Themenspecial Erneuerbare Energien im Hausbau: Marktbedeutung und Kostenpunkte

Wohngebäude stellen schon traditionell die mit Abstand am stärksten vertretenen Gebäudeklassen dar – sowohl was den Bestand wie den Anteil an den Neubauten anbelangt. Damit nehmen sie auch eine maßgebliche Rolle in Sachen Energetik ein: je mehr Gebäude in dieser Hinsicht zeitgenössisch optimiert sind bzw. errichtet werden, desto machtvoller sind die positiven Auswirkungen auf die Energiewende.

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Erneuerbare Energien und energetische Optimierung gehören seit Jahren zum deutschen Hausbau. Die Möglichkeiten sind jedoch ebenso vielfältig wie die Akzeptanz bei den Bauherrn. (stock.adobe.com © photo 5000)

Erneuerbaren Energien kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Kein Haus, das heute gemäß den aktuellen Gesetzen gebaut wird, kommt noch ohne die Nutzung erneuerbarer Energien und energetische Optimierung aus. Allerdings stehen den Bauherrn dafür eine Reihe von Optionen und Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche dies sind, wie sich die Zahlen verteilen und welche Folgen die Nutzung für die Gesamtkosten hat, zeigt dieser Artikel.

1. Erneuerbare Energien im Hausbau: Überblick

Erneuerbare bzw. regenerative Energien, oder vollständiger: -Energieträger, sind Energiequellen, die entweder nach menschlichem Ermessen und Zeiträumen unerschöpflich sind oder sich in nach ebensolchem Ermessen kurzen Zeiträumen regenerieren – im Gegensatz zu beispielsweise fossilen Energieträgern, deren Entstehungszeitraum mehrere Jahrmillionen beträgt, die jedoch binnen weniger als zwei Jahrhunderten maßgeblich vom Menschen ausgebeutet wurden.

Aufgrund dieser Eigenschaften stellen regenerative Energien einen maßgeblichen Ansatz zur Versorgung von Gebäuden vor dem Hintergrund der Energiewende dar – sowohl mit dem Ziel, eine erhöhte Autarkie bzw. verminderte Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu realisieren wie auch, die umweltschädigenden Folgen durch deren Gebrauch zu minimieren. Dies ist vor allem deshalb maßgeblich, weil mehr als ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs der Bundesrepublik auf Gebäude entfällt. 

Hintergrundinformation: Gesetze als maßgebliche Vorlage

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Aktuell beziehen sich die gesetzlichen Pflichten nur auf Wärmeerzeugung und -verluste. Dies könnte sich jedoch in den kommenden Jahren in Richtung Stromerzeugung ändern. (stock.adobe.com © highwaystarz)

Den zentralen politischen Hintergrund dieser gewünschten Umsetzung stellen in Deutschland drei Gesetze dar: 

  • Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), welches erstmals im Jahr 2009 in Kraft trat. Es verpflichtet Hausbauer, den Wärmebedarf anteilig durch regenerative Energien zu decken.
  • Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000, welches in seiner Urform, dem Stromeinspeisungsgesetz, bereits 1991 in Kraft trat und sich ausschließlich dem Themenkomplex elektrischer Strom widmet.
  • Das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Es trat Ende 2020 in Kraft und führte unter anderem weite Teile von EEWärmeG und EEG sowie weitere Gesetze zu einem einzigen Werk zusammen.

Diese Gesetze verpflichten letztendlich Hausbauer, auf erneuerbaren Energien basierende Techniken in ihrer Immobilie zu nutzen. Dabei sei unterstrichen, dass die Pflichten sich aktuell (Stand 2021) nur auf den Wärmebedarf fokussieren, wohingegen die Nutzung regenerativer Maßnahmen zur Stromversorgung noch optional ist – allerdings wird bereits für eine geplante Gesetzesnovelle diskutiert, daran etwas zu ändern. 

Auch sei angemerkt, dass die Gesetze mehrere Verschärfungen durchliefen, um der technischen Entwicklung, steigender Nutzungsvielfalt und sinkenden Preisen Rechnung zu tragen. 

