Prof. Dr. Matthias Fank, Technische Hochschule Köln „Marktforschende haben bei der Entwicklung von Kompetenzen zur Problemlösung deutlichen Nachholbedarf“

Welche Skills benötigen Marktforschende in Zukunft? Prof. Dr. Matthias Fank verrät im Rahmen unseres Dossiers "Die Insights Manager von morgen", wie Studierende ausgebildet werden sollten, um den Ansprüchen der Branche gerecht zu werden.

Uns interessiert Ihre Vision: Wie wird sich die Position des betrieblichen Marktforschenden bis zum Jahr 2025 verändert haben? Was denken Sie? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Bis 2025 wird sich aus meiner Sicht nicht so viel verändern. Durch den Lockdown haben viele Unternehmen den Digitalisierungsprozess beschleunigt und prüfen aktuell, was in Zukunft verändert werden kann bzw. muss. Hiervon sind die betrieblichen Marktforscher nicht ausgeschlossen.

Werden zukünftig Data Scientists die betrieblichen Marktforschenden ablösen? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Data Science ist ein wichtiges Thema und es werden noch immer händeringend entsprechende Fachkräfte gesucht. Dieser Bedarf wird aber nicht die Marktforschung ersetzen.

Ich sehe darin eher eine Bereicherung und ein zusätzliches Feld, das in Unternehmen bedient werden muss, um in Zukunft überleben zu können.

Uns interessiert Ihre Vision: Wie wird sich die Position eines Consultants im Full-Service-Institut bis zum Jahr 2030 verändert haben? Was denken Sie? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Wir müssen lernen, Antworten auf Fragen zu geben. Eine Marktforschungsstudie sollte kein Selbstzweck sein. Wenn es gelingt, Antworten auf Fragen zu finden und die Antworten auch einen Sinn ergeben, kann die Branche wachsen.  

Was fehlt den heutigen Marktforschenden, um Insights Manager von morgen zu sein? Gibt es auch Kompetenzen/Fähigkeiten, die den Marktforschenden bereits heute fehlen? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Was die Methodenausbildung angeht, sind wir inzwischen ganz gut.

Einen deutlichen Nachholbedarf haben Marktforschende bei der Entwicklung von Kompetenzen zur Problemlösung.

So wie Unternehmen einen Beratenden holen, wenn sie Probleme haben, sollte es auch in der Marktforschung sein. Man beauftragt kein Marktforschungsinstitut, weil es gut Fragebögen entwickeln oder Daten analysieren kann, sondern weil man Probleme gelöst oder Antworten auf Fragen haben möchte. 

Fehlt den Marktforschenden in der Summe Beratungskompetenz? Und wenn Ja, wie entwickelt man diese? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Da sehe ich einen großen Bedarf. An der TH Köln versuchen wir dies zum einen über Wissensvermittlung und zum anderen über Projektarbeit. Die Wissensvermittlung erfolgt über ein eigenes Modul mit der Bezeichnung „Forschungsprozesse: Consulting und Management.“ Im zweiten und dritten Semester müssen die Studierenden an einem Projekt teilnehmen. Die Projekte werden so gestaltet, dass ein Problem oder eine Frage formuliert wird und die Studierenden dann eigenständig eine Lösung finden müssen. Dabei entscheiden sie selbst, welche Ansätze und Methoden dabei zum Einsatz kommen. 

Wer wird die Insights Manager von morgen ausbilden? Wird es Änderungen zu heute geben? 

Prof. Dr. Matthias Fank:

Was ein Insights Manager macht, ist für mich keine neue Aufgabe. Es ändern sich Möglichkeiten und Methoden.

Aus den technologischen Entwicklungen ergeben sich neue Chancen, die man nutzen sollte. Wem es gelingt, sich an die Entwicklung anzupassen, dort wird man Insights Manager ausbilden. Das Label ist dabei zweitrangig. 

Wie sollten Universitäten und Hochschule Menschen auf einen Job in der Marktforschung vorbereiten? Was sollte sich von heute unterscheiden? 

Prof. Dr. Matthias Fank Einen guten Fragebogen kann man nicht entwickeln, indem man ein Buch dazu liest und dann versucht, dies anzuwenden. Ein Buch zu lesen ist sicherlich hilfreich, muss aber zwingend um praktische Übungen ergänzt werden. Hier passt der Spruch: Übung macht den Meister. Dies kann an Hochschulen durch Projektarbeit ermöglicht werden. 

Sollen Marktforschende spezialisierte Studiengänge wie Psychologie oder BWL mitbringen oder besser als Generalisten à la MuM ausgebildet sein? 

Prof. Dr. Matthias Fank: Ich finde, es muss ein guter Mix sein. Durch die beiden Ausbildungsstufen Bachelor und Master kann man eine gute Kombination erreichen. An der TH Köln gibt es den spezialisierten Master für Marktforschung. Dabei wird eine große Bandbreite von Bachelor Studiengängen akzeptiert, um bewusst das Spektrum zu erweitern. 

Welche Skills werden wichtiger, welche unwichtiger?

Prof. Dr. Matthias Fank: Die folgende Tabelle gibt darüber Aufschluss.

(Bild: Prof. Dr. Matthias Fank)

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Über die Person

Prof. Dr. Matthias Fank ist Professor für Informationsmanagement an der Technischen Hochschule Köln und war bis 2020 Studiengangsleiter des Masterstudienganges Markt- und Medienforschung. Seine Spezialgebiete liegen in den Bereichen Webmonitoring, Konzeption und Umsetzung von Befragungen bzw. Fragebögen oder dem Strategischen Informationsmanagement.

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