Nichts Neues im TV – aber der Skandal bleibt

"Die Akte Marktforschung"

Gestern hat Spiegel TV seinen Beitrag zu den Betrugsvorwürfen in der Marktforschung ausgestrahlt. Wer mehr Informationen als zuvor auf Spiegel Online erwartet hatte, wurde enttäuscht – oder konnte aufatmen.

Der Beitrag drehte sich alleine um den bekennenden Betrüger Martin Thöring. Als Whistleblower zu Praktiken der ganzen Branche scheint der aber wenig tauglich, da er lediglich aus seinen eigenen Projekten berichtet, in Zusammenarbeit mit zwei eher kleineren Feldinstituten. Immerhin werden eine Reihe geschädigter Unternehmen und Marken mit Namen genannt, darunter Allianz, Carglass, Duschdas, Milka, Telekom und Volkswagen. Als betroffene Auftraggeber innerhalb der Branche werden Kantar und GfK aufgeführt und in einer Reihe mit den laut Spiegel betrügerisch arbeitenden Unternehmen aufgelistet - ohne irgendwelche Konkretisierungen. Auch die Behauptung, "ein Großteil der Umfragen ist gefälscht", erscheint vor der dünnen Sachlage als völlig unzulässige Generalisierung. Da davon auszugehen ist, dass Spiegel Online sicher auch nach weiteren Zeugen gesucht hat, diese aber offensichtlich nicht auftreiben konnte, scheint zwar die Recherche zum Einzelfall korrekt, die Generalisierung auf die ganze Branche stellt sich dagegen eher als Symptom eines reichweitengierigen Sensationsjournalismus dar.

Der Branche nutzt das freilich wenig, da kaum ein Rezipient die Informationen des Spiegel so differenziert aufnehmen dürfte. Es gibt den Imageschaden für alle Anbieter (Spiegel Online am Freitag: "Politiker und Wirtschaftsvertreter reagieren alarmiert auf die SPIEGEL-Recherche - und fordern Konsequenzen") und daraus resultierender Handlungsbedarf für die Branche und ihre Verbände. 

HMP

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