Empfindliche Schnäppchenjäger

IFH-Schwerpunktstudie 2017

Preisdifferenzierung ist ein heiß diskutiertes Thema im Handel. Konsumenten akzeptieren unterschiedliche Preise nur selten, vor allem dann nicht, wenn es keinen nachvollziehbaren Grund gibt, wie die IFH-Schwerpunktstudie offenbart.

Kleine Preise, volle Kasse (Bild: Alexas, pixabay.com)

Kleine Preise, volle Kasse (Bild: Alexas, pixabay.com)

 

Die Ergebnisse zeigen, dass differenzierte Preise bei Konsumenten nicht durchweg positiv wahrgenommen werden. Wenig überraschend: Weniger als 16 Prozent der befragten Konsumenten finden es fair, wenn derselbe Händler das gekaufte Produkt auch günstiger anbietet – sei es zu einem späteren Zeitpunkt, in einem anderen Kanal oder ausschließlich für bestimmte Kunden. Aber auch nur jeder dritte Konsument, für den ein solcher Preisunterschied von Vorteil ist, findet die Differenzierung fair.

"Händler, die ihre Preise zu intransparent variieren, setzen die Kundenbeziehung aufs Spiel, denn die Wiederkaufabsicht und das Vertrauen der Konsumenten in den Händler sinken. Unternehmen sollten also gut abwägen, wie sie ihre Preise gestalten. Nachvollziehbare Gründe, eine stabile Kundenbeziehung und eine behutsame Einführung von Preisdifferenzierungsmaßnahmen können die Akzeptanz erhöhen", rät Dr. Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung des IFH Köln.

Dynamic Pricing kein Thema für Händler

Die IFH-Schwerpunktstudie untersucht neben der Konsumenten- auch die Unternehmensperspektive. So machen die qualitativen Erkenntnisse eines Workshops mit Handels- und Industrieunternehmen deutlich, dass sich Unternehmen aktuell vor allem mit klassischen Preissetzungsfragen beschäftigen. Dynamic Pricing ist aus Unternehmenssicht zwar ein Thema für die Zukunft, hat aktuell aber keine Priorität. Die Preisanalyse von ausgewählten Produkten aus den Kategorien Consumer Electronics, Parfum und Schuhe bestätigt dies: Über einen Betrachtungszeitraum von vier Wochen blieben zwei Drittel der Produktpreise, die online wie stationär erhoben wurden, unverändert. Im Vergleich der Kanäle zeigt sich aber, dass online deutlich mehr Preisänderungen vorgenommen werden als stationär.

Personalisierte Preise werden als unfair empfunden

"Auch wenn vordergründig Preisdifferenzierung zwischen Kundengruppen oder sogar auf individueller Ebene immer mehr möglich erscheint – die faktische Umsetzung, wer wann welchen Preis bekommt, stellt sich als äußerst schwierig in der Praxis dar. Darüber hinaus empfinden die allermeisten Kunden diese Praxis als unfair – selbst wenn sie bevorteilt werden. Das heißt, dass Unternehmen sich der Thematik mit großer Vorsicht nähern sollten, um nicht das wertvolle Vertrauen in ihre Marke zu gefährden", rät Prof. Dr. Werner Reinartz, Inhaber des Seminars für Handel und Kundenmanagement an der Universität zu Köln und Direktor der IFH-Förderer.

Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) erklärt außerdem, dass Konsumenten bisher viel weniger mit personalisierten Preisen konfrontiert werden, als vermutet wird. Der Grund hierfür liegt nach seiner Beobachtung auch darin begründet, dass die Konsumenten dies nicht selten als unfair empfinden. Ein regulatorischer Handlungsbedarf sei daher nicht erkennbar, so Haucap.

Die Studie wurde von der Universität zu Köln, dem DICE an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem IFH Köln erstellt. Auftraggeber der Untersuchung sind die IFH-Förderer und der Handelsverband Deutschland (HDE).

Veröffentlicht am: 04.12.2017

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Simon-Kucher-Studie

Brexit: Briten befürchten Preissteigerungen

Brexit © Elionas2 - pixabay

13.07.2018 - Der Brexit steht kurz bevor. Wie stehen die Briten zwei Jahre nach dem Referendum zum Brexit? Welche ökonomischen Auswirkungen erwarten sie? Eine aktuelle Studie von Simon-Kucher & Partners hat UK-Bürger dazu befragt. weiterlesen

 
Neupositionierung

Aus insight europe wird Insight Culture

13.07.2018 - Die Beratungsagentur insight europe richtet sich neu aus und präsentiert sich nun unter dem Namen Insight Culture. Der neue Name soll den ethnografischen und kulturanthropologischen Forschungsschwerpunkt des Unternehmens widerspiegeln. weiterlesen

 
Alan Turing Institute-Studie

Twitter: Du bist deine Metadaten

Twitter weiß, von wo man tweetet © PhotoMix-Cpmpany - pixabay

12.07.2018 - Lässt sich aus Metadaten, die Nutzer hinterlassen, ihr Leben rekonstruieren? Das haben Forscher aus England in einer aktuellen Studie untersucht. Dabei geht es nicht nur um Inhalte aus den Posts, Links oder Hashtags, sondern um all jene Daten, die Twitter über seine... weiterlesen

 
Bitkom-Studie

Mittelstand und Startups haben kaum Kontakt

Sitzen selten zusammen: Startups und Mittelständler © Free-Photos - pixabay

12.07.2018 - Der Mittelstand gilt als Motor der deutschen Wirtschaft. Zu Startups haben die meisten Mittelständer jedoch keinen Kontakt. Zu diesem Ergebnis kommt Bitkom in einer aktuellen Studie. Auch die Startups sehen noch viel Potential. weiterlesen

 

IFF Research Services erweitert Geschäftsleitung

Baschir Karanouh ©  IFF Research Services GmbH

12.07.2018 - Seit dem 1. Juli 2018 verstärkt Baschir Karanouh die Geschäftsleistung von IFF Research Services GmbH als stellvertretender Geschäftsführer. weiterlesen

 

Werbung

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus