeint - schlecht gemacht: das Corona Dashboard des Robert Koch Instituts"?

Ich empfehle Ihnen folgende 5 Dinge, wenn Sie ein Dashboard als Kommunikationswerkzeug nutzen möchten.

  1. Kennen Sie den Zweck des Dashboards - warum soll es existieren?
  2. Kennen Sie Ihre Zielgruppe - welche Fragen sollen die Nutzer sich selbst beantworten?
  3. Beachten Sie die Design Best Practices von Dashboards.
  4. Realisieren Sie das Dashboard erst als Mockup, dann als Prototyp und erst anschließend als finale Version.
  5. Testen Sie die Funktionalität des Dashboards - Nutzer sollen es nutzen.

Über den Autor

Tobias Riedner, Knauf
Tobias Riedner, Knauf
  Tobias Riedner ist Business Intelligence Manager bei Knauf - dem Weltmarktführer für Baustoffe. Seit mehr als zehn Jahren gilt er als Daten-Experte auf dem Markt für Business Intelligence und Data Science. Sein Beratungskompetenz umfasst die Strategie-Entwicklung, Programm- und Projekt-Management, Daten-Analyse und -Visualisierung für Top-Entscheider. 

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Veröffentlicht am: 24.04.2020

 

Kommentare (10)

  1. Heinz-Jürgen Knäpper am 24.06.2020
    Mir ist schon des öfteren aufgefallen, das wenn man von den Infizierten die Verstorbenen und die Gesundeten abzieht irgendeine Summe von
    ~7000 bis 9000 herauskommt❗
    Diese Summe ist nirgendwo zugeordnet!
    Sind das Flöhe, Aliens usw. ODER oder was sind das?
  2. Friedrich Breckow am 29.04.2020
    Hallo Herr Riedner,

    vielen Dank für Ihre Antwort!
    Zu 1.1: So wie ich das sehe, ist das Saarland im Dashboard schon anders eingefärbt als BW und Bayern. Kreise wären auf Bundesland-Ebene schon vorstellbar, auf Landkreis-Ebene hätten wir da aber ein Übersichtsproblem, analog zum Dashboard der JHU.
    1.2 Das wäre definitiv sinnvoll.
    1.3 Das Ranking existiert ja schon, man kann es nur nicht aufsteigend sortieren lassen.

    2. Vortageswerte: Da stimme ich Ihnen zu, das war auch mein Vorschlag zu Punkt 3.2

    3.1: Ja, genau mir fehlt ein relatives Ranking in der Tabelle nach "Fälle/ 100k Einwohner"
    3.2: Vielleicht übersehe ich auch eine Grafik, aber momentan sichtbar sind "COVID-19-Fälle/Tag nach Erkrankungsbeginn, ersatzweise Meldedatum" und Meldedatum. Bei ersterem wird mir die Zahl 463 angezeigt für den 28.4., bei zweiterem 710. Beide Zahlen weichen von den 1.304 oben angezeigten deutlich ab.

    Sehr gerne können wir auch direkt dazu kommunizieren!

    Beste Grüße
    Friedrich Breckow
  3. Tobias Riedner am 29.04.2020
    Hallo Herr Breckow,

    auch Ihnen möchte für Ihre Rückmeldung Danke. Der Austausch verschiedener Meinungen bringt beide weiter. Gerne möchte ich zu Ihrem Kommentar auch eingehen.

    1. Zur Karte und der räumlichen Verteilung: ich stimme Ihnen zu, möchte aber im Kommentar mehr in die Details gehen. Eine Karte macht immer Sinn wenn ich eine räumliche Verteilung von Werten anzeigen möchte.
    1.1 Ich bleibe bei der Aussage, dass Kreise die bessere Alternative ist zur Flächen. Auch heute morgen, am 29.04.2020, sind die Bundesländer Bayern , Saarland und BaWü gleich gefärbt, obwohl die Werte deutlich unterschiedlich sind (Bayern 319, BaWü 283, Saarland 253). Der Unterschied in den Zahlen sind deutlich, in der farblichen Markierung nicht. Das ist nicht gut designed.
    1.2 Die relativen Kennzahlen Fälle/ 100k Einwohner kann trotzdem in die Tabelle als weitere Spalte aufgenommen werden, so dass ich auf Bundesländer- und Kreis-Ebene diese Information für meinen Landkreis und weitere einsehen kann.
    1.3. Hotspots gleich erkennen: damit sprechen Sie eine Funktion an, die sehr einfach umzusetzen ist: eine Sortier-Funktion der Tabelle auf der linken Seite nach Kennzahlen aufsteigend oder absteigend. Dann kann der Nutzer erkennen, welches Bundesland hohe oder geringe Zahlen aufweist. Eine sehr gute Idee - leider nicht möglich im Dashboard.
    1.4. Auf Kreisebene bin ich bei Ihnen: die räumliche Zuordnung der Kennzahl auf Kreisebene ist ein Vorteil. Dann erkennt der Nutzer ob in seiner Region Fälle liegen.

    2. Vortageswerte: ich stimme Ihnen zu - die Zahlen sind entscheidend, aber nicht in der Art der Visualisierung. Ist der Wert 1.304 von heute gut oder schlecht? Das kann kaum ein Nutzer abschätzen da er nicht den Wert von den Vortagen im Kopf hat. Da geben Sie mir doch Recht? Eine einfache effiziente Hilfe ist ein Säulen- oder Liniendiagramm, welches die Werte für die letzten 14 Tage visualisiert. Dann kann der Nutzer die bisherige Entwicklung sehen. Über einfache Regressions-Muster können darüber hinaus Vorschauwerte gebildet werden - beispielsweise für die nächsten 7 Tage. Das wäre hilfreich und für jeden Nutzer interessant.

    3. Kritik mit relatives Ranking, fehlende Grafik zu Neuinfektionszahlen: da möchte ich ebenfalls genauer eingehen.
    3.1 Kritik mit relatives Rankingwas meinen Sie mit "relatives Ranking der Landkreise was über die Top 10 hinausgeht"? In der Tabelle links ist ein Scrollen nach unten möglich. So können alle Landkreise betrachtet werden. Fehlt Ihnen die Kennzahl "Fälle/ 100k Einwohner"?
    3.2 Kritik zu fehlende Grafik zu Neuinfektionszahlen: Diese Zahlen werden doch im Diagramm "COVID-19-Fälle/Tag nach Erkrankungsbeginn, ersatzweise Meldedatum*" unten rechts gezeigt. Das RKI unterscheidet sogar zwischen Erkrankungsbeginn und Meldedatum - was aus meiner Sicht eine gute Ergänzung ist, da es die Datenlage wieder spiegelt.

    Herr Breckow, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Meine Überzeugung ist, dass wir gar nicht so weit auseinander sind mit unserer Meinung zum Dashboard. Ich biete Ihnen ebenfalls an in direkten Kontakt zu treten, freue mich über Ihre Antwort aber auch.

