Was schätzen Sie?

Breit angelegte Ipsos-Befragung in 38 Ländern

Wie sieht das Ergebnis aus, wenn man Menschen in unterschiedlichen Ländern zu ihrer Einschätzung von Häufigkeiten befragt? Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos wollte es genau wissen und befragte in 38 Ländern zu ganz unterschiedlichen Themen. Eine Auswahl der Ergebnisse.

Ipsos befragte Menschen in 38 Ländern (Bild:  andibreit -pixabay.com)

Ipsos befragte Menschen in 38 Ländern (Bild: andibreit -pixabay.com)



Wie hoch liegt die Mordrate in Deutschland? Ein Drittel der Befragten hier zu Lande denkt, sie sei im Vergleich zum Jahr 2000 gestiegen, 42 Prozent glauben, sie sei gleichgeblieben. Alles nicht richtig, im Vergleich zum Jahr 2000 gibt es 33 Prozent weniger Morde. Knapp die Hälfte (44%) der Deutschen mutmaßen, dass es in den Jahren nach dem 11. September von 2002 bis 2016 mehr Todesopfer auf Grund von terroristischen Anschlägen in Deutschland gegeben habe als in der Zeit zwischen 1985 und 2000. In Wirklichkeit ist die Zahl von 51 auf 36 gesunken. Richtig lagen damit nur acht Prozent der Befragten, die eine Abnahme prognostizierten. 

Die Anzahl der Diabeteskranken im Alter von 20 bis 79 Jahren in Deutschland wird von den Bundesbürgern weit überschätzt. Lediglich 7 Prozent leiden an der Zuckerkrankheit, durchschnittlich vermutet werden jedoch ganze 31 Prozent. 

Durchschnittlich bringen in Deutschland jährlich 0,6 Prozent der 15- bis 19-jährigen Mädchen und jungen Frauen ein Kind zur Welt. Bei dieser Frage lagen die Deutschen mit ihrer Schätzung ganz schön daneben – ihrer Meinung nach sind es nämlich 16 Prozent.

Die Deutschen haben weltweit den Ruf, gerne einmal ins Glas zu schauen. Danach gefragt, wer weltweit am meisten Alkohol konsumiere, wurde Deutschland von allen Ländern am dritthäufigsten genannt (28 Prozent). Damit haben die Befragten den Nagel auf den Kopf getroffen, denn tatsächlich liegen wir im weltweiten Vergleich mit 11,03 Litern pro Einwohner pro Jahr auf Platz drei im weltweiten Ranking. Nur die Franzosen und die Belgier trinken mehr. Immerhin ein Drittel (36 Prozent) der Deutschen schätzte den Durst der Landsleute richtig ein und votete das eigene Land als eines der drei Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum.

Auch beim Zuckerkonsum kommen die Deutschen im weltweiten Ranking nicht besser weg: wiederum schätzten die Weltbürger, dass der Zuckerkonsum pro Kopf bei den Deutschen am dritthöchsten ist. In Wirklichkeit liegen wir mit einem Konsum von 103 Gramm pro Tag sogar auf Platz 2 im weltweiten Ranking. Immerhin 60 Prozent der Deutschen wissen um die Zuckervorliebe und schätzten das eigene Land ganz richtig in die Top 3.

Der Trend zu "Mobile Only" scheint in den Köpfen der Deutschen angekommen zu sein. Sie überschätzen die Zahl der Deutschen, die ein Smartphone besitzen um einiges. Statt 86 Prozent nennen nur 69 Prozent der deutschen Bevölkerung ein Smartphone ihr Eigen. 

Facebook ist überall – zumindest ist das der Eindruck der Deutschen. Ihrer Meinung nach müssten 72 Prozent ihrer Mitmenschen einen Account bei Facebook haben. Tatsächlich ist es nur ein Drittel (34 Prozent) der Bevölkerung. 

Glaube an Himmel, Hölle und Gott: Mit ihrer Einschätzung, wer von ihren Mitbürgern an den Himmel glaubt, liegen die Deutschen fast richtig: statt der durchschnittlich angegebenen 31 Prozent sind es 28 Prozent. Der Glaube an die Hölle ist bei den Deutschen dagegen weniger verbreitet. 20 Prozent würden an das Fegefeuer glauben, gaben die Befragten an. Tatsächlich sind es acht Prozent. Die Anzahl ihrer Mitbürger, die an Gott glauben, unterschätzen die Deutschen dagegen stark. Statt 23 Prozent sind es in Wirklichkeit 45 Prozent.

Aber die Deutschen sind nicht die Einzigen, die sich verschätzen. Auch die Befragten in den anderen 38 Ländern lagen laut Ipsos teilweise ganz schön daneben. Nur 7 Prozent der Menschen weltweit denken, dass die Mordrate in ihrem Land seit dem Jahr 2000 gesunken sei. Die tatsächliche Rate sank allerdings in den meisten Ländern signifikant: im Schnitt aller befragten Länder sogar um 29 Prozent.  In Südafrika vermuteten beispielsweise 85 Prozent der Befragten, dass die Mordrate gestiegen sei, obwohl diese tatsächlich um 29 Prozent gesunken war. In Italien gaben nur acht Prozent an, dass die Rate niedriger sei, obwohl es hier ein sattes Minus von 39 Prozent zu verzeichnen gibt. 

Russland wird als trinkfreudigste Nation mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf gesehen. Tatsächlich belegt Russland in dieser Hinsicht aber nur Platz sieben von allen 38 befragten Ländern. Nur eine Minderheit der Befragten tippte auf den wirklichen Spitzenreiter Belgien, einschließlich der Belgier selbst, von denen sich auch nur 5 Prozent auf diesem Spitzenplatz sehen. Auch die USA werden als trinkfreudiger eingeschätzt, als sie es tatsächlich sind. In der Schätzungstabelle belegten die Vereinigten Staaten sogar Platz 2 hinter Russland, in der tatsächlichen Tabelle nehmen sie nur Rang 13 ein. 

Die Ergebnisse stammen aus der Studie "Perils of Perception" (etwa: "Wahrnehmungsfallen"), die zwischen dem 28. September und 19. Oktober 2017 unter 29.133 Befragten in 38 Ländern durchgeführt wurde. 

Veröffentlicht am: 06.12.2017

 

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