GfK am Scheideweg – Entlassungen drohen

07.09.2017 von: Jörg Stroisch

Es kristallisiert sich immer mehr heraus: Auch Stellenabbau gehört nach Ansicht des neuen Investors KKR zum Genesungsrezept für die GfK. Es kommt zur Zentralisierung und organisatorischen Umstrukturierung – bei der GfK bleibt wohl kein Stein auf dem anderen.

GfK Nürnberg (Bild: GfK)

GfK Nürnberg (Bild: GfK)

An irgendetwas muss es ja gelegen haben, dass es bei der GfK nicht lief: So trägt nach Ansicht des neuen Chefs, Peter Feld, die Dezentralisierung eine Teilschuld an der Misere rund um die schlechten Unternehmenszahlen. Vor einigen Tagen wurden deshalb umfassende Umstrukturierungen (marktforschung.de berichtete) mitgeteilt. Man verspreche sich Synergien in Höhe von 200 Millionen Euro von einer stärkeren Bündelung und Zentralisierung. “Wir müssen agil und schnell auf neue Kundenanforderungen reagieren können“, beschreibt GfK-Pressesprecher Kai Hummel die Idee dahinter. “Dazu ist unter anderem auch ein schneller Austausch untereinander notwendig.“

Und der ist mit den derzeit über 20 Dependencen in Deutschland nach Ansicht der neuen Macht im Hause, dem Executive Leadership Team, nicht möglich. Gerade im Stammland soll die Arbeit stark in der Zentrale in Nürnberg gebündelt werden. Bei der GfK steht der Begriff Synergie somit auch synonym für eine Schrumpfung und einen Personalabbau. So bestätigte Firmensprecher Kai Hummel jüngst, dass allein in Deutschland rund 20 Prozent der Stellen vom Umbau betroffen sein könnten. Momentan befände man sich in Gesprächen mit den verschiedenen Betriebsräten des Unternehmens.

Einige Medien machen daraus pauschal die Zahl von 500 Stellenstreichungen in Deutschland, denn 20 Prozent von derzeit 2.300 Mitarbeitern an deutschen Standorten sind rein rechnerisch 460 Stellen, also aufgerundet 500. Eine andere Rechnung erfasst etwa 500 Mitarbeiter in den deutschen Außenstellen – und die sollen ja aufgegeben werden. “Im Heimatmarkt Deutschland wird GfK seine Expertise überwiegend in der Zentrale in Nürnberg bündeln“, verkündete die GfK offiziell in einer Pressemitteilung (marktforschung.de berichtete) Wobei “überwiegend“ hier umgekehrt bedeuten könnte, dass außerhalb Nürnbergs allenfalls noch zwei bis drei Standorte erhalten bleiben könnten. Pressesprecher Kai Hummel betont gegenüber marktforschung.de, dass es “nur ganz wenige Ausnahmen“ von den Schließungsplänen geben wird, also nur sehr wenige Dependencen erhalten bleiben sollen.

Umstrukturierung der Sparten

Ebenso gravierend wie die geplanten Einsparungen sind auch die organisatorischen Umstrukturierungen. Zwar ist die GfK formal noch als AG mit einem Vorstand positioniert, die Entscheidungen trifft aber ein organisatorisches Team, das Executive Leadership Team (ELT). marktforschung.de berichtete hier über Neuzugänge (marktforschung.de berichtete)  in dieses Team und Weggänge aus dem klassischen Vorstand(marktforschung.de berichtete).Gleichzeitig werden die bisher als eigenständige Units geführten Unternehmensbereiche Consumer Choice und Consumer Experience aufgelöst und stattdessen die Teams GfK Research mit dem klassischen Geschäft und GfK Digital mit der Aufgabe, neue kundenorientierte und skalierbare, digital abrufbare Lösungen zu entwickeln, geschaffen. 

100 Millionen Euro Investitionen in den Digital-Bereich

Vor allem in den Digital-Bereich sollen zudem 100 Millionen Euro investiert werden, “unabhängig von den geplanten Einsparungen“, wie Hummel betont – die tatsächlich realisierten Einsparungen sollen hingegen teilweise noch on top hier investiert werden, sagt er. Alleine diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass das ELT hier einen deutlichen Nachholbedarf gegenüber dem Wettbewerb sieht, der sich nicht nur aus den klassischen Wettbewerbern im Marktforschungsbereich rekrutiert, sondern gerade auch aus technikaffinen Start-Ups.

Generelle Rückendeckung erhält die neue Führung auch vom GfK Verein. Professor Hubert Weiler, Präsident des GfK Vereins, in einem Statement gegenüber marktforschung.de: “Die geplanten Maßnahmen sind notwendig, da sich das operative Geschäft der GfK SE in den vergangenen beiden Jahren nachhaltig verschlechtert hat und die Kapitalbasis der GfK SE schrumpft. Ferner stellt der Strategieplan die Weichen für eine erforderliche Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Ohne die jetzt eingeleiteten Schritte wäre die langfristige wirtschaftliche Perspektive der GfK SE gefährdet. Daher ist jetzt ein entschlossenes Handeln erforderlich.“ 

Kulturwandel als Mammutaufgabe

Allerdings: Was auf dem Reißbrett gut klingt, wird für die GfK zur Mammutaufgabe. Jahrzehntelang gewachsene Strukturen stehen dagegen. Pressesprecher Kai Hummel spricht so auch von nicht weniger als einem “Kulturwandel“, der hier gemeistert werden muss. Und er sieht hierin auch – neben dem “War of Talents“ um die besten Arbeitskräfte – die eigentliche und gravierende Herausforderung für die GfK.

Man befände sich zu den geplanten Streichungen der möglicherweise betroffenen Stellen in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern, schildert Hummel. Bereits kurz nach der Aufsichtsratssitzung seien diese informiert worden, in einem Townhall-Meeting einen Tag später in der Fürther Stadthalle habe das ELT seine Pläne erläutert. “Sehr überraschend kamen die Ankündigungen sicherlich nicht“, so Hummel. Er verspürt ein Grundverständnis bei Arbeitnehmervertretern und lokaler Politik, dass sich bei der GfK etwas ändern müsse. In dieser Woche bereits würden weitere Gespräche geführt.

Hubert Weiler vom GfK Verein- letzter ist mit 20,5 Millionen GfK-Aktien und 56,4 Prozent der Hauptaktionär des Unternehmens- bekennt sich dabei gegenüber marktforschung.de noch einmal zu bestimmten Grundsätzen: "Nürnberg bleibt Hauptsitz der GfK SE, die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der GfK SE wird unverändert beibehalten und der GfK Verein behält seine Anteile an der GfK SE.“ 

 

Kommentare (1)

  1. Vera Wahrer am 11.09.2017
    Als die GfK zu meiner Zeit noch von Marktforschern geführt wurde, waren dort Welt und Profite noch in Ordnung. Man war stolz, bei der GfK zu arbeiten. Die jetzt bestimmenden Generation der marktforschungsfernen Konzernroboter, Wirtschaftsprüfer und Finanzhaie sind Werte wie
    Validität, Realibität oder saubere Datenerhebung leider fremd.
    Mitarbeiter werden zu Human Capital und Zahlen werden nur im Sinne von Margen betrachtet.
    Kein Wunder, dass solide Marktforschung und Marktforscher bei dieser Strategie auf der Strecke bleiben.

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