    Bleiben Sie gesund

    Tobias Riedner
  4. Friedrich Breckow am 28.04.2020
    Hallo Herr Riedner,
    Sie haben Recht, an dem Dashboard gibt es einiges zu verbessern. Dazu gehört aber nicht die Frage, ob der Hintergrund weiß oder schwarz zu sein hat. Auch wenn man das Design nicht unberücksichtigt lassen sollte, ist das für mich kein guter Startpunkt einer Argumentation, die in erster Linie inhaltliche Kritik beinhalten sollte. Farbauswahl und Schriftgrößen sind daher sekundär zu betrachten.
    Wesentlich heikler sind Ihre Empfehlungen bezüglich der Karte und den Vortageswerten. Wie meine Vorrednerin schon korrekt dargestellt hat, ist es definitiv nicht der Fall, dass wir durch die Karte einfach nur die Werte der Tabelle links daneben kopieren und damit doppelte Informationen haben. Das Gegenteil ist der Fall, die Karte sagt deutlich mehr aus als die Tabelle. Während die Tabelle einfach nur die absoluten Zahlen aufführt, zeigt die Karte die deutlich valideren relativen Fallzahlen, die sich anhand der Bevölkerungszahlen ergeben. Zudem ist es für den Nutzer überaus relevant, ob sich ein Corona-Hotspot in der Oberpfalz oder in der Uckermark befindet, denn schließlich interessiert man sich am ehesten für seinen eigenen Wohnort oder den von nahen Verwandten und Bekannten. Wenn man nur die Liste links hätte, müsste man sich durch die 294 deutschen Landkreise scrollen und hätte dann immer noch keinen Gesamteindruck der regionalen Gegebenheiten.
    Außerdem sagen Sie, dass man auf die Vortagszahlen oben rechts verzichten kann, weil kein Nutzer diese Zahlen im Kopf hat. Es ist aber genau andersherum: Der Vergleich zum Vortag ist die alles entscheidende Kennziffer, denn sie verdeutlicht die aktuelle Entwicklung des Infektionsgeschehens. Die absolute Anzahl ist deutlich unerheblicher, denn sie ist eine Momentaufnahme und beinhaltet ja auch bereits genesene Personen. Nur mit dieser Zahl könnte man sich viel schwerer orientieren, zudem ist sie auch deutlich schwerer zu merken. Ob es gestern 154.000 oder 156.000 Infizierte waren hat man weniger präsent im Kopf als der tägliche Anstieg, der sich in einem deutlich kleineren Zahlenkorridor bewegt.
    Ich finde die Schwachpunkte des Dashboards liegen an anderer Stelle, denn es findet sich kein relatives Ranking der Landkreise was über die Top 10 hinausgeht. Zudem gibt es keine einzige Grafik, die die offiziell ausgewiesenen täglichen Neuinfektionszahlen des RKI zeigt. Absurd, dass man im ganzen Dashboard die Zahl der neu hinzugekommenen Fälle pro Tag nicht wiederfindet (die gelbe Zahl oben rechts). Das RKI weist zudem auf seiner Homepage auch die Differenzen der Neuinfektionen zum Vortag auf Bundesland-Ebene aus. Auch diese Zahlen sucht man vergeblich im Dashboard, obwohl sie so offensichtlich erscheinen.
    Mein Fazit: "Gut gemeint, schlecht gemacht" trifft in Teilen sowohl auf das Dashboard als auch auf Ihren Kommentar zu dem Thema ab, Herr Riedner.
  5. Tobias Riedner am 28.04.2020
    Hallo Herr Odendahl,

    das ist ein guter Vorschlag. Vielen Dank für die Ermutigung. Ich werde es versuchen und berichten welche Antwort ich erhalten habe.

    Bleiben Sie gesund!

    Besten Gruß

    Tobias Riedner
  6. Tobias Riedner am 28.04.2020
    Guten Abend Herr Bögel,

    vielen Dank für die lobende Worte. Auch Ihnen muss ich ein Kompliment machen. Die Datenbasis des RKI Dashboards, aber auch des Johns Hopkins Dashboards ist eine sensationell schlechte Basis für ein vertrauensvolles Reporting. Das haben Sie sehr gut beurteilt. Dazu habe ich ebenfalls mehrere Artikel auf LinkedIn verfasst, auch von weiteren Datenexperten gelesen und komme wie Sie immer wieder zum gleichen Ergebnis: Die Datenbasis ist höchst fragwürdig.

    Auf Basis dieser Daten entscheiden Regierungen auf nationaler und regionaler Ebene - das ist erschreckend. Auf Basis dieser Daten können Maßnahmen abgeleitet werden, aber Bauchschmerzen hat dann jeder Entscheider. Leider ist das Gesundheitssystem international/ digital/ prozesstechnisch nicht auf ein solches Ereignis vorbereitet.

    Ich möchte das RKI wirklich nicht an den Pranger stellen. Das Institut möchte den Gesundsheitszustand der Bevölkerung sichern bzw. verbessern. Daran arbeiten täglich über 1.000 Menschen. Es ist nicht die primäre Aufgabe des Instituts effektive und effiziente Dashboards zu bauen. Da wurde das RKI wohl schlecht beraten.

