dossier.PLUS-Logo

Till Winkler, SKOPOS NOVA „Research ist der Kompass, der sagt, wo wir hinmüssen und UX-Design der Motor, der uns dort hinbringt“

Wie schafft man ein gutes UX Fundament im Unternehmen? Wir haben mit Till Winkler, Gründer von SKOPOS NOVA, vorab zu seinem Webinar darüber gesprochen, wie eine positive UX-Kultur im Unternehmen geschaffen werden kann und welche Potenziale ein starkes UX-Fundament bietet.

Till Winkler, UX Research Days

Vielen Dank an die Sponsoren

Wie beeinflusst die unternehmensinterne Kultur die erfolgreiche Entwicklung und Forschung im Hinblick auf die User Experience? Welche Faktoren tragen zu einer positiven UX-Kultur bei und wie kann sie gefördert werden?

Till Winkler: Wie viel Platz habe ich? Okay … Unternehmenskultur, so wie auch jede andere Kultur, umfasst die Werte, Normen, Einstellungen und Verhaltensweisen einer Gruppe. Also, wie denkt man über Fehler? Wie geht man damit um? Wie redet man im Meeting miteinander – auch wenn es mal kontrovers oder konfliktbehaftet ist? Wie arbeiten „alte“ und „moderne“ Werte zusammen? Wie sieht die gelebte Praxis aus? Wie schnell werden Entscheidungen getroffen (oder werden diese lange herausgezögert)? In diesem Kontext wird dann auch über nutzerzentrierte Entwicklung und Forschung entschieden: Einstellungen, Prozesse, Budgets, Projekte, Strategien. Kultur bedingt Entscheidung.  

Je besser die Grundpfeiler der UX Disziplin mit der eigenen Unternehmenskultur übereinstimmen, desto günstiger ist die Situation. Und, nur um die Gegenseite zu beleuchten: Das muss auch nicht der einzige Einfluss auf eine Unternehmenskultur sein. Doch, wer UX ernst nimmt, der darf sich vor dem Fit nicht verschließen.

Es geht vor allem um Nutzerfokussierung (nicht Management-Fokussierung), um Fehleroffenheit (weil man sie dann leichter beheben kann), um Reflektionsfähigkeit (das hilft falsche Entscheidungen schnell zu revidieren und eigene Annahmen zu überprüfen) und um die Akzeptanz des Unperfekten (so kommen wir schneller zum MVP). Und nun kann jeder nach diesen Faktoren in der eigenen Kultur schauen: Stellen wir den Bezug zu unseren Kunden her? Halten wir lange an blöden Ideen fest, oder revidieren wir schnell und agil? Sind wir offen, wenn wir falsche Annahmen getroffen haben und entscheiden schnell?

Kultur bedingt Entscheidungen. Entscheidungen fördern oder verhindern eine gute UX Kultur.

Hier geht es zur kostenfreien Webinar-Anmeldung!

Warum ist es wichtig, ein Verständnis für das Kosten-Nutzen-Verhältnis von UX im Unternehmen zu haben? Welche Auswirkungen kann ein solches Verständnis auf die Priorisierung und Investitionen in UX haben?

Till Winkler: Einer meiner besten Freunde sagte mal zu mir „Na, wenn wir alles machen, was die Kunden wollen, dann bieten wir unser Produkt doch einfach kostenlos an“. Neben der (wichtigen) Kultur und der Fokussierung, dürfen wir nicht vergessen, dass hier alles Geld kostet. Gehalt, Bürostuhl, Laptop, Firmenfeier, Fortbildung, etc. Und die Entscheidungen, die getroffen werden, müssen zumindest ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen herstellen. In der Welt leben wir. Das sind die Regeln.

Und auch, wenn es keine perfekte Formel gibt, ist es wichtig, Einflussfaktoren, Auswirkungen und potenzielle Risiken zumindest aufzählen zu können. Das hilft, Entscheidungen zu treffen oder andere zu überzeugen. Je mehr Leute daran glauben, desto einfacher kommt man an Budget. Deswegen gibt es in Unternehmen wahre UX-Kreuzzüge …. und das ist auch richtig so.  Für viele ist es noch schwammig, warum das so wichtig ist. War es doch früher auch nicht. Aber die Regeln waren immer die gleichen: Der Kunde zahlt. Alles hier. Nur heute hat er mehr Macht und geht woanders hin, falls es nicht passt.

Warum ist es besonders für Unternehmen mit großen Ambitionen wichtig, ein solides UX-Fundament zu schaffen? Welche Vorteile und Potenziale ergeben sich aus einer starken UX-Basis für das langfristige Wachstum und den Erfolg eines Unternehmens?

Till Winkler: Ich will nicht den Spiegel vorhalten, aber die ersten (nicht drauf festnageln) Unternehmen, die ihr gesamtes Modell auf den Nutzer fokussiert haben und die ganze UX-Welt mitgeprägt haben, sind vor Jahren an allen vorbeigezogen: Amazon, Facebook, Apple, Google. Kundenzufriedenheit (und -loyalität) ist das wichtigste Asset, das eine Firma haben kann.

Einen bestehenden Kunden zu halten, ist günstiger als einen neuen zu gewinnen. Ein begeisterter Kunde bleibt nicht nur, er erzählt noch seinen Freuden davon.

Es ist wichtig, den richtigen Fokus zu setzen im Unternehmen. Denn fokussiertes Arbeiten und handeln (gerade in großen Unternehmen) heißt: Alle Ländergesellschaften, Teams, Vorstände, etc. haben die gleichen Ziele. Es geht um Fokus. Wenn der Nutzer im Fokus steht, wissen das alle. Häufig geht das zu sehr auseinander.

Und im Unternehmensalltag hat man tausend Sachen, die Priorität haben sollten, das weiß ich. Immer wieder tauchen Leitbilder von Nike oder anderen Unternehmen auf – ich finde das auch spannend. Aber es ist immer zu viel. Wie will man 24 Regeln jeden Tag befolgen? Wir haben ja schon Probleme mit den zehn von Moses. Ich würde sagen:

Nicht mehr als drei Grundprinzipien und eines davon muss mindestens der Nutzer oder Kunde sein.

Also, der Vorteil ist ganz klar: Fokus von allen Beteiligten, eine klare Mission, ein Alignment der Entscheidungsausrichtung. Dadurch gewinnt man Geschwindigkeit, und langfristig sichert man sich dadurch mehr Umsatz.

Täglicher Newsletter der Insightsbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare
Wir beliefern täglich mehr als 9.000 Abonnenten

Wie schafft man eine gute User-Experience und haben Sie ein Best Practice Beispiel für uns?

Till Winkler: Das ist eine große Frage. Eine gute UX schafft man, wenn man etwas baut, was der Nutzer braucht (Mehrwert), was die grundlegenden kognitionspsychologischen Modelle und Fehler des Menschen bedient (Bestätigung, soziale Akzeptanz, Individualität, etc.), was sich den Interaktionsvorstellungen der Nutzer anpasst, und „leicht“ ist – leicht zu erwerben, leicht zu bedienen, leicht zu nutzen.

Best Practices gibt es viele: Netflix ist ein gutes Beispiel. Gutes, mehrwertbringendes Angebot, leicht zu kaufen und zu nutzen, und Vorschläge wie „anderen gefällt auch“ und „passend für Dich“ führt Menschen dazu, immer mal wieder reinzuschauen. Ich will noch mehr aufzählen, aber ich kann mich nicht entscheiden. 

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das User-Experience-Design?

Till Winkler: UX Design ist ganz wichtig.

Research ist der Kompass, der sagt, wo wir hinmüssen (und von wo wir starten) und UX-Design ist der Motor, der uns dort hinbringt.

UX Design ist ja nicht (nur) mit Photoshop und bunten Bildern gleichzusetzen, sondern eher mit Konstruktion, Entwicklung, Hierarchien und Strukturen. Ohne Motor bringt uns auch die beste Idee nichts, einer muss Gas geben!

Welche Rolle spielt der Datenschutz bei dem Thema UX für Sie und wie gehen Sie damit um?

Till Winkler: Datenschutz müssen wir auf zwei Ebenen betrachten: Auf Seite der Forschung und auf Seite des Business Modelles. Ich denke, die erste Ebene ist schnell abgehakt. In der Forschung müssen wir sauber sein und bleiben und verpflichten uns hier allen Statuten der Marktforschung. Damit habe ich aber kein Problem, denn personenbezogene Daten brauche ich im seltensten Fall, um zu verstehen, wie eine Gruppe an Menschen funktioniert oder denkt.

Auf Seiten des Business Modelles ist es schwieriger. Teilweise sind Dienste, die die persönlichen Daten auswerten und für Angebote nutzen, sehr spannend und interessant für die Kunden und hier ist es vermutlich eine dünne Linie zwischen „Ich nutze die Daten des Kunden aus, weil ich gemein bin“ und „Ich nutze die Daten des Kunden, um ihm ein Angebot zu machen, was er wirklich gut findet, wobei ich letztlich natürlich auch davon profitieren würde, wenn er es gut fände“. Kompliziert. Ich will da auch gar nicht in die Mitte. Ich würde nur festhalten: 1. Forschung muss allen Regeln gerecht werden. Das ist wichtig. 2. Alles, was dem Datenschutzgesetz explizit widerspricht, würde ich ohnehin lassen, weil „Gesetz“.

Wer sollte dieses Webinar auf keinen Fall verpassen?

Till Winkler: Ich glaube, alle die was bewegen möchten. Jeder der schon einmal folgenden Gedanken hatte: „Man müsste das hier einfach anders aufziehen!“ oder „Warum verstehen die nicht, dass UX echt wichtig ist?“. Alle die sich im Überzeugungskampf üben (wollen), die „Misfits“ und Underdogs.

Hier geht es zur kostenfreien Webinar-Anmeldung!

 

Über die Person

Till ist 37, Diplom-Psychologe, Geschäftsführer und Gründer von SKOPOS NOVA (seit 2017) und der HOLY UX Marke (seit 2020). Seit über 12 Jahren unterstützt er bei Forschung, Beratung, Strategie und ist Speaker auf verschiedenen UX-Events und Konferenzen.

Weitere Informationen zum Unternehmen auf marktforschung.de:

PREMIUM

SKOPOS

Hürth

SKOPOS

100

Wir sind eine breit aufgestellte Unternehmensgruppe, die alle zeitgemäßen Marktforschungs-Dienstleistungen unter einem Dach vereint.…

Mehr zum Dossier: UX Research Days

Artikel dieser Ausgabe:

alle anzeigen
Vielen Dank an die Sponsoren

Weitere Highlights auf marktforschung.de