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Studie der Bertelsmann Stiftung Jugendliche blicken positiv auf den Ausbildungsmarkt, beklagen aber die Fülle an Informationen

„Die hohe Nachfrage nach Fachkräften lässt die Mehrheit der Jugendlichen deutlich zuversichtlicher in die berufliche Zukunft blicken als noch während der Corona-Pandemie", sagt Clemens Wieland, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. (Bild: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)
Die Stimmung der Jugendlichen gegenüber dem Ausbildungsmarkt habe sich laut Bertelmann Stiftung deutlich verbessert. Nach den Unsicherheiten infolge der Corona-Pandemie würden nun fast drei Viertel der jungen Menschen optimistisch auf die Ausbildungssituation blicken. Das gelte aber nicht für alle. Viele Jugendliche mit niedriger Schulbildung schätzen ihre Aussichten auf eine Ausbildung als schlecht ein. Diese Gruppe benötigt besondere Unterstützung.
So sehen 72 Prozent der jungen Menschen in Deutschland auf dem Ausbildungsmarkt derzeit eher gute bis sehr gute Chancen für sich. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von Jugendlichen durch das Institut iconkids & youth im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Nur 16 Prozent halten die Chancen für schlecht oder eher schlecht. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres ist damit eine Trendwende erreicht, denn infolge der Corona-Pandemie hatten viele junge Menschen in den vergangenen Jahren die Chancen auf einen Ausbildungsplatz als gering eingestuft. Von den jungen Menschen mit niedriger Schulbildung äußern allerdings 26 Prozent den Eindruck, dass die Aussichten auf eine Ausbildung momentan schlecht oder eher schlecht seien.
Mehr Pessimismus bei der Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen
Was die Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen betrifft, so fallen die Einschätzungen pessimistischer aus: Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten hält ihre Zahl für ausreichend. Trotz zahlreicher unbesetzter Ausbildungsplätze glauben mehr als ein Viertel, dass zu wenig Plätze vorhanden sind. Nur zehn Prozent schätzt, dass es zu viele Ausbildungsplätze gibt.
„Die hohe Nachfrage nach Fachkräften lässt die Mehrheit der Jugendlichen deutlich zuversichtlicher in die berufliche Zukunft blicken als noch während der Corona-Pandemie.
Dass aber gleichzeitig jeder vierte Befragte den Eindruck hat, es gebe zu wenige Ausbildungsplätze und viele junge Menschen mit niedriger Schulbildung ihre Perspektiven am Ausbildungsmarkt als gering einschätzen, ist ein Warnsignal.
Es muss uns noch viel besser als bisher gelingen, junge Menschen und Betriebe zusammenzubringen“, sagt Clemens Wieland, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. Immerhin ist das generelle Interesse an einer Ausbildung hoch: Drei Viertel der befragten Jugendlichen streben sie an oder sehen sie zumindest als eine Option.
Berufsorientierung bleibt problematisch – zu viel Informationen
Ein großes Problem aber bleibt laut der Bertelsmann Studie die Orientierung bei der Berufswahl. Nach wie vor beklagen sich mit 55 Prozent mehr als die Hälfte aller befragten Jugendlichen, dass es ihnen schwerfalle, sich in der Fülle der Informationen zurechtzufinden. Insgesamt äußern viele junge Menschen den Bedarf nach mehr Hilfestellung bei der Planung ihrer beruflichen Zukunft: Fast jeder Dritte, der bereits Erfahrungen mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht hat, wünscht sich mehr Unterstützung, weitere 42 Prozent zumindest teilweise.
Mehr individuelle Unterstützung, vor allem für sogenannte NEETs
"Die notwendige Bedingung, um die Übergänge zwischen Schule und Berufsleben zu verbessern, ist eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen. Das allein genügt aber nicht.
Vor allem die jungen Menschen, die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben, brauchen eine individuelle und kontinuierliche Begleitung.
Die dafür nötigen Angebote sollten flexibel verfügbar sein, um bestmöglich auf die jeweilige Situation eingehen zu können“, sagt Wieland.
Das gelte umso mehr angesichts der während Corona angestiegenen Zahl von Jugendlichen, die sich weder in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung befinden – den sogenannten „NEETs“ (Not in Employment, Education or Training). 2022 belief sich ihre Zahl in Deutschland auf 564.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Die von der Bundesregierung in diesem Jahr beschlossene Ausbildungsgarantie sei laut Wieland zwar grundsätzlich ein „richtiges und wichtiges Signal“.
Methodik
Erhebungsmethode | Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens. Ergänzend wurden persönliche Interviews mit Jugendlichen mit Hauptschulabschluss geführt. |
Befragte Zielgruppe | Jugendliche im Alter zwischen 14 und 25 Jahren |
Stichprobengröße | 1.694 |
Feldzeit | 2. bis 30. Juni 2023 |
Länder | Deutschland |
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