TV-Show: Intime Fragen im Teststudio

18.02.2013

Köln (marktforschung.de) - Ein "Marktforschungsexperiment" der fragwürdigen Art war am vergangenen Donnerstag auf dem TV-Spartensender Tele 5 zu sehen: Für die umstrittene Reality-Show "Who wants to Fuck my Girlfriend" von Christian Ulmen wurden offenbar unwissende Kandidatinnen darum gebeten, an einem Face-to-Face-Interview zum Thema Sexualität teilzunehmen. Eine Kamera filmte die Teststudio-Situation und dokumentierte die Reaktionen auf die extrem intimen Fragen.

Was die zwei befragten Frauen zunächst nicht wussten: Das vermeintliche Interview fand zwar in einem Teststudio statt, war aber gestellt und diente lediglich dem Zweck, die Attraktivität der eingesetzten Interviewerinnen für die Unterhaltungsshow zu erproben. Das Konzept der neuen Sendung ist vergleichbar mit dem des TV-Klassikers "Versteckte Kamera" – allerdings geht es in der Show von Christian Ulmen um sexuelle Begierde und deren Messbarkeit in realen Situationen. Kandidatinnen prüfen ihre Anziehungskraft auf zufällig ausgewählte Testpersonen, etwa in Cafés, auf der Straße – oder eben in einer vermeintlichen Marktforschungssituation.

Die Testpersonen, deren Gesicht in den gezeigten Szenen gepixelt wurde, bekamen von ihrem Gegenüber Statements zu hören wie "Wenn ich Sie jetzt fragen würde, ob Sie mit mir schlafen möchten, würden Sie ja oder eher nein sagen?". Auch Details zu Geschlechtsorganen der beteiligten Interviewerinnen wurden erfragt. Das vermeintliche Interview gipfelten in der Offerte, man könne sich in einen Nebenraum zwecks sexueller Handlungen begeben.

Auf Anfrage von marktforschung.de teilte die Produktionsfirma Ulmen Television mit, die Szenen seien im November 2012 in einem professionellen Teststudio gedreht worden. Bei den zwei Probandinnen habe es sich um zufällig ausgewählte Personen gehandelt, die zunächst in dem Glauben gelassen wurden, es handele sich um eine Befragung für Marktforschungszwecke. Im Anschluss an das Gespräch seien die Frauen aber über das TV-Experiment aufgeklärt worden.

Von den Branchenverbänden ADM und BVM waren Stellungnahmen zu der fragwürdigen Teststudio-Situation bis Redaktionsschluss am Montag noch nicht zu bekommen. Nicht zuletzt die Anmoderation durch den Showmaster, wonach eine spontane Befragung in einem Teststudio ja nichts Ungewöhnliches sei, dürfte dem Image der professionellen Marktforschung in diesem Zusammenhang nicht zuträglich sein.

Laut einem Sprecher des Senders Tele 5 seien die Quoten der ersten Ausstrahlung "überraschend gut" und in der jungen Zielgruppe deutlich über Senderschnitt gewesen. Insgesamt habe die Show am Donnerstagabend rund 160.000 Menschen erreicht, so der Sprecher auf Anfrage. Dies habe einem Marktanteil von 1,0 Prozent entsprochen. Seit Wochen werben Sender und Produktionsfirma in Medienberichten für die Reality-Show, die von Feministinnen heftig kritisiert wird.

ng

 

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