Erneuerbare Energien in der Übersicht

Unter der Vorgabe der Unendlichkeit und/oder in menschlichen Zeiträumen erfolgender Regeneration finden sich mehrere Energien, die sich entsprechend im Hausbau einsetzen lassen. 

  • Sonnenenergie: Licht und Wärmestrahlung der Sonne stellen dabei die wichtigste „unendliche“ Energiequelle dar. Für den Hausbau stehen zwei technisch und energetisch unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung: Systeme, welche das Licht der Sonne nutzen und Systeme, welche die Sonnen(wärme)energie nutzen. 
  • Erd- Luft- und Grundwasserwärmeenergie: Wann immer eine thermische Differenz zwischen zwei Medien vorhanden ist, kann diese genutzt werden, um einen gewünschten Temperaturwechsel herbeizuführen. Das Erdreich, das Grundwasser und die Umgebungsluft liefern im Hausbau diese Differenz, wirken als energetische Reservoirs. Mithilfe technischer Systeme wird ihre thermische Energie entzogen und einem häuslichen Raum zugeführt, um diesen zu erwärmen. 
  • Biomasseenergie: Unter diesem Begriff sammelt sich die energetisch wertvolle Masse von pflanzlichen und tierischen Stoffen. Diese können je nach technischem Prinzip über den Weg der Verbrennung sowohl zur Beheizung wie zur Elektrizitätsversorgung herangezogen werden. 

An- und abhängige zusätzliche Techniken

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Wärmepumpen (hier ein auf Luft basierendes System) stellen bei Bauherrn die mit Abstand beliebteste Technik zur Nutzbarmachung der Umgebungswärmeenergie dar. (stock.adobe.com © Hermann)

Um die skizzierten regenerativen Potenziale nutzen zu können, sind technische Maßnahmen notwendig – diese werden umgangssprachlich häufig ebenfalls als „Erneuerbare Energien“ bezeichnet, wohingegen sie tatsächlich nur die praktische Nutzung dieser ermöglichen. In Abhängigkeit der genannten Energien sind dies:

Sonnenenergie

  • Für die Erzeugung von Elektrizität wird ausschließlich die bewährte und effiziente Technik der Photovoltaik (PV) herangezogen. Sie nutzt den sogenannten photoelektrischen Effekt, der Photonen aufnimmt und dadurch Elektronen in Bewegung versetzt. Damit wird die Lichteinstrahlung der Sonne in Gleichstrom umgewandelt, welcher für die häusliche Nutzung nur in Wechselspannung umgewandelt werden muss.
  • Für die wärmende Nutzung der Sonnenenergie findet die sogenannte Solarthermie Anwendung. Hierbei erwärmt die Sonnenenergie im Hausbau typischerweise ein flüssiges, frostsicheres Speichermedium, welches sich in dachmontierten Kollektoren befindet und das seine Wärme wiederum an einen Heiz- und/oder Brauchwasserkreislauf abgibt. 

Erd- Luft- und Grundwasserwärmeenergie

Diese drei Energieformen werden im Hausbau generell durch ein einzelnes technisches Prinzip nutzbar gemacht, die sogenannte Wärmepumpe. Diese entzieht dem gewählten Medium seine Wärmeenergie, konzentriert diese in Umkehrung des Funktionsprinzips eines Kühlschranks und gibt die Wärme ebenfalls an einen Heiz- und/oder Brauchwasserkreislauf ab – typischerweise beides. 

Biomasseenergie 

Um die Energie der (im Wohnungsbau) typischerweise pflanzlichen Biomasse zu nutzen, stehen ebenfalls zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Die Nutzung der Verbrennungswärme – beispielsweise in Form von Scheitholz-, Hackschnitzel- oder auch Pelletöfen. Die Biomasse wird verbrannt, erzeugt dabei Nutzwärme, die entweder direkt oder auf einen Brauch- bzw. Heizwasserkreislauf wirkt. 
  • Die Nutzung zur Stromerzeugung. Hierzu wird gasförmige, flüssige oder feste Biomasse ebenfalls verbrannt, die dabei freiwerdende Energie wird typischerweise genutzt, um ein Blockheizkraftwerk (BHKW) zu betreiben, wodurch sowohl Wärme wie elektrischer Strom erzeugt und nutzbar gemacht werden. 

2. Erneuerbare Energien im Hausbau: Statistiken

Durch die schon seit einigen Jahren existierenden gesetzlichen Vorgaben, die Vielfalt der möglichen Nutzungsarten und die Attraktivität der (teilweisen) energetischen Autonomie ist der private Wohngebäudebestand sowie jeder einzelne Neubau der jüngeren Zeit in hohem Maße von der Anwendung regenerativer Energien geprägt. Dies lässt sich auch in Zahlen deutlich nachvollziehen. 

Photovoltaik

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Am Gesamtaufkommen von regenerativ erzeugtem Strom hat Photovoltaik immensen Anteil, häusliche Kleinanlagen tragen jedoch nur ein knappes Fünftel des Sonnenstroms bei – noch. (stock.adobe.com © Jürgen Fälchle)

2010 sah eine Studie der TU München und der Siemens AG für die zusammengenommenen Dachflächen in der Bundesrepublik ein PV-Potenzial von 161 Gigawatt Peak (GWp) – die Peak-Leistung ist in der Photovoltaik die wichtigste Kenngröße zum Ermitteln der Leistungsabgabe unterschiedlicher PV-Module unter kontrollierten Testbedingungen.

Dabei stellen die Dachflächen privater Wohngebäude aufgrund ihrer großen Anzahl einen bedeutenden Anteil der dachinstallierten Photovoltaik – wenngleich nach einer aktuellen Ermittlung des Fraunhofer-Instituts derartige häusliche Kleinanlagen nur einen geringen Anteil der gesamten installierten Leistung ausmachen.

Aktuelle statistische Daten:

  • Für das Jahr 2019 ermittelte das Bundeswirtschaftsministerium eine installierte Photovoltaik-Gesamtleistung von 49,016 Gigawatt Peak. 
  • Davon wurden allein 3,95 Gigawatt anno 2019 neu installiert.
  • Damit hat Photovoltaik einen Anteil von 39,1 Prozent der gesamten regenerativen Stromerzeugung
  • Laut EUPD Research wurde 2020 erstmalig die Schwelle von 1 GWp bei Neuinstallationen der für den privaten Hausbau maßgeblichen Kleinanlagen bis 10 kWp erreicht, womit diese immerhin ein Viertel des Gesamtausbaus in diesem Zeitraum betragen.
  • Ebenfalls laut Fraunhofer-Institut machen diese Kleinanlagen jedoch aktuell nur knapp 15 Prozent der installierten PV-Gesamtleistung aus. 

Vor allem hinter dem letztgenannten Wert steht auch der Grund, warum aufseiten der Politik über eine PV-Pflicht bei Neubauten diskutiert wird: während in südlicheren Bundesländern eine hohe Durchdringung bei Neubauten zu sehen ist (auch aufgrund des besseren Sonneneinstrahlwinkels), gibt es aktuell in anderen deutschen Regionen noch großes, brachliegendes Potenzial. 

Solarthermie

Im Jahr 2019 gab es in Deutschland zirka 15,9 Millionen Einfamilienhäuser als bedeutendstem Anteil des privaten Wohnhausbestandes. Daraus ergibt sich ein ebenso hoher Bedarf an Heizungsanlagen. Diese Zahl ist auch für die weiteren, noch zu nennenden Heiztechniken von Bedeutung. In diesem Jahr wurden zudem 103.110 Wohnungen in Eigenheimen neu gebaut – 68.224 dieser Gebäude waren Einfamilienhäuser.

Solarthermie hatte daran einen interessanten Anteil:  

  • Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft wurden 2019 rund 71.000 Solarthermie-Anlagen neu errichtet
  • Dies entspricht einer neu installierten thermischen Leistung von 360 Megawatt.
  • Insgesamt errechnet die Solarwirtschaft 14,8 GW (1,48x1010 J) installierte Solarwärmeleistung.

Wärmepumpen

Wärmepumpen stellen hinsichtlich der durch EEWärmeG bzw. GEG ermöglichten Wahlfreiheit die mit Abstand beliebteste Nutzung von erneuerbaren Energien zur Wärmegewinnung dar. 

