Interview mit Sven Arn von Happy Thinking People "Wir werden über kurz oder lang unter einem Markennamen firmieren"

Happy Thinking People wurde vom belgischen Institut Insites Consulting übernommen. Wir sprachen mit Sven Arn, CEO von Happy Thinking People, zum Zeitpunkt der Übernahme, zum Ausscheiden von Thomas Schindlbeck, zu den Hintergründen des Deals, welche Standorte erhalten bleiben und wie die nächsten Schritte aussehen werden.

Grund zur Freude sollte es auch bei Happy Thinking People und Insites Consulting geben (Foto: picture alliance / Zoonar | Viktor Gladkov).

Happy Thinking People war über 30 Jahre lang erfolgreich auf dem Markt. Warum jetzt der Schritt?

Sven Arn: Das stimmt, wir waren und sind sicherlich erfolgreich im Markt. Aber auch wir müssen uns natürlich mit den unsicherer gewordenen wirtschaftlichen Perspektiven beschäftigen. Durch die Pandemie sind wir ganz gut gekommen, weil wir viele Methoden sofort auf online umstellen und schnell reagieren konnten. Aber letztes Jahr hat man durch den Krieg und seine wirtschaftlichen Auswirkungen gespürt, dass das Planen immer schwieriger wurde.

Sven Arn

Das Jahr 2022 war für uns und andere nicht leicht. Dann kamen noch weitere Aspekte hinzu, wie Perspektiven für Mitarbeitende, Entwicklungsperspektiven, Trainingsperspektiven. Es gab Dinge, bei denen man zu einem Punkt kommt, an dem man sagt, das kann man als Institut unserer Größenordnung aus eigener Kraft irgendwann nicht mehr leisten.  Das waren aber alles Dinge, die wir ermöglichen wollten. Da ist eine Einbindung in eine größere Organisation wie InSites sehr vorteilhaft.  Gerade um diesen nicht ohne Grund allgegenwärtigen Begriff Customer Centricity erfolgreich in die Realität umzusetzen.

Dazu kam, dass Thomas Schindlbeck, mit dem ich das Unternehmen als Inhaber geleitet habe, perspektivisch ausscheiden und sich in den Ruhestand begeben wollte. Und genau zu dem Zeitpunkt, als wir verschiedene Optionen durchgespielt haben, hat mich Tom de Ruyck von InSites Consulting kontaktiert und mir ein Gespräch angeboten.

Tom de Ruyck

InSites war eines der wenigen Unternehmen, bei dem ich mir ein Zusammengehen vorstellen konnte, da ich es schon lange kenne und Mitarbeiter immer wieder auf Kongressen getroffen und mich mit ihnen ausgetauscht habe. Wenn ich Präsentationen von InSites gesehen habe, habe ich oft gedacht, dass das auch von uns hätte sein können, oder so etwas hätte ich auch gerne gemacht.

Daher stimmte direkt bei den ersten Gesprächen mit InSites die Chemie. Ich hatte das Gefühl, dass wir die gleiche Sprache sprechen, viele Ansichten teilen. Dabei ging es darum, was wir im Markt machen wollen, wie wir mit Kunden arbeiten wollen oder wie wir forschen wollen. Da gab es eine sehr große Übereinstimmung. Daraufhin wurden die Gespräche schnell konkret.

Ist Thomas Schindlbeck schon ausgestiegen, oder wie wird dieser Übergang jetzt umgesetzt?

Sven Arn: Thomas Schindlbeck wird sich Ende Januar aus dem Unternehmen zurückziehen. Er wird sicher noch eine Weile beratend für uns tätig sein und weiter für ausgewählte Kunden arbeiten. Aber es ist sein persönlicher Wunsch, nach und nach aus dem Geschäft auszusteigen.

Du bleibst in der Geschäftsführung. Haben InSites Consulting und Happy Thinking People Anteile getauscht, oder wie verläuft jetzt die Übernahme?

Sven Arn: Ohne jetzt zu tief in Detail zu gehen - InSites hat unser Unternehmen akquiriert und ein Teil davon ist über einen Anteilstausch gelaufen. Damit bin ich Anteilseigner bei InSites, ein Share Partner, und Thomas hält auch noch Anteile, aber als inaktiver Partner.

Die Brand Happy Thinking People bleibt vorerst bestehen. Wie geht es dann weiter?

Sven Arn: Der Name bleibt weiter bestehen, aber es ist nicht auszuschließen, dass er sich in der Zukunft ändert.

Wir werden über kurz oder lang als Global Company unter einem Markennamen firmieren.

Aber dazu zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Ihr seid ja schon in anderen Ländern als Happy Thinking People vertreten. Was bedeutet der Schritt für die Führungsmannschaft?

Sven Arn: Unsere Schweizer und französischen Büros sind auch ein Teil des Deals. Sie gehen entsprechend in InSites auf und die bisherige Führungsebene wird auch dort leitende Funktionen übernehmen.

Wo passt es zwischen den beiden Unternehmen bereits gut, und wo habt ihr unterschiedliche Philosophien? Also wo wird die Integration leicht  gehen, und wo wird es ein bisschen dauern?

Sven Arn: Wir haben bereits vor der Veröffentlichung der Übernahme mit Kunden gesprochen. Und viele unserer Kunden arbeiten bereits mit InSites zusammen. Das Feedback war: Ihr seid sehr komplementär. InSites bietet eine große Expertise im Bereich der Communities, verbunden mit starker Kundeneinbindung und Aktivierung. Happy Thinking People wird für 360 Grad qualitative Forschung und Multimethoden-Forschung geschätzt. Wir begleiten viele Innovations- oder strategische Markenentwicklungsprozesse. Das sind Dinge, die wir auch in Zukunft machen wollen, mit der erweiterten Toolbox, über die wir durch das Zusammengehen mit InSites zur Verfügung haben.

Wo glaubst Du, wird es eine Weile brauchen, sich zu integrieren?

Sven Arn: Die Integration wird grundsätzlich eine Weile brauchen, auf den verschiedenen Ebenen, wenn man in einem größeren Unternehmen aufgeht. Das fängt an bei Finance-Prozessen und geht über IT-Systeme und Datenverarbeitungs-Systeme. Allein das Technische wird sicherlich eine Zeit dauern. Aber InSites macht das ja nicht zum ersten Mal. Daher gibt es einen sehr guten Pre-Integration-Prozess, den wir jetzt durchlaufen haben. Aber jetzt fängt die Integration natürlich erst richtig an. Da gibt es einen gut strukturierten Plan. Teilweise gibt es Kundenteams, die relativ schnell zusammengehen werden. Zum Beispiel haben wir einen Kunden, für den wir seit einem Jahr bereits gemeinsam mit InSites arbeiten. Hier ist eine Integration einfacher. Aus diesen Erfahrungen kann man auch lernen für die anderen Teams.

InSites hat auch schon ein Büro in Deutschland, in Düsseldorf. Wird das geschlossen, oder zusammengelegt mit Euch? Ihr habt ja auch einige Niederlassungen in Deutschland.

Sven Arn: Büros werden keine geschlossen. Berlin, München und Düsseldorf bleiben alle erhalten. Da InSites schon jetzt überregional strukturiert ist, sind die Mitarbeiter in Düsseldorf nicht von Deutschland abhängig. Sie arbeiten bereits in den überregionalen Teams mit. Das heißt, dass wir nicht die Zusammenführung der deutschen Teams anstreben. Das ist nicht das Ziel. Vielmehr sollen unsere Mitarbeiter in die überregionale Struktur eingebunden werden.

 

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