    Auch Ihnen mache ich gerne das Angebot, dass wir bilateral über Xing oder LinkedIn in Kontakt treten. Bleiben Sie gesund!

    Besten Gruß

    Tobias Riedner
  7. Tobias Riedner am 28.04.2020
    Hallo Frau Zimmermann,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich freue mich über einen sachlichen Austausch und gerne gehe ich auf Ihren Kommentar ein.
    1. Karte mit Blasen vs. Flächenfärbung: ich verstehe Ihren Einwand sehr gut. Die Kennzahl ist tatsächlich abgewandelt. Die Kennzahl Fälle pro 100k Einwohner kann trotzdem über Blasen sehr gut dargestellt werden. Ein Beispiel warum Flächenfärbung nicht gut geeignet ist: stellen sie sich vor, dass das wir auf der Weltkarte die höchste Rate in der Schweiz oder Luxemburg haben. Dennoch können diese Ländern nicht erkannt werden, da die Fläche der Länder deutlich zu klein ist auf dem Globus. Faktisch können Informationen bei einer Flächenfärbung verloren gehen.

    2. Räumliche Zuordnung ist relevant - dieser Einwand ist ebenfalls richtig. Das aktuelle Problem bei der Flächenfärbung bleibt doch bestehen. Heute Abend haben die Bundesländer Bayern und BaWü die gleiche Farbe, die Werte sind aber deutlich unterschiedlich (316 zu 282). Welchen Wert hat denn die Farbe? Wichtiger ist die räumliche, weltweite, nationale und regionale Entwicklung zu sehen. Das wäre spannend. Dann bräuchte das Dashboard aber einen Filter für die Zeitachse, um vom Anfang bis zum heutigen Tag der Pandemie zu springen. Das wäre eine herausragende und spannende Visualisierung. Andere Dashboards zeigen diese Funktion.

    3. Farbe und Bedeutung: ich kann sie verstehen - Farben haben mit Gefühlen und Leidenschaft zu tun - ein schwarz weißes Dashboard ist nicht wirklich ansprechend. Ich bleibe trotzdem bei der Experten-Meinung: Farben nur bei Bedeutung. Für mich ist sie in diesem Dashboard nicht gegeben - ich könnte ja auch ganz andere als die genutzten Farben im Dashboard anzeigen lassen. Aber wo ist die Bedeutung? Es liegt nahe, dass der Designer des Dashboards sich nicht Gedanken gemacht hat auf welche Zahlen er besonders aufmerksam machen möchte.

    Frau Zimmermann, ich danke Ihnen für den Austausch. Wir können auch gerne persönlich über Xing oder LinkedIn diskutieren.