Im Jahr 2019 lag deren Anteil nach Meldungen des Bundesverbands Wärmepumpe bei insgesamt 42,7 Prozent. Damit folgt der Wert einem langjährigen Trend – anno 2000 wurden nur 0,64 Prozent aller Neubauten mit einer Wärmepumpe ausgestattet.  

Der zentrale Grund für diesen Erfolg ist nicht nur die technische Vielfalt der Wärmepumpen. Es ist auch die Tatsache, dass diese Systeme es den Gebäudebesitzern ermöglichen, nur noch einen Energieträger zu benötigen, über den sowohl die Elektrifizierung wie die Gebäudeheizung realisiert wird – elektrischer Strom. 

Hier kommt es überdies zu Wechselwirkungen, da Wärmepumpen sich mit Photovoltaik kombinieren lassen, wodurch sich attraktive Einsparpotenziale durch einen hohen Selbstnutzungsgrad des auf diese Weise erzeugten Stroms ergeben – dies ist auch deshalb maßgeblich, weil die Einspeisevergütungen für neu installierte PV-Anlagen seit Jahren sinken. Viele private Hausbauer streben deshalb eine möglichst maximale Eigennutzung an, um die Rentabilität ihrer PV-Anlage zu erhöhen. 

Biomasseöfen

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Auf Biomasse basierende Zentralheizungen (hier Pellets) erfreuen sich wegen ihrer Brennstoffbevorratung vor allem bei Hausbesitzern mit starken Autarkiebestrebungen großer Beliebtheit. (stock.adobe.com © Africa Studio)

Für den privaten Hausbau hat die Nutzung von Blockheizkraftwerken und ähnlichen, zumindest anteilig stromerzeugenden Techniken aus Biomasse (sogenannte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK)) nur eine untergeordnete Bedeutung. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ermittelte für das Jahr 2019 lediglich 1801 der für den privaten Hausbau maßgeblichen Kleinstanlagen unterhalb einer elektrischen Gesamtleistung von weniger als zwei Kilowatt.

Deutlich bedeutsamer sind dagegen rein zur Wärmeerzeugung herangezogene Biomasseöfen. Deren Anteil am gesamten Wohngebäudebestand der Republik verteilt sich folgendermaßen:

  • 2019 gab es hierzulande 286.500 Pellet-basierte Zentralheizungen, wovon laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie 11.500 neu installiert wurden. Dazu 193.500 auf diesem Brennstoff basierende Kaminöfen, wodurch sich 480.000 auf Pellets basierende Feuerstätten ergeben. 
  • Scheitholzheizungen wurden in diesem Jahr 6000 Stück abgesetzt.
  • Bei Hackschnitzelheizungen waren es 3000 Stück. 

Den mit weitem Abstand größten Anteil an Feuerungsanlagen mit fester Biomasse haben indes Kamin- und sonstige Öfen, die in einzelnen Räumen aufgestellt werden. Für das Jahr 2018 vermeldete das Umweltbundesamt eine Anzahl von 11,2 Millionen Stück – wobei die Gesamtzahl schon seit der Jahrtausendwende je nach Jahren zwischen rund zehn und zwölf Millionen Öfen schwankt. 

3. Erneuerbare Energien im Hausbau: Kostenfaktoren

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz bzw. das Gebäudeenergiegesetz schreiben eine anteilige Nutzung erneuerbarer Energien bei Neubauten verpflichtend vor. Auch wenn sich durch die Ausgestaltung der Gesetze (§§ 34 ff. GEG) daraus verschiedenste Nutzungs- und Kombinationsmöglichkeiten ergeben, innerhalb derer Bauherrn eine weitgehende Wahlfreiheit haben, solange die prozentualen Endwerte erreicht werden, so ist die Nutzung doch ein Kostenfaktor. 

