Umfragen Fußball-WM in Katar Wie unterschiedlich Umfragen zur Fußball-WM in Katar ausfallen

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar beginnt in wenigen Tagen. Ein Grund, warum gerade sehr viele Umfragen zu diesem Sportevent veröffentlicht werden. Die Aussagen unterscheiden sich dabei teilweise sehr deutlich, wie auch die Qualität der verwendeten Stichproben. Eine Übersicht und ein Kommentar.

Nicht bei allen Deutschen ist die Vorfreude auf die Fussball-WM so groß wie bei Bundestrainer Hansi Flick, wie die verschiedenen Umfragen zur Fussball-WM in Katar zeigen. (Bildnachweis: picture alliance / GES/Markus Gilliar | Markus Gilliar)

„1/5 der Deutschen glaubt an ein toleranteres Katar.“ - „48 Prozent der Deutschen für Boykott der Katar-WM“ - „Nur 8 Prozent freuen sich auf diese Fußball-WM“.

Das sind nur ein paar der Schlagzeilen rund um die Umfragen zur Fussball-WM in Katar, die seit einigen Tagen und Wochen zitiert werden. Natürlich ist das Thema gerade beliebt und Umfragen etablierter Marktforschungsinstitute sowie Live-Kurzumfragen und Leserumfragen beschäftigen sich deshalb damit. Und zum Teil widersprechen sich die Ergebnisse.

Wie stehen die Deutschen zum WM-Gastgeber Katar?

Die Arbeitsbedingungen für die WM-Sportstätten stehen seit Jahren in der Kritik, auch die generelle Menschenrechtslage. Zuletzt sorgte WM-Botschafter Khalid Salman mit seiner Aussage, dass Schwulsein ein geistiger Schaden sei  für einen Eklat. Keine gute Presse also für das Gastgeberland Katar. Und das wirkt sich auch auf die Umfragen aus.

Laut einer Umfrage von YouGov im Auftrag von Amnesty International, an der 2.125 Erwachsene teilnahmen, befürwortet eine Mehrheit von 61 Prozent, dass sich der DFB öffentlich zu den Menschenrechtsverstößen im Zusammenhang mit der WM 2022 in Katar äußert und dabei zum Beispiel die Entschädigung von Arbeitsmigranten unterstützt. 47 Prozent halten bei der Wahl des Austragungsortes eines großen Sportereignisses die Menschenrechtslage vor Ort für ein Schlüsselkriterium.

Das mündet auch in konkrete Forderungen. So fordern laut Statista 57 Prozent der Befragten, dass die FIFA einen Härtefallfonds für die Arbeiterfamilien einrichten sollte, 49 Prozent sehen hier die Sponsoren in der Pflicht.

Konkret glauben auch viele Deutsche nicht an das Versprechen, dass ein Sportgroßereignis Katar toleranter machen könnte. Laut Statista sind davon nur 20 Prozent der Befragten überzeugt; nur 19 Prozent glauben, dass die WM die weltweite Reputation Katars verbessert.

Das Meinungsforschungsinstitut Kantar kommt hier für Baden-Württemberg sogar zu einem noch schlechteren Ergebnis. Demnach stimmen nur 4 Prozent der Befragten der Aussage voll zu, dass die WM eine positive Auswirkung auf die Menschenrechtslage in Katar haben wird, weitere 11 Prozent sind eher dieser Meinung

Wie stehen die Deutschen zu einem Boykott der WM in Katar?

Natürlich wirkt sich auch das eher schlechte Image von Katar auf die Begeisterung der Deutschen für die WM auf. Und so kommt - bei anderen Austragungsländern undenkbar - auch die Frage nach einem Boykott auf. Die Umfragen weisen hier allerdings gravierende Unterschiede auf.

Laut einer Umfrage der Voting-App FanQ  sind 90 Prozent der Befragten für einen Boykott der WM in Katar. Bei Civey im Auftrag des „Spiegel“ fordern das  über 45 Prozent der Befragten von den Fußballspielern „auf jeden Fall“ und zusätzlich noch über 9 Prozent „eher ja“.

Statista kommt hier bei einer Befragung mit 1.022 Teilnehmern zu einem anderen Ergebnis: Demnach stimmen nur 30 Prozent zu, dass das DFB-Team das Turnier boykottieren sollten, 31 Prozent fordern das von den Fans. Und nur 17 Prozent sagen, dass sie Marken boykottieren werden, die das Turnier sponsorn.

In einer Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur fordern 48 Prozent der Befragten einen Rückzug der DFB-Auswahl von der WM.

Zumindest in Baden-Württemberg scheinen die Menschen hier noch einmal deutlich strenger zu sein. Laut einer Umfrage, durchgeführt von Kantar, wünschen sich 37 Prozent der Befragten einen Boykott der WM durch die deutsche und andere Nationalmannschaften, zusätzliche 20 Prozent sehen das tendenziell auch so.

Zusammengefasst schwanken die Zahlen also zwischen 30 Prozent und 90 Prozent, bei natürlich nicht ganz identischen Fragestellungen. Interessanter Gegenpunkt ist, dass dennoch Stand Oktober bereits fast 3 Millionen Tickets verkauft worden sein sollen - so erhebt es Statista.

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Wollen die Deutschen die WM verfolgen?

Eine ganz andere Frage ist, wie sehr sich die Deutschen aufgrund der Diskussion von ihrem Verfolgen der WM abbringen lassen.

Laut Infratest-dimap im Auftrag des ARD Morgenmagazins wollen 56 Prozent der Befragten keine WM-Spiele schauen. Nur 2 Prozent gaben an, dass sie mehr Spiele als bei der letzten WM anschauen wollen. In Baden-Württemberg sind die Zahlen laut Kantar ) noch deutlicher. Hier wollen sogar nur 20 Prozent der Befragten die WM-Spiele verfolgen.

In einer aktuellen Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos geben dagegen lediglich 13 Prozent der Befragten an, sich die WM in Katar überhaupt nicht ansehen zu wollen. Knapp die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen plant laut dieser Erhebung, sich zumindest einen Teil der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 anzusehen.

Zum Vergleich: Das WM-Finale 2014 bescherte in der Spitze eine Rekordeinschaltquote von 36,41 Millionen Zuschauern und damit einen Zuschaueranteil von 94,6 Prozent.

Sicherlich wird sich das Sehverhalten in der Realität anders darstellen, wenn Deutschland im WM-Finale steht. Wobei das Bundesligabarometer die Chancen dafür, dass Deutschland Weltmeister wird, eher als gering einschätzt. Demnach sehen hierfür nur 17 Prozent der Befragten eine Chance. Deutschland rangiert hier hinter Brasilien, Frankreich und Spanien. Nur leicht optimistischer zeigen sich die Befragten bei Ipsos: Auch hier traut nicht einmal jeder Vierte (23 Prozent) dem Team mit dem Adler auf der Brust den Titel zu, 2018 waren es noch 44 Prozent. Laut einer Umfrage auf web.de glauben sogar nur 8 Prozent der Befragten, dass Deutschland Weltmeister wird.

 

Ein Kommentar

von Holger Geißler, marktforschung.de

Die Umfragen zur Fußball-WM in Katar zeigen exemplarisch das Dilemma, in dem sich die Meinungsforschung heutzutage befindet. Viele unterschiedliche Umfragen, die von repräsentativen Stichproben bis hin zu Abstimmungen auf Fan-Seiten reichen, zeigen kein einheitliches Bild darüber, wie die Deutschen in Bezug auf die Fußball-WM in Katar ticken.

56 Prozent der Deutschen werden lt. Umfrage von Infratest Dimap gar keine WM-Spiele anschauen, in Baden-Württemberg wollen lt. Kantar gerade mal 20 Prozent die Spiele verfolgen. 45 Prozent der Deutschen sind lt. Civey für einen Boykott der Fussballspieler, bei der Voting-App FanQ sind es sogar 90 Prozent. Die Liste der Ergebnisse, die nicht recht zusammenpassen wollen, scheint beliebig verlängerbar. Die Gründe dafür sind vielfältig: unterschiedliche Fragestellungen und Erhebungszeiträume, eine große Varianz in den Stichproben und Methoden.

Hochseriöse Institute ringen mit Voting-Apps und Fanseiten um die mediale Aufmerksamkeit. Glücklicherweise bekommt eine repräsentative Umfrage, die vom ARD-Morgenmagazin verbreitet wird, noch mehr Presse-Widerhall als die Umfrage des Bundesligabarometers.

Dennoch: Gibt man bei Google „Umfrage Fußball-WM Katar“ ein, stehen die diversen Studien gleichrangig nebeneinander.

Woran sollen Leser und Zuschauer erkennen, welche Umfragen seriös sind und welche nicht?

Die Vorwürfe, die Jan Böhmermann im „ZDF Magazin Royale“ den Meinungsforschern erst kürzlich gemacht hat, treffen erneut den Kern: Mit Umfragen werden Schlagzeilen gemacht. So widersprüchlich sie teilweise auch ausfallen mögen.

 

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