    Besten Gruß

    Tobias Riedner
  8. Nina Zimmermann am 28.04.2020
    Hallo Herr Riedner, meiner Meinung nach geht Ihre Kritik zu weit und ist nicht in allen Punkten gerechtfertigt. Sie sagen, die Darstellung in der Karte sei überflüssig und die Informationen sei in der Tabelle vollständig enthalten. Als Geographin muss ich da sehr deutlich widersprechen. Erstens wird in der Karte nicht - wie in der Tabelle - die absolute Fallzahl dargestellt (dafür wären Blasen in der Tat geeignet). Statt dessen wird die Fallzahl je 100.000 Einwohner dargestellt, wofür die Flächendarstellung nach Klassen üblich ist. Nur dadurch, dass die Fallzahl mit der Bevölkerung in Relation gesetzt wird, lässt sich die Betroffenheit der verschiedenen Gebiete für den Leser richtig einordnen - oder haben Sie die Einwohnerzahlen aller dargestellten Gebiete im Kopf und können sich im Kopf ausrechnen, welcher Bevölkerungsanteil in ihrem Kreis bekannt infiziert ist? Zweitens ist bei einer Krankheit, die sich über den Kontakt von Menschen miteinander verbreitet, die räumliche Perspektive keinesfalls irrelevant. Die Kartendarstellung ermöglicht Interpretationen zu Verbreitungsmustern, die bei einem bloßen Blick auf eine Tabelle nicht so einfach möglich wären. Und für mich ergeben auch die Schriftfarben durchaus Sinn und stellen Verbindungen zwischen den verschiedenen Visualisierungen her: blau/türkisblau steht für die Gesamtzahl der Fälle, orange steht für neue Fälle (in den Zahlen oben rechts sowie in der Grafik mit den Fällen nach Meldedatum, wo dank der Farbe auch ersichtlich wird, wie sich die Neu hinzu gekommenen Fälle aufteilen). Daher erscheint es mir nachvollziehbar, die Karte der Gesamtfälle in Blautönen und die Karte des rezenten Infektionsgeschehens in Orangetönen darzustellen. Mag sein, dass die Logik nicht überall durchgehalten wurde und dass man das auch hätte anders und besser machen können. Aber Ihr Argument, die Farbe habe keinerlei Bedeutung, lasse ich so nicht gelten.
  9. Gerd Bögel am 28.04.2020
    Hallo Herr Rieder, vielen Dank für Ihren Beitrag, den ich zur Aufhellung meiner Stimmungslage nach dem täglichen Blick auf die RKI-Zahlen gern gelesen habe. Es ist ja nicht nur die Optik und die technische Art des Dashboards, sondern es ist auch die meiner Meinung nach wenig sorgfältig geprüfte und kaum sinnvoll bereinigte Datenbasis, die zu einer politisch motivierten, manche Maßnahmen unterstützenden Darstellung der Situation führen soll. Wenn man die Situation zu Corona in Deutschland ( internationale Vergleiche sind aus meiner Sicht sowieso sehr vorsichtig zu genießen, da mir die Datenlage pro Land völlig undurchschaubar erscheint) wirklich sinnvoll analysieren möchte, sollten nicht nur weitere Daten erhoben/ gezeigt werden ( wo sind Ansteckungsschwerpunkte ...im Betrieb, Krankenhäusern, in Altenheimen, in Einkaufsstätten, in Arztpraxen etc, welche Berufsgruppen sind besonders betroffen etc.). Denn so führen etliche nur national dargestellten Daten eher dazu, Beschränkungen des öffentlichen Lebens auch dort zu begründen, wo sie längst gelockert werden könnten. Statistik wird hier ...genauso wie die DiY -Meinungsforschung vie Internetportale ... ihrem manchmal schlechten Ruf gerecht. Allerdings stellt sich mir als Entschuldigung für das RKI auch die Frage, inwieweit auch Fachkompetenz für saubere Datenerhebung vorhanden ist, oder man gezwungen ist, auf die mehr oder weniger gut gelieferten Daten zu vertrauen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Bögel
  10. Joachim Odendahl am 28.04.2020
    Hallo Herr Riedner, vielen Dank für Ihre professionelle Einschätzung des RKI-Dashboards. Wie Sie recht überzeugend darlegen ist es gar nicht so einfach gut gemeintes aus so umzusetzen, dass es auch gut gemacht ist. Wenn ich das weiter denke sind Fachleute in Zeiten von DIY-Marktforschung doch nicht so einfach zu ersetzen. Die Corona-Krise macht uns zugleich recht bewusst, dass jeder Einzelne von uns seine eigenen gesellschaftlichen Beitrag verantwortungsvoll im privaten und beruflichen Kontext miteinander übernehmen kann und sollte. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie fragen ob Sie nicht direkt mit dem RKI Kontakt aufnehmen, ihre Fachkompetenz einbringen und anbieten besagtes Dashboard zu optimieren? Damit würden Sie einen tollen Beitrag für uns alle in diesen Zeiten leisten. Und zugleich wird aus "gut gedacht, aber leider schlecht ausgeführt" vielleicht ganz schnell ein "gut gedacht & gut gemacht". Herzliche Grüße Joachim Odendahl

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