Von Langsamkeit und Windbeuteln

Medienspiegel

In unserem Medienspiegel der Woche blicken wir auf Orte mit hohem verfügbarem Einkommen, Streit um die Demoskopie, gutgläubige Influencer, die Welt der Algorithmen, eine besonders träge Redaktion und hinterhältiges Marketing. Lesen Sie mehr!

© Mitrija -fotolia

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Es gibt Sehnsuchtsorte auf der Welt, die man gern bereist – und an denen man sich dann doch wundert, wie teuer sie sind. Wäre es überhaupt dauerhaft denkbar, dort zu leben? Capital bringt auf Basis eines Reports der Deutschen Bank eine Bilderstrecke mit den zehn Städten, in denen die Menschen durchschnittlich das höchste verfügbare Einkommen haben. Wer in diesen Städten lebt, kann sich nicht nur an touristisch attraktiven Orten erfreuen, sondern hat oft auch sehr viel Geld in der Tasche. Auf Platz eins rangiert eine Stadt, in der man gut mit der deutschen Sprache zurechtkommt. Allerdings haben die Bewohner dort im Vergleich zu 2014 fast 1.000 US-Dollar weniger im Monat. 

Der Methodenstreit

Der Streit um die politische Einflussnahme durch demoskopische Umfragen reißt nicht ab. Vielmehr steht er immer wieder im Mittelpunkt, wenn es um die Tragfähigkeit unserer repräsentativen Demokratie geht. Nun widmet sich der Deutschlandfunk in einem Hintergrund erneut dem Thema – denn der Presserat muss sich jetzt auch damit beschäftigen, wie Umfragen entstehen und veröffentlicht werden. Der Bericht setzt sich mit der Repräsentativität und dem Methodenstreit der Forscher auseinander. "Zahlen wirken wie zuverlässige Fakten. Deshalb nehmen viele solche Umfrageergebnisse für bare Münze und blenden die methodischen Unsicherheiten aus, kritisiert Gerd Bosbach, Professor für Statistik an der Hochschule Koblenz."

Die Welt der Algorithmen

Wie fänden Sie es, auf der Suche nach einem neuen Job mit einem Roboter zu telefonieren – der sich aber gar nicht so sehr für das interessiert, was Sie zu sagen haben? Vielmehr erstellt er auf Grundlage Ihrer Sprache ein Charakterprofil, das den Personalchef erkennen lässt, wie teamfähig Sie sind. Ein Beispiel aus der Realität von Algorithmen in der Wirtschaft, mit denen sich die ZDF-Dokumentation "Unheimliche Macht – wie Algorithmen unser Leben bestimmen" auseinandersetzt. Autorin Franziska Wielandt zeigt in 30 Minuten, wie die computergesteuerten Regeln schon den Alltag vieler Menschen prägen – und wo die Risiken liegen. 

Influencer reingelegt

Die Schuh-Discountkette Payless hat die Einflussnehmer in einen Fake-Laden gelockt – natürlich nicht mit ihrem eigenen Label, sondern einem vorgetäuschten Luxusanstrich. Die Schuhe wurden dort für 640 statt 30 Dollar angepreist – und die Influencer fielen drauf rein.  Steht ein Ende des Influencer-Marketing-Booms bevor? Viele sind jedenfalls genervt von den gut gelaunten, für Produktplatzierung naturgemäß offenen Gesichtern aus dem Netz. Eine Geschichte, über die W&V berichtet, dürfte dem Ruf der Branche nicht gerade zuträglich sein. Die Schuh-Discountkette Payless hat die Einflussnehmer in einen Fake-Laden gelockt – natürlich nicht mit ihrem eigenen Label, sondern einem vorgetäuschten Luxusanstrich. Die Schuhe wurden dort für 640 statt 30 Dollar angepreist – und die Influencer fielen drauf rein.  

Langsame Journalisten

Der Journalismus ist getrieben. Es muss schnell gehen im Wettlauf um die Aufmerksamkeit der hektischen Leser. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet über eine Redaktion aus Großbritannien, die sich diesem Spektakel entzieht.  "Die langsamsten Journalisten der Welt", nennt Autor Marcus Theurer das Team von Delayed Gratification, das sich nicht so sehr für News interessiert – sondern vielmehr, was auf die Nachricht folgte.

Windbeutel des Jahres

Man muss sich das erst einmal trauen. Wer üblichen Kram in den Laden stellt und als Hochglanzprodukt vermarktet, kann sich im Erfolgsfall der Bewunderung seines Umfelds sicher sein – doch in Zeiten des kritischen Konsums wird auch die öffentliche Schelte schnell folgen. Besonders öffentlichkeitswirksam sind Preisverleihungen wie der Goldene Windbeutel der Verbraucherorganisation Foodwatch, über den WiWo.de berichtet. Ausgezeichnet – im negativen Sinn – wird dort die Werbelüge des Jahres. Diesmal landet ein Produkt auf Platz eins, das zwar von Wolken inspiriert wirkt – aber ziemlich irdischen Inhalt zum exorbitanten Preis enthält.  

Darüber könnte man mal nachdenken. Vielleicht bieten die kommenden Tage ja die Gelegenheit, das in Ruhe zu tun. Schönes Wochenende!

Veröffentlicht am: 07.12.2018

 

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