Wegwerfgesellschaft Lebensmittel verschwinden weiterhin in der Tonne - Grund ist das Mindesthaltbarkeitsdatum

Mindesthaltbarkeitsdatum: Immer wieder landen Lebensmittel in der Mülltonne. Ein Phänomen, das viele Menschen in Deutschland ärgert. Obwohl private Haushalte am meisten wegwerfen, wollen diese jedoch andere in die Pflicht nehmen.

Immer noch werfen die Menschen in Deutschland noch gute Lebensmittel weg. (Bild: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening)

Laut statistischem Bundesamt landeten in Deutschland im Jahr 2020 elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig und wirtschaftlich schädlich, sondern belastet auch das Klima. Jährlich entstehen so zusätzlich knapp 25 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen.

Hauptgrund Mindesthaltbarkeitsdatum

Während bei Handel und Herstellern hier wenig Müll anfällt, sind es vor allem private Haushalte, die kräftig wegwerfen. Vor allem wegen des Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums. Eine aktuelle repräsentative Befragung des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) bringt zutage, dass die Hälfte der Menschen in Deutschland Lebensmittel mindestens einmal im Monat in den Müll werfen, weil dieser Stichtag überschritten wurde.

Lediglich 20 Prozent der Menschen haben noch nie Nahrungsmittel aus diesem Grund entsorgt. Jeder Siebte wirft in diesem Kontext sogar wöchentlich Lebensmittel weg. „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist für viele Menschen also immer noch ein Wegwerfdatum“, fasst Andreas Neus, Geschäftsführer des NIM, zusammen.

Überrascht hat uns hierbei, dass Faktoren wie das Haushaltseinkommen oder die Größe des Wohnortes keinen Einfluss auf das Wegwerfverhalten zu haben scheinen.

Personen unter 40 werfen nach dem Stichtag mehr weg

Vor allem Personen unter 40 Jahren werfen überdurchschnittlich häufig Lebensmittel weg, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Bei 60 Prozent kommt das mindestens einmal im Monat vor. Ähnlich häufig werfen ansonsten nur noch Personen mit Kindern im Haushalt weg.

Ganz anders sieht das bei älteren Personen über 60 Jahren aus: Hier gibt lediglich jede fünfte Person an, Lebensmittel regelmäßig aufgrund des Mindesthaltbarkeitsdatums auszusortieren. Ältere ergreifen außerdem nicht nur mehr Maßnahmen, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden, sie tragen in diesem Kontext auch deutlich seltener Konflikte im Haushalt aus.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Unsicherheit  bei jüngeren Menschen

Jüngere Personen und Menschen mit Kindern im Haushalt schmeißen am meisten weg,

weil sie sich im Durchschnitt am wenigsten zutrauen, einschätzen zu können, ob Produkte nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch verzehrt werden können. Und es sind diese Gruppen, die das Wegwerfen von Lebensmitteln generell als am wenigsten problematisch betrachten.

Wegwerfgesellschaft: Ältere planen besser

Wegwerfen von Lebensmitteln ist grundsätzlich ein Problem. Vier von fünf Befragten stimmen dieser Aussage zu. Vor allem ältere Personen ab 60 fallen durch eine bessere Planung, sowohl beim Einkauf selbst als auch beim Verbrauch.

Dreiviertel der Befragten dieses Alters geben an, zuerst die Lebensmittel zu essen, deren Mindesthaltbarkeitsdaten als erstes ablaufen. Und die Hälfte achtet beim Einkauf darauf, dass der Stichtag weit in der Zukunft liegt.

Wunsch nach Wegwerfverbot für Handel und Hersteller

Auch auf politischer Ebene werden derzeit laut NIM wieder Vorschläge diskutiert, mit denen das Müllaufkommen verringert werden soll. 63 Prozent halten das Mindesthaltbarkeitsdatum nach wie vor für wichtig. Sehr kritisch sehen Verbraucherinnen und Verbraucher Maßnahmen, die sich direkt auf sie selbst auswirken würden. Höhere Preise, die einen Anreiz bieten würden, Lebensmittelabfälle zu vermeiden, werden ebenso abgelehnt wie Verbote für Privatpersonen, verpackte noch verzehrfähige Lebensmittel wegzuwerfen.

Vielmehr sollen Hersteller, Handel und Gewerbe in die Pflicht genommen werden. Eine große Mehrheit fordern eine Verpflichtung, unverkaufte Lebensmittel an Tafeln oder andere gemeinnützige Organisationen zu spenden.

Auch die geplante Legalisierung des Containerns wird begrüßt.

Ergänzungen zum Mindesthaltbarkeitsdatum stehen bei einer Mehrheit ebenfalls hoch im Kurs. Etwa in Form von Informationen, in welchen Fällen ein Lebensmittel nach Ablauf noch gegessen werden kann oder in Form eines Hinweises, das Produkt vor dem Wegwerfen zu überprüfen.

Weniger Lebensmittelabfall durch Produktlabel

Produktlabel sollen dazu anregen, Lebensmittel vor dem Wegwerfen mit den eigenen Sinnen zu untersuchen. Es gibt bereits einige solcher Labels. Die NIM-Befragung zeigt: Solche Labels werden gerade Zielgruppen, die viel wegwerfen, wahrgenommen. So gibt jeweils ein gutes Drittel der unter 40-Jährigen und der Menschen mit Kindern im Haushalt an, dass ihnen eine entsprechende Kennzeichnung schon einmal aufgefallen ist. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt. Auf die Frage, ob eine solche Kennzeichnung sie schon einmal bei der Entscheidung beeinflusst hat, ein Lebensmittel noch zu verbrauchen, anstatt es wegzuwerfen, antworteten überdurchschnittlich viele Personen aus den beiden Zielgruppen mit „Ja“.

 

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