forsa äußert sich zu Entscheidung des Presserates

Zum Beschluss des Deutschen Presserates

Am 4. Dezember 2018 hat der Deutsche Presserat die von forsa, Forschungsgruppe Wahlen und infas eingereichte Beschwerde gegen den FOCUS ONLINE abgelehnt. Das Gremium entschied einstimmig, dass die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen sei. Nun äußert sich forsa dazu.

Symbolbild (Bild: Bru-nO - Pixabay)

Symbolbild (Bild: Bru-nO - Pixabay)

In der Pressemitteilung von forsa ist zu lesen: "In der Erklärung des Presserates heißt es, dass es für die Redaktion keinen Anlass gab an der Seriosität der Umfrage zu zweifeln, da gegen den Kooperationspartner der Redaktion, das Berliner Unternehmen Civey, das die Umfrage auf der Webseite von Focus-Online durchgeführt hatte, 'weder Wettbewerbsklagen noch Maßnahmen der Selbstkontrolle der Markt- und Sozialforschung' vorlagen."

Die Entscheidung des Presserates lege den Umfang journalistischer Sorgfaltspflicht dahingehend aus, dass es ausreichend sei, eine Quelle dahingehend zu überprüfen, ob irgendwelche Wettbewerbsklagen oder Schiedsgerichtsurteile vorliegen, die die Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen.

forsa-Geschäftsführer Prof. Manfred Güllner kommentiert: "Wenn Journalisten nun den Freibrief erhalten, krude Falschmeldungen von Scharlatanen, Hochstaplern und Fakten-Leugnern ohne weitere Prüfung zu verbreiten, solange nicht von Gerichten oder Wettbewerbern das Gegenteil bewiesen ist, dann wird es wohl künftig noch leichter werden, mit skandalösen Fake-News in den Medien durchzudringen."

"Die Entscheidung des Presserates zwingt nun die gesamte Branche dazu, sich selbstkritisch zu hinterfragen, ob sie nicht viel zu lange zugeschaut hat, statt gegen diejenigen vorzugehen, die ohne wissenschaftliches Ethos dem Ansehen der empirischen Sozialforschung schaden. In einem postfaktischen Zeitalter kommt dies einer Bankrotterklärung des Journalismus gleich", heißt es in der Pressemeldung weiter.

"Die Institute werden nun die Dinge forcieren, die der Presserat in seiner Stellungnahme anmahnt. Die bisherige Diskussion hat zu einem Nachdenken bei den seriösen Forschern geführt, von denen die überwiegende Mehrheit unsere Einschätzung und die des Methodenpapstes Prof. Dr. Rainer Schnell teilt, dass die Arbeitsweise von Civey wissenschaftlich nicht zu verantworten ist", so Prof. Manfred Güllner.

Kommentare (4)

  1. Florian Nöll vor 5 Tagen
    Ich fasse diese Meldung aus neutraler Beobachter zusammen:

    Professor Güllner beleidigt einen Wettbewerber, dessen Gesellschafter u.a. sein ehemaliger Mit-Geschäftsführer ist und in dessen Beirat u.a. eine ehemalige Bundesjustizministerin sitzt, als 'Hochstapler' und verunglimpft dabei in einem Atemzug die versammelte deutsche Presse.
  2. Bernd Renslaer vor 4 Tagen
    Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, sind die Verbände nun dazu angehalten, tätig zu werden. Auch täte es den seriösen Instituten vielleicht gut, sich in anderen Branchen Anregungen zu holen, welche juristischen Mittel gegen wettbewerbsverzerrende Akteure zur Verfügung stehen.
  3. Rainer Arenz vor 4 Tagen
    Aus der Entscheidung des Presserates ist ein bedauerlicher Niedergang des deutschen Journalismus zu entnehmen. Diese Positionierung ist weder von Seriosität getragen ist noch steht diese für Sorgfaltspflicht. Die Ausführungen von Prof. Güllner wie auch von Prof. Dr. Schnell sind in vollem Umfang zu begrüßen und zu unterstützen!
  4. Daniel Althaus vor 4 Tagen
    Allein, dass Herr Güllner Herrn Schnell als "Methodenpapst" bezeichnet, ist doch schon unseriös. Ich finde, das ist despektierlich.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

GfK-Studie

Bilanz zum Black Friday: Wie hoch waren die Umsätze?

Rabattaktionen rund um den "Black Friday" erfreuen sich großer Beliebtheit (Bild: Counselling - Pixabay)

10.12.2018 - Rabattaktionen rund um den so gennannten "Black Friday" erfreuen sich unter Europas Verbrauchern weiter steigender Beliebtheit. In den fünf bevölkerungsstärksten Ländern Europas zeigen sich jedoch Unterschiede bei den Umsatzsteigerungen gegenüber der Black-Friday-Woche... weiterlesen

 
INNOFACT-Studie

Weihnachtsshopping offline beliebter als online

Rund jeder Vierte sucht in großen Warenhäusern nach passenden Geschenken (Bild: MichaelGaida - Pixabay)

10.12.2018 - Der stationäre Einzelhandel in Deutschlands Einkaufsstraßen und Ortskernen kann sich freuen: noch immer werden Weihnachtsgeschenke am liebsten offline gekauft. Laut INNOFACT bevorzugt rund jeder vierte Verbraucher große Warenhäuser, 16 Prozent besuchen gerne... weiterlesen

 
Zum Beschluss des Deutschen Presserates

ADM bedauert Entscheidung des Presserates

07.12.2018 - Der ADM nimmt die Entscheidung des Presserates vom 4. Dezember 2018 mit großer Sorge zur Kenntnis. In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten sei es wichtiger denn je, alle Standards der Markt- und Sozialforschung sowie der Medien aufrecht zu erhalten und zu leben,... weiterlesen

 
Nordlight Research-Studie

Kauf von Lebensmitteln im Internet wird beliebter

Die Hälfte der deutschen Konsumenten sind daran interessiert, Lebensmittel im Internet zu kaufen. ©  adiruch na chiangmai - fotolia

07.12.2018 - Das Interesse am Kauf von Lebensmitteln im Internet steigt. Eine aktuelle Studie von Nordlight Research zeigt, dass die Hälfte der deutschen Verbraucher daran interessiert ist, online Lebensmittel zu bestellen. Dabei werden zwei Angebote besonders gern genutzt. weiterlesen

 
Medienspiegel

Von Langsamkeit und Windbeuteln

© Mitrija -fotolia

07.12.2018 - In unserem Medienspiegel der Woche blicken wir auf Orte mit hohem verfügbarem Einkommen, Streit um die Demoskopie, gutgläubige Influencer, die Welt der Algorithmen, eine besonders träge Redaktion und hinterhältiges Marketing. Lesen Sie mehr! weiterlesen

 

Werbung

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus