Dr. Olaf Wenzel: "Die GOR hat von Anfang an neben den inhaltlichen Dingen auch den Netzwerkgedanken verfolgt"

Dr. Olaf Wenzel, SKOPOS, DGOF

Dr. Olaf Wenzel, SKOPOS, DGOF

Dr. Olaf Wenzel ist Research Director bei SKOPOS und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung DGOF, die auch in diesem Jahr die General Online Research GOR veranstaltet. Zu Ausrichtung und Inhalten der diesjährigen Veranstaltung, die vom 26. bis zum 28. Mai an der Hochschule Pforzheim stattfindet, äußert er sich im Interview mit marktforschung.de.

marktforschung.de: Herr Dr. Wenzel, was erwartet den Besucher auf der GOR10?

Dr. Olaf Wenzel: Zu allererst natürlich spannende Vorträge. Wir haben dieses Jahr insgesamt 80 Einzelbeiträge im Angebot. Schwerpunktthemen sind unter anderem Panel Qualität, Online-Wahlforschung, Best Practice in der betrieblichen Marktforschung und natürlich nach wie vor Twitter und Co.

Daneben gibt es eine spannende Podiumsdiskussion zum Aufbau von Kundenpanels und natürlich mit Horst Müller-Peters einen sehr interessanten Keynote Speaker. Vor der eigentlichen Tagung gibt es auch dieses Jahr wieder eine Reihe von Workshops, in denen man sein Wissen vertiefen oder auch Neues lernen kann. Und natürlich – wie jedes Jahr eines der Highlights – die GOR-Party in einem coolen Club in der Innenstadt.

marktforschung.de: Was sind die signifikanten Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr?

Dr. Olaf Wenzel: Wir haben die GOR neu strukturiert und schlanker gemacht. Es gