BVM will Arbeitsgruppe mit unabhängigen Fachleuten beauftragen

Spiegel Online Berichterstattung "Die Akte Marktforschung"

01.02.2018

Nach der Stellungnahme des ADM äußert sich auch der Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) über die Spiegel Online Recherchen. Die Thematik soll unter anderem in dem BVM-Fachgremium "Qualität und Standesregeln" aufgegriffen werden. Darüber hinaus wollen die Marktforscher gemeinsam mit unabhängigen Fachleuten weitere Qualitätsregeln und Prüfprozesse entwickeln. Die Pressemeldung folgt im Wortlaut.

Zur aktuellen Berichterstattung von Spiegel-Online nimmt der BVM Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. wie folgt Stellung:  

Der BVM, mit rund 1.500 Mitgliedern die wichtigste Interessenvertretung der Markt- und Sozialforscher in Deutschland, engagiert sich seit Jahren intensiv bei der Sicherstellung der Qualität von Umfragen und Studien. Der BVM begrüßt daher jede Diskussion, die sich ebenfalls mit der Qualität von Marktforschung auseinandersetzt und hilft, diese weiter zu optimieren. "Die deutsche Marktforschung hat einen guten Ruf, da nicht zuletzt das Thema Qualität einen hohen Stellenwert bei uns hat. Entsprechend nehmen wir Hinweise in diese Richtung sehr ernst und werden diesen schnellstmöglich nachgehen", betont Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender des BVM. "Sollten sich Anhaltspunkte erhärten, werden wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern an Verbesserungen arbeiten." Dazu wird der Berliner Verband jetzt eine Arbeitsgruppe, ergänzt mit unabhängigen Fachleuten, beauftragen. 

Von den Mitgliedsunternehmen des BVM werden jedes Jahr viele Millionen Interviews durchgeführt. Dabei sind Qualität und Echtheit von Interviews zwingende Voraussetzung und zugleich Herausforderung bei jeder Umfrage bzw. Studie. Daher beschäftigt sich die Marktforschung seit Jahrzehnten in ihrer Grundlagenforschung und vielen Branchendiskussionen umfassend mit der Qualitätssicherung:  

  • Die Standesregeln der deutschen Markt- und Sozialforschungsverbände setzen Rahmenbedingungen für gute und ethisch verantwortungsvolle Forschung.
  • Veranstaltungen zum Thema Qualität sowie Leitfäden ermöglichen es, mit Auftraggebern und Dienstleistern konkrete Praxisfälle sowie Best Practice-Beispiele zu erarbeiten und der Branche zu kommunizieren und sie konkret zu schulen.
  • Bei der Aufnahme neuer Mitglieder prüft der BVM den Markenauftritt und spricht mit interessierten Unternehmen über auftretende Fragen insbesondere im Hinblick auf die Qualitätssicherung.
  • Im Verdachtsfalle oder bei Streitfällen steht der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung e.V. als Klärungsstelle bereit. Eine öffentliche Rüge kann zum Verbandsausschluss und zu deutlich verschlechterten Marktchancen führen. Dafür gibt es bereits konkrete Beispiele, die zu Konsequenzen für vereinzelte Mitgliedsunternehmen geführt haben.

Bei möglichen Verstößen gegen die Verbandsrichtlinien ist der BVM auf konkrete Belege angewiesen, die dem Rat zur Verfügung gestellt werden. Solchen Beschwerden wird in jedem Fall nachgegangen. 

Der BVM betont, dass Qualität und Qualitätschecks ihren Preis haben. "Vernünftige Marktforschung kostet Geld. Das müssen qualitätsbewusste Dienstleister vermitteln und Auftraggeber nachvollziehen", so Dr. Knapp. "Umgekehrt haben Auftraggeber einen berechtigten Anspruch, dass ihr Projekt von qualifizierten Kräften durchgeführt wird und nicht an beliebige Unterauftraggeber einfach durchgereicht wird." 

Die aktuelle Thematik wird der BVM in seinem Fachgremium „Qualität und Standesregeln" aufgreifen, das in der Vergangenheit bereits viele zielführende Maßnahmen erarbeitet hat. Darüber hinaus werden die Marktforscher mit Hilfe unabhängiger Fachleute weitere Qualitätsregeln und Prüfprozesse entwickeln. "Damit wollen wir verhindern, dass ‚schwarze Schafe‘ den guten Ruf unserer Branche beschädigen", versichert Dr. Knapp. 

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