Sucht, Verzicht und Tiefkühlkost

Medienspiegel

Deutsche Gesten haben es in sich. In Google Street View steckt das Zeug zur Marktforschung. Und die Deutschen sind müde und wütend zugleich. Was es damit auf sich hat? Lesen Sie es in unserem Medienspiegel.

(Bild: Mitrija - Fotolia)

Von Tim Farin

Lassen sich Kameraaufnahmen von Straßen und Gebäuden für die Marktforschung nutzen? Abwegig scheint das nicht, wie eine Meldung von Deutschlandfunk Nova nahelegt: Forscher der kalifornischen Universität Stanford haben demnach 50 Millionen Bilder von Google Street View mit den Methoden des "Deep Learning" analysiert – und Rückschlüsse über die Viertel gezogen, "zum Beispiel das durchschnittliche verfügbare Haushaltsgeld der Bewohner, die hauptsächliche ethnische Herkunft, die Ausbildung und die Wahlmuster." Allerdings ist die Methode noch weit davon entfernt, umfassende und zugleich stimmige Aussagen zu garantieren.

Besser ohne Marktforscher

Der größte Fehler des Tiefkühlkost-Unternehmers Dirk Ahlers, Gründer von Frosta: "Mein Team und ich haben uns auf die Marktforscher verlassen". Das berichtet Ahlers in einer Kolumne für impulse, in der es um entscheidende unternehmerische Fehltritte geht. Gegen sein Bauchgefühl hatte sich der Firmenchef von einer bekannten Werbefigur, dem bekannten Claim "Frosta ist für alle da" und dem Großteil der Fischspeisen verabschiedet – und sich damit fast in den Ruin gewirtschaftet. Ahlers verwarf den Ratschlag der Marktforscher und kehrte zurück zum Erfolg.

Die Laune der Deutschen

Drastische Diagnose unserer Gesellschaft: "Wir Deutschen haben uns – von Mutter Merkel gepampert – in einer Rundumversorgung eingerichtet und eine Art Stillhalteabkommen mit den Regierenden geschlossen." Das sagt der Psychologe Stephan Grünewald aus Köln im Interview mit der B.Z. Der Forscher spricht über die Müdigkeit der Gesellschaft, die Wut, die sich auch in Telefoninterviews entlud, und Erwartungen an die Eliten in diesem Land.

Suchtfaktor Smartphone

Die Zeichen mehren sich, die Daten sprechen immer deutlicher zu uns. Nun zeigt auch eine Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in dieselbe Richtung: Das mobile Surfen wird zum Problem. "Jeder vierte Deutsche bezeichnet sich als Smartphone-süchtig", melden die Stuttgarter Nachrichten. Die Studie teilte die Teilnehmer in fünf Typen auf – am häufigsten trifft man demnach auf "Mitteilsame", die bei sich selbst Suchtverhalten erkennen.

Verzichten und die Welt verändern

Wie verändert man die Welt zum Besseren – mit großen Plänen oder im Kleinen? Das ZDF zeigt mit der Dokumentation "Weniger ist mehr" Beispiele von Menschen, die den Konsum drosseln, Ressourcen sparen und dabei glücklicher werden. Der Film zeigt die YouTuberin "Minimal Mimi", die ordentlich ausgemistet hat, berichtet über Ungersheim, eine Stadt im Wandel, und eine Brauerei im englischen Totnes.

Gesten gedeutet

Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Mensch in Deutschland einem anderen in die Augen starrt? Die Deutsche Welle hat sieben kurze Filme ins Netz gestellt mit sieben deutschen "Gesten, die man kennen sollte". Die Deutschen seien zwar allgemein bekannt, auch in der Welt sei der Anblick von Deutschen eher gewöhnlich, schreibt Autor Conor Dillon: "Mit der nonverbalen Kommunikation ist das allerdings so eine Sache - da kommen Fremde oft ins Grübeln." Deshalb leistet die Deutsche Welle hier Abhilfe, die auch für deutsche Betrachter amüsant und lehrreich ist.

Darüber könnte man mal nachdenken. Vielleicht bieten die kommenden Tage ja die Gelegenheit, in Ruhe darüber nachzudenken. Schönes Wochenende!

Veröffentlicht am: 11.01.2018

 

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