Kritik der Verteuerung

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Energetische Pflichtmaßnahmen werden seit längerem als künstliche Verteuerung des Hausbaus kritisiert – was nach Studien auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist. (stock.adobe.com © Jeanette Dietl)

Dabei entstand die Kritik praktisch zeitgleich mit der Einführung der ersten Ausfertigungen des EEWärmeG sowie auch der bislang nicht erwähnten Energieeinsparverordnung (EnEV) – letztere hat zwar prinzipiell nichts mit erneuerbaren Energien zu tun, legt jedoch Hausbesitzern damit gekoppelte Pflichten hinsichtlich der Transmissionswärmeverluste der Gebäudehülle auf. Umgangssprachlich wird deshalb von einer „Dämmpflicht“ gesprochen. 

Die Kritiken entstammen dabei nicht nur denjenigen Branchen, die mit der Nutzung fossiler Energien in Wohngebäude ihr Geld machen, sondern auch von den Bauherren selbst. Sie sahen und sehen sich nicht nur in ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt, sondern sehen die Pflicht zur anteiligen Nutzung erneuerbarer Energien und somit der dahinterstehenden Techniken als künstliche Verteuerung des Hausbaus – wobei angenommen wird, dass die Errichtung von Gebäuden mit auf fossilen Energien beruhenden Techniken und weniger wärmedämmenden Bauteilen preisgünstiger wäre. 

Aktuelle Studien 

Lange Zeit standen diese Vorwürfe im Raum, ohne dass eine umfassende, wissenschaftliche und statistische Überprüfung stattgefunden hätte. Dies änderte sich in den vergangenen Jahren, als zwei maßgebliche Untersuchungen sich des Themas und der Vorwürfe annahmen, sie analysierten und veröffentlichten:

  • Das ifo Institut des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München führte eine Studie durch, welche die Kostenentwicklungen im Hausbau unter konkreter Berücksichtigung der EnEV im Zeitraum 2008 bis 2015 untersuchte. Ein Auszug aus dieser Studie: 

"Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Zeitraum von acht Jahren – 2008 bis 2015 – die Preise für Bauleistungen bei der Errichtung neuer Wohngebäude um 16,5% gestiegen sind. Die veranschlagten Baukosten pro Quadratmeter für neu errichtete Wohngebäude kletterten laut Genehmigungsstatistik im selben Zeitraum um rund 25%. 

Die Auswertung der amtlichen Daten zu den Baupreisen sowie zu den Baukosten für genehmigte Vorhaben lässt demnach den Schluss zu, dass rein rechnerisch rund zwei Drittel der festgestellten Zunahme der Bauwerkskosten auf die gestiegenen Baupreise zurückzuführen sind. 

Die zeitliche Verteilung bzw. das Ausmaß der jeweiligen Zuwächse bei den Baukosten deuten darauf hin, dass die Verschärfungen der baulichen Vorgaben im Zuge der EnEV 2009 bzw. 2014 eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entwicklung der Baukosten seit 2007 gespielt haben."

  • Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (eine Bauforschungseinrichtung der Bundesrepublik) veröffentlichte überdies 2019 eine Studie über die Auswirkungen energetischer Standards auf die Bauwerkskosten. Auch dazu ein Auszug:

"Anhand der Entwicklungen in der Trendanalyse ist unter anderem zu erkennen, dass sich eine deutliche Schere zwischen Kosten und Energieeffizienz in den höheren energetischen Standards ausbildet. Während sich die Einsparpotenziale […] bei den hohen energetischen Anforderungsniveaus nur noch mit geringer Intensität verändern, steigt der Aufwand […] und die damit verbundenen Mehrkosten […] exponentiell an."

Konkret bedeutet dies, dass zumindest die reinen Entstehungskosten durch ein verbessertes energetisches Niveau in der Tat ansteigen. Allerdings betrachten beide Studien nur die Baukosten selbst. Unberücksichtigt bleiben die Auswirkungen auf die langfristigen Kosten – sowohl die energetischen Optimierungsmaßnahmen wie der Einsatz regenerativer Energien können die Verbräuche und somit Verbrauchskosten auf längere Sicht reduzieren. 

Verdeutlichen können dies andere Auswertungen: Für 2018 ermittelte das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme für private PV-Kleinanlagen Stromgestehungskosten zwischen 11,54 und 7,23 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im gleichen Zeitraum betrug der mittlere Betrag für eine vom privaten Endverbraucher bei einem regulären Stromanbieter bezogene Kilowattstunde 29,42 Cent.

