Wie kann Squash wiederbelebt werden?

INNCH

19.05.2017

INNCH hat in Kooperation mit promotive e.V. die Sportart Squash tiefenpsychologisch untersucht: Was macht die Faszination von Squash aus und welche Gründe gibt es für den Bedeutungsverlust der Sportart – diese Fragen standen im Mittelpunkt der Untersuchung.

Squash (Bild: alter_photo - fotolia.com)

Wie kann Squash wiederbelebt werden? (Bild: alter_photo - fotolia.com)


Der gemeinnützige Verein promotive hat sich der Förderung von Squash verschrieben, denn die Verbreitung dieser Sportart nimmt seit Ende der 1990er Jahre stetig ab. Inzwischen finden in den meisten ehemaligen Squash-Anlagen Fitness- oder Spinningkurse statt. Auch Nachwuchs ist heute schwer zu rekrutieren. 

Für die Studie führte die Kölner Innovations- und Marktforschungsagentur INNCH 13 mehrstündige psychologische Tiefeninterviews mit Vereins- und Freizeitspielern durch, ergänzt durch Gespräche im Umfeld von Squash-Vereinen und Court-Betreibern. 

Der Name Squash, englisch für quetschen, zusammendrücken, ist psychologisch Programm: Der Sport verbindet in der Wahrnehmung der Spieler viele positive Eigenschaften auf kleinstem Raum: Effizientes Auspowern, Stressabbau, ein ganzheitliches Training aller Muskeln und Sinne, Taktik und intelligentes Spiel. Nicht zuletzt schafft er den Spielern ein Gefühl von Befreiung. Der geschlossene Court unterstützt die konzentrierte Verfassung des Squash-Spiels. Das Betreten des Courts gleicht einem Übergangsritual, das aus zahmen Büro-Menschen wilde Kämpfer macht, die aber dennoch gentlemanlike und zivilisiert bleiben. 

Squash zwischen Kampf und Fitness

Ein genauerer Blick zeigt, dass Squash sehr unterschiedlich gesehen werden kann. Für einige ist die Sportart eine Art archaischer Kampfsport, bei denen „Clans“ (Vereine) ihre Gladiatoren aufeinander loslassen. In diesem Verständnis von Squash herrscht großer Ehrgeiz und Siegeswillen vor. Andere sehen den Sport deutlich entspannter. Sie verbinden mit Squash eher sportlich-gesundheitliche Aspekte. Die archaisch-spielerischen Eigenschaften der Sportart bleiben im Hintergrund und sorgen für den notwendigen spielerischen Spaß. Oft sind dies Spieler, die mit wenig Aufwand etwas für ihre Gesundheit tun wollen, denen aber Fitnessstudio oder Joggen zu langweilig oder zu einsam ist und zu wenig Spaß macht. Squash ist für sie der perfekte Gesundheits-Smoothie: Das Beste des Sports in konzentrierter Form. 

Squash als neue Trendsportart? 

Betrachtet man die Rolle des Sports als Ausdruck des gesellschaftlichen Zeitgeistes, offenbaren sich die Gründe für die abnehmende Relevanz aber auch deutliche Ansatzpunkte für eine Wiederbelebung des Sports: In den 80er und 90er Jahren – der Hochzeit des Squash – sollte Sport einen kurzfristigen, ultimativen Kick bieten, als Ausgleich zum geregelten Alltag und angesichts einer als vergleichsweise sicher erlebten Lebenswelt. Hier passte Squash als archaisch-kämpferischer Sport in die Zeit. Auch Bungeejumping oder Freeclimbing waren – als deutlich extremere Sportarten – ein Ausdruck des damaligen Lebensgefühls. Die heutige Zeit wird als deutlich unsicherer und unberechenbarer erlebt.

Zentrale Motivation für den Sport ist heute nicht mehr der ultimative Kick, sondern eher die Erhaltung der eigenen Fitness und Leistungsfähigkeit. Wenn man nicht weiß, welche Krisen und Herausforderungen die Zukunft bringt, möchte man sich rüsten und möglichst lange körperlich jung bleiben. Squash könnte daher auch heute wieder zur Trendsportart werden – aber nicht als archaischer Gladiatorenkampf, sondern als Gesundheits-Smoothie, der auch noch lecker ist und Spaß macht. Während also für einige die Sportart nicht mehr in die Zeit passt, zeigt die Studie zugleich Ansätze, die Beliebtheit von Squash auch heute wieder zu steigern. 

dr

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Das könnte Sie auch interessieren

Roland Berger

Deutscher Pflegemarkt boomt

Professionelle Pflege ist gefragte Mangelwahre (Bild: sabinevanerp - Pixabay)

22.11.2017 - Der Markt für Pflegedienstleistungen ist mit rund 50 Milliarden Euro Umsatz das drittgrößte Segment im deutschen Gesundheitswesen – Tendenz steigend. Wie können Pflegeanbieter an diesem Boom teilhaben und sich im zunehmenden Wettbewerb differenzieren? weiterlesen

 
Bitkom

Ooops: Das war mein selbstfahrendes Auto!

Autonome Autos: Wer trägt die Risiken des Komforts? (Bild: RioPatuca Images - Fotolia)

22.11.2017 - Würden Sie für einen Unfall mit Ihrem selbstfahrenden Auto haften wollen? Wenn es auf der autonomen Fahrt kracht, sehen vier von zehn Unternehmen der Automobilbranche die Software-Entwickler in der Verantwortung. weiterlesen

 
Allianz-Studie

Früher war alles besser? Millennials zwischen Zukunftsangst und Optimismus

Auf traditionellen Wegen: die Generation Y (Bild: StockSnap - Pixabay)

21.11.2017 - Trotz düsterer Karriereaussichten: Vier von fünf Millennials denken, dass sich ihr Leben verbessern wird. Eine aktuelle Allianz-Studie zeichnet das Bild einer Generation zwischen Unsicherheit und der Sehnsucht nach Stabilität. weiterlesen

 
Studie von Bitkom und Autodesk

Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Digitalisierung läuft (Bild: liviawong - pixabay.com)

21.11.2017 - In der deutschen Industrie sind digitale Technologien mehr im Einsatz, als viele glauben. Das hat eine Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Software-Anbieters Autodesk ergeben. Cloud, Industrie 4.0 und Big Data sind im Kommen. weiterlesen

 
GfK

Gesundheit, finanzielle Sicherheit und Freizeit machen ein gutes Leben aus

Smiley (Bild: Alexas_Fotos - fotolia)

21.11.2017 - “Was gehört für Sie zu einem guten Leben?“ - für knapp 90 Prozent der Deutschen steht eine gute Gesundheit an erster Stelle. Auch finanzielle Sicherheit und Freizeit gehören zu einem guten Leben dazu. Bei materiellen Dingen gehen die Meinungen von Jung und Alt jedoch... weiterlesen

 

Werbung

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus