Studie von Horváth Unternehmen im Nachhaltigkeitsdilemma

Über drei Viertel der Unternehmen fordern eine temporäre Abschwächung der Vorgaben für Sustainability angesichts der aktuellen Krisensituation. Obwohl Sustainability als alternativlos gilt, sei dies notwendig, um die enormen Preissteigerungen zu bewältigen. Von der Lokalisierung ihrer Wertschöpfungskette erhoffen sich die Unternehmen dennoch Fortschritte bei Nachhaltigkeit, so eine aktuelle Studie von Horváth.

Schifftransport (Bild: picture alliance / EPA | TANNEN MAURY)

Gerade im Hinblick auf die Supply Chain stehen Unternehmen durch die Krise im Nachhaltigkeitsdilemma. Viele arbeiten auf eine Lokalisierung hin. (Bild: picture alliance / EPA | TANNEN MAURY)

Eine Studie der international tätigen Managementberatung Horváth unter Top-Führungskräften großer europäischer Unternehmen, durchgeführt vom IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung, zeigt, dass eine große Mehrheit in der aktuellen Rohstoff- und Energiekrise einen Einschnitt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sieht. 90 Prozent bezeichnen die anhaltenden Versorgungsengpässe als große Hindernisse, die der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen im Weg stehen. Acht von zehn Befragten geben zu, dass aktuelle Lösungen zur Sicherung der Supply Chain nicht vollständig kompatibel mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie sind. Ebenso viele sagen, dass das Festhalten an den strengen Nachhaltigkeitsvorgaben die Supply Chain unnötig verteuern, was in der angespannten konjunkturellen Lage das entscheidende finanzwirtschaftliche Zünglein an der Waage sein kann. All diese Faktoren führen dazu, dass sich 77 Prozent für eine temporäre Lockerung von Nachhaltigkeitsvorgaben aussprechen, um die massiven Preissteigerungen bewältigen und die Versorgungssicherheit aufrechterhalten zu können.

Nachhaltigkeit soll durch Lokalisierung vorangetrieben werden

Laut der Studie arbeiten 85 Prozent der Teilnehmenden daran, ihre Wertschöpfungsketten von Produktion bis Vertrieb künftig stärker in den jeweiligen Absatzmärkten zu bündeln („local for local“). Europa steht dabei bei der Mehrheit der Unternehmen im Fokus. Als Top drei Gründe dafür werden „Versorgungssicherheit“ (56 Prozent), „politische Stabilität“ (54 Prozent) und „Nachhaltigkeit“ (53 Prozent) genannt. 90 Prozent der Führungskräfte gehen zudem davon aus, dass die Rückbesinnung auf den europäischen Wirtschaftsraum einen positiven Effekt im Bereich Nachhaltigkeit haben wird. 80 Prozent glauben daran, dass sich eine lokale Kreislaufwirtschaft etablieren wird, die einen großen Beitrag zur CO2-Reduktion und Abfallvermeidung beitragen wird.

Plakativ formuliert liegt Nachhaltigkeit gerade auf Eis und rückt frühestens im Februar wieder auf die Agenda, je nachdem wie kalt der Winter wird. Die Bewältigung der Energiekrise steht über allen strategischen Themen.

, sagt Matthias Deeg, Partner und Experte für Green Transformation bei Horváth. Die Unternehmen seien dennoch von der Notwendigkeit von Sustainability überzeugt und versuchen, durch die Lokalisierung zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen, so Deeg.

Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung
Befragte Zielgruppe Top-Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 200 Millionen Euro Jahresumsatz, branchenübergreifend
Stichprobengröße n = 150
Feldzeit Ende 2. Quartal 2022
Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Vereinigtes Königreich (67 % aus Deutschland)
 

Weitere Informationen zum Unternehmen auf marktforschung.de:

PREMIUM

Horváth AG

Stuttgart

Horváth AG

Performance Management und Transformation im Fokus Horváth ist eine international tätige, unabhängige Managementberatung mit…

Diskutieren Sie mit!     

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Machen Sie gerne den Anfang!

Um unsere Kommentarfunktion nutzen zu können müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Weitere Highlights auf marktforschung.de