Schlechte Laune, ruhiges Blut

Medienspiegel

21.04.2017

Trauen Sie sich nicht, auf der Arbeit die schlechte Laune ungefiltert zu zeigen? Haben Sie Mitleid mit den Spitzenmanagern in der Telekommunikationsbranche? Und geht Ihnen die ganze Aufregung heute nicht auch auf die Nerven? Fragen aus dem Medienspiegel der Woche.

Sollen auch für schlechte Stimmung und Griesgrämigkeit Platz im Berufsleben sein? (Bild: ra2 studio - fotolia.com)

Sollen auch für schlechte Stimmung und Griesgrämigkeit Platz im Berufsleben sein? (Bild: ra2 studio - fotolia.com)

Von Tim Farin
Wenn die Maschine dem Menschen die Entscheidung abnimmt, dann wird das doch bestimmt zu rationaleren Ergebnissen führen – oder? Oliver Blecken von der Mediaagentur JOM warnt auf Horizont.net vor einer Fixierung auf daten- und IT-gestützte Entscheidungen in der Marketingbranche. "Wenn der Mensch nicht mehr am Regiepult sitzt, sondern Algorithmen eigenständig Entscheidungen treffen, kann dies zu unabsehbaren Folgen führen. Dennoch breitet sich in unserer Werbebranche im Moment eine naive Algorithmus-Gläubigkeit aus, als hätte es solche Nachrichten nie gegeben." 

Gute schlechte Laune

Gegen die "Tyrannei der Produktivität am Arbeitsplatz" lehnt sich Meredith Bennett-Smith auf Quartz.com auf und fordert, dass auch für schlechte Stimmung und Griesgrämigkeit Platz im Berufsleben sein sollte. Es gibt eine ganze Reihe von Studien, die belegen, dass schlechte Stimmung oder gar Wut zu guten Ergebnissen führen kann – etwa durch mehr Detailorientierung oder beim Bewerten von Argumenten. Auch die sexistische Seite der meist gewünschten Nettigkeit im Job macht der Autorin zu schaffen.

Käfer / Kaefer

Streit zwischen Käfern – und das ganz ohne Auto. "Nach achtzig Jahren friedlicher Koexistenz werfen die Käfers mit Umlaut ihren Namensvettern ohne Umlaut vor, die eigene Marke nicht ausreichend von der ihren abzugrenzen", schreibt Vivien Timmler auf süddeutsche.de. Das Feinkostunternehmen aus München möchte einem Porzellanhaus aus dem Hunsrück rechtliche Grenzen setzen. Das ist allerdings eine komplizierte Sache. 

Messe digital

Viele Messen sind heute nicht mehr nur ortsgebundene Produktshows mit festem Datum, sondern haben sich zu digitalen Plattformen für Themen und das Netzwerken weiterentwickelt. Die Absatzwirtschaft stellt eine Studie der Firma ngn vor, die die digitale Transformation der Messebranche beleuchtet. "Die Studie zeigt deutlich, dass zahlreiche Messeveranstalter das Potenzial von digitalen Austellerverzeichnissen noch nicht nutzen."

Schleudersitz Telekombranche

Die Fluktuation im Spitzenpersonal bei Telekomunternehmen nimmt für Beobachter der Wirtschaftsberatung PWC besorgniserregende Ausmaße an. Viel schneller als in anderen Sektoren würden Chefs dort den Laufpass bekommen, schreibt Thiemo Heeg auf FAZ.net über eine neue PWC-Studie. Die Wechsel an der Spitze deuten auf unruhige Verhältnisse hin, denen die Branche sich ausgesetzt sieht und aus denen personelle Konsequenzen folgen. "Und dieser Vorgang gestaltet sich häufig menschlich wenig angenehm."

Mut zur Ruhe

Das Wirtschaftsmagazin brand eins widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Thema Mut – und Wolf Lutter schreibt ein Einleitungsessay darüber, dass heute Ruhe und konstruktive Sachorientierung gefordert sind. "Es braucht Nüchternheit, Pragmatismus, um das Schlechtere mit Besserem zu überwinden", schreibt Lutter und fordert statt der dauerhaften Empörung unserer Zeit etwas anderes: kühlen Verstand. 

Migration und Kinderarmut

Kinderarmut ist in Deutschland ein wachsendes Problem – und nun verschärft es sich durch die Zuwanderung ins Land, wie Florian Diekmann auf Spiegel Online schreibt. Basierend auf einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung zeigt Spiegel Online, dass insbesondere jene Kinder in armen Verhältnissen leben, die selbst ins Land gekommen sind und nicht etwa hierzulande geboren. Bei Geflüchteten sei das nicht unbedingt schon ein Missstand – schließlich seien sie in Sicherheit und hätten Anrecht auf Sozialleistungen. "Der Befund verdeutlicht jedoch erneut, wie wichtig es ist, Flüchtlinge so gut und so schnell wie möglich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren."  

Darüber könnte man mal nachdenken. Vielleicht bieten die kommenden Tage ja die Gelegenheit. In diesem Sinne: Schönes Wochenende!

 

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