Twitter Datenanalyse: Offensive der AfD, FDP "zwitschert“ besonders effektiv

Eine Auswertung der Tweets der Parteien zeigt inhaltliche Schwerpunkte und vor allem eines: Den aggressiven Social Media Wahlkampf der AfD – und offenbar auch seine Grenzen.

Beitrag von Moritz Wichmann

Auch wenn der Wahlkampf zwischen Angela Merkel und Martin Schulz etwa beim Fernseh-Duell, Anfang September bislang eher müde war, auf den sozialen Medien geht es lebhaft zu. Eine Analyse der Twitter-Aktivitäten der Parteien zeigt den politischen Fokus und belegt: besonders die Alternative für Deutschland (AfD) führt eine aggressive Twitter-Kampagne.

Der Hamburger Politikwissenschaftler Josef Holnburger hat die Twitter-Accounts der Parteien, von Parteivorständen, Generalsekretären und Bundestagsabgeordneten von SPD, CDU/CSU, Grünen und Linkspartei ausgewertet. Für die FDP und die AfD hat Holnburger die Twitter-Aktivitäten der 20 reichweitenstärksten Accounts der beiden Parteien, beziehungsweise ihrer Politiker analysiert.

Außerdem untersuchte Holnburger das Verhalten von rechten Verschwörungstheoretikern auf Facebook. Aus “Ärger“ über das Auftreten der AfD entwickelte er mit Python einen Bot, um der Frage nachzugehen, wie die Rechtsaußenpartei im Vergleich zu anderen Parteien in sozialen Netzwerken auftritt. 12,5 Millionen Twitter-Aktivitäten wie Tweets, Retweets und Favorite-Markierungen hat das Programm bisher in einer Datenbank gesammelt, allein im August waren es 39.000 Tweets.

Im Juli twitterten alle Parteien en masse zum G20, die Linkspartei sogar mehr als allgemein über die Bundestagswahlen. Im August nutzen alle Parteien den zentralen Hashtag #btw17, um sich an eine breite Öffentlichkeit zu wenden. Die beiden Volksparteien SPD und CDU, aber auch die CSU stellen vor allem die eigenen Spitzenkandidaten, beziehungsweise Horst Seehofer, in das Zentrum ihrer Twitter-Aktivitäten. Grüne und FPD verwenden bevorzugt die eigenen Kampagnen-Hashtags #darumgruen und #weiterdenken. Die AfD-Accounts und die von Linkspartei-Bundestagsabgeordneten arbeiten sich vor allem an Merkel, CDU und SPD ab.

Die Grünen twittern viel zum Dieselgipfel, zum Thema Diesel allgemein und anderen Umwelt-Themen, die FDP zur Digitalisierung, die Linkspartei bezog viel Stellung zu Erdogan und Trump. Vor allem aber zeigen die Tweets aus dem August auch die Medienereignisse des Monats: Der Dieselgipfel, das Attentat in Barcelona, das Sommerinterview und die Wahlarena für SPD und CDU. Für die CSU waren auch die Wagner-Festspiele in Bayreuth einige Tweets wert. 

Die CDU-Abgeordneten twitterten im August außerdem über für sie vorteilhafte Entwicklungen, wie beispielsweise den Übertritt der Grünen-Abgeordneten Elke Twesten, die Neuwahl in Niedersachsen und die Probleme der rot-rot-grünen Koalition in Thüringen. Alle Parteien, vor allem aber die AfD, nutzen die Hashtags Gauland und Anne Will, um über die kontrovers diskutierte Äußerung des AfD-Vize-Vorsitzenden Alexander Gauland zu zwitschern. Er sagte in der Fernseh-Sendung Anne Will, dass man die SPD-Politikerin Oezuguz “entsorgen“ müsse.

Holnburgers Twitter-Analyse zeigt vor allem eines: Die AfD führt einen besonders angriffslustigen Twitter-Wahlkampf, sie twitterte im August sieben Mal so viel als im Januar.

Doch Holnburger hat auch beobachtet, wie die Twitter-Kampagne der Rechtsaußenpartei an ihre Grenzen stößt, beziehungsweise weniger effektiv ist: Mit der Masse der Tweets nimmt die Rate der Retweets und die Häufigkeit, mit der Nutzer Tweets als Favorites markieren, ab. Doch aufgrund der Vielzahl an Tweets hatten die Accounts der Partei auch im August immer noch die meisten Retweets und Favorites.

Vor allem die FDP “scheint“ auf Twitter effektiv Wahlkampf zu machen, sagt Holnburger. Er beobachtete, dass die Partei mit “wenigen Themen, Tweets und entsprechenden Hashtags“ durchschnittlich mehr Menschen erreicht, als die Konkurrenz. Die Grünen würden die meisten Themen bearbeiten.

 

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