Tendenzen der Verbraucher

Bild7 (Bild: Proxima Studio - stock.adobe.com)
Viele Verbraucher tendieren dazu, nur die Anschaffungskosten zu sehen, ignorieren jedoch das langfristige Einsparpotenzial durch die Nutzung erneuerbarer Energien – vornehmlich deutlich reduzierte Gebäude-Unterhaltskosten. (stock.adobe.com © Proxima Studio)

Ungleich zu dem, was zunächst befürchtet wurde, konnte sich die Corona-Pandemie bis dato kaum negativ auf den privaten Hausbau auswirken. Das heißt, die Zunahme von installierten erneuerbaren Energien wird sich nach derzeitigem Stand nicht wesentlich vermindern. 

Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die generelle Tendenz der Bauherren, was die energetische Hochwertigkeit ihrer Häuser anbelangt. Zudem auch, wie sich das gesamte Ansehen „grüner“ Techniken entwickeln könnte.

  • Im Jahr 2017 wurden in Deutschland insgesamt 285.000 Wohneinheiten neu errichtet. Das bedeutet, dass 285.000 Wohnungen unter die damals gültigen gesetzlichen Mindestanforderungen von EEWärmeG, EnEV usw. fielen. Der derzeit aktuellste Monitoring-Bericht der KfW weist für diesen Zeitraum jedoch nur 117.000 geförderte Neubauwohnungen aus. Das heißt, weit mehr als die Hälfte der Wohnungen wurde in diesem Jahr nur nach den gesetzlichen Mindestvorgaben errichtet; weitaus geringer war der Anteil derer, die nach den für die KfW-Förderprogramme deutlich strengeren Anforderungen gebaut wurden.
  • Im WdM Web-Seminar von Strategir und Beyond Reason Anfang Oktober 2020 kam zudem heraus, dass die Konsumenten sich durch die Pandemie deutlich stärker auf Preise fokussieren – wo Umweltschutz zuvor eine beständig steigende Rolle gespielt hatte.

Das lässt den Rückschluss zu, dass Verbraucher beim sowieso ausnehmend teuren Projekt Hausbau schon seit längerer Zeit dazu tendieren, dort einzusparen, wo es ihrer Meinung nach am leichtesten ist – darunter fallen häufig Techniken zur Nutzbarmachung erneuerbarer Energien und artverwandte energetische Maßnahmen, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen. 

Die durch die Pandemie ausgelöste wirtschaftliche Situation weiterer Verbraucher könnte diesen Trend auch in tieferliegende Preiskategorien fortsetzen – sodass also auch bei Produkten, die nicht die hohen Kosten von Privathäusern erreichen, künftig wieder deutlich stärker auf den Preis geachtet wird statt (auch) auf einen möglichst hohen Umweltschutz. 

Nicht zuletzt die angedachte Pflicht zur Nutzung von Photovoltaik bei Neubauprojekten wird unter diesen Vorzeichen in allernächster Zeit neu bewertet werden müssen. 

Zusammenfassung und Fazit

Erneuerbare Energien stellen nicht zuletzt durch EEWärmeG bzw. GEG und EnEV einen maßgeblichen und vorgeschriebenen Teil des Hausbaus dar. Allein schon deshalb haben sie eine hundertprozentige Marktdurchdringung bei den Neubauten erlangt. Tatsächlich zeigt sich jedoch deutlich, dass eine Majorität der Bauherren dazu tendiert, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen – praktisch also denjenigen der geringsten Kosten. Dies deckt sich auch mit anderen Studien, die nur bei knapp einem Viertel eine Tendenz zu gänzlich energieautarken Häusern sehen. 

Hier wirkt sich auch aus, wie teuer Bauen derzeit durch andere Faktoren geworden ist. Das senkt die Toleranzschwelle für zusätzliche Ausgaben in Richtung erneuerbarer Energien deutlich und erweist sich aktuell schon als Hemmschuh der gesamtdeutschen Energiewende. Wie stark und umfassend sich die Pandemie hierbei noch auswirken wird, dürfte vor allem davon abhängen, wie sich das Infektionsgeschehen in der Zukunft entwickelt.

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