Was sonst noch war: Nachhaltigkeit bei McKinsey, Biometrik in Fragebögen, Premium-Praktikum bei SurveyMonkey

In unserer Kolumne "Was sonst noch war" wollen wir Ihnen ans Herz legen, was die anderen schreiben. Denn manches gerät aus dem Blick – wir fangen es wieder ein mit unserer Presseschau.

Vergangene Woche im Japan-Tower zu Frankfurt, 20. Etage, 11 Uhr: Recruiting-Workshop bei McKinsey. Die "Company" hat mich eingeladen, um in kleinen Teams neue Business-Strategien zu erörtern. Es fühlt sich an wie ein Assessment Center, soll aber nicht so aussehen. Es geht um Kaffeepad-Maschinen und darum, wie der Hersteller sie nachhaltig gestalten kann. Es scheint ein echter Case zu sein. Die Minuten verstreichen, unsere "Breakout Session" neigt sich dem Ende. Und von einer "unique selling proposition" hat unser Team noch keinen blassen Schimmer. Wir scheitern an der Aufgabe, ein Circular-Economy-Modell in eine Branche tragen zu wollen, die vom Wegwerfen lebt: Wegwerfen der leeren Kaffeepads, Wegwerfen der Maschinen. Manch einer wirft sogar seinen leeren Pappbecher auf dem Weg zur Straßenbahn weg, täglich aufs Neue. Unter anderem deshalb nimmt der Papierverbrauch nicht ab: Wegen der Kaffeebecher. Nachhaltiges Nespresso, ein Widerspruch in sich!

Noch drei Minuten bis zur Deadline, und ich schmiere die Flipcharts voll: Wir werden unsere Maschinen ins Hochpreis-Segment verlagern und auf ein Social-Lending-Konzept namens "BuddyBuy" setzen, damit auch arme Menschen den grünen Trend erleben dürfen. Außerdem machen wir die Einzelteile langlebig und austauschbar: Brüheinheit, Pumpe, Elektronik, Außenhülle. Der Rollenspiel-CEO fragt uns, wie wir das finanzieren wollen. "Wir machen entsprechendes Image-Marketing und unsere Marktforschung hat gezeigt, dass das funktioniert", sage ich. Das ist gelogen. In Wahrheit haben wir keinen Plan. Der CEO scheint es zu bemerken. Es ist Abend geworden, mein Blick wandert ans Fenster: Deutsche Bank, Helaba, Commerzbank. Überall dort brennt noch Licht, obwohl kaum mehr jemand zu sehen ist. Nachhaltig ist etwas anderes. Der Instructor sagt am Schluss, dass ein grünes Image nicht zum Verkaufen taugt: Der Konsument wolle lieber einen konkreten Vorteil.

Falls Sie jetzt eine bessere Idee haben, lesen Sie sich diesen Artikel von Martin Stuchtey durch und heuern Sie bei McKinsey an. Die suchen dringend Personal, das umsatzhungrigen Konzernen ihre Wegwerf-Macken austreibt. Nur profitabel sollte es sein.

Als ich dann am Sonntag in meinem Carsharing-Car durch Köln fuhr, lief eine Sendung zum Thema "Sharing Economy" im Radio. Falls Sie also nachhaltige Geschäftsmodelle suchen und etwas Zeit mitbringen, hören Sie sich den Beitrag an (MP3-Datei). Eine darin vorgestellte Handy-App nennt sich passenderweise "Why Own It". Umdenken ist gefragt!

Nielsen und die AGF haben einen gemeinsamen Weg gefunden, ihr Projekt "Internet-Einschaltquote" in kleinen Schritten voranzubringen. Der Mediendienst DWDL hat sich die jüngsten Quoten angesehen und stellt ernüchtert fest, dass in den Mediatheken tendenziell noch mehr Schrott konsumiert wird als im linearen Fernsehen. Ob vor diesem Hintergrund die TKPs der Web-Vermarkter wie erhofft steigen werden?

Premium um jeden Preis: Supermärkte wie Rewe und Edeka spüren die Konkurrenz von Discountern und Online-Handel, schreibt Erich Reimann von der dpa. Wer also demnächst eine Sushi-Bar dort vorfindet, wo sich zuletzt das Tiefkühlregal befand – bitte nicht wundern. Rewe setzt zudem weiter aggressiv auf Diversifikation und ist demnächst auch in Aral-Tankstellen vertreten, wie auf "Welt Online" zu lesen ist. Dort gibt es auch eine schöne Grafik zur Ertragssituation der Tankstellen in Deutschland.

Verhaltensforscher Luke Mansfield verdient sein Geld damit, den Alltag von Handynutzern zu stören: "Zum Beispiel nimmt er ihnen das Smartphone weg um herauszufinden, ob und wenn ja durch welche Geräte sie es ersetzen", schreibt der "Tagesspiegel". Mansfield arbeitet für Samsung und sorgt dafür, dass auch zufriedene Kunden irgendwann mal ein neues Handy haben wollen (obwohl sie es eigentlich nicht brauchen). Märkte erobern heißt eben Wünsche erzeugen.

Joachim Netz von MediaAnalyzer Hamburg ärgert sich über kniepige Kunden der Werbewirtschaft, die auf lästige Pretests lieber verzichten. "Also, lieber bei einem Latte Macchiato die Wirkung von Zinnoberrot auf ledige Heimwerker über 50 diskutieren, als mit harten Fakten schlechte Stimmung machen", kommentiert Netz die Kundenargumente mit beißender Ironie.

Eine gehörige Portion Skepsis zeigt auch Johannes Mirus vom result-Institut, der sich in einem Blogbeitrag über die mangelnde Qualität von Studenten-Onlinesurveys beschwert: "Mich stört die Sorglosigkeit, mit denen die betreuenden Dozenten Konzeptionen und Fragebogen durchwinken." Zu wenig Ahnung, zu wenig Schulung, null Bock gehabt? Die Gründe von schlechter Forschung sind vielfältig, über die Folgen aber werde viel zu wenig diskutiert, so der Tenor.

Vielleicht brauchen Studenten einfach nur die richtigen Anreize: Zum Beispiel 3.000 Dollar Grundgehalt für ein sechswöchiges Praktikum im Silicon Valley, außerdem natürlich kostenlose Anreise, Unterbringung und Verpflegung. Das bietet SurveyMonkey dem Gewinner eines wissenschaftlichen Fragebogen-Wettbewerbs, der noch bis zum 20. Juni dieses Jahres läuft. Also: Diesmal keine Likert-Skalen aneinanderkleben, sondern Gehirn einschalten und den HTML-Editor aufrufen. Dann klappt's auch mit der Karriere.

Ein schönes Wochenende wünscht
Nils Glück, marktforschung.de

Übrigens: Meistgeklickter Link von vergangener Woche war der Hintergrundbericht zur Kooperation zwischen Payback und Rewe.

Veröffentlicht am: 28.03.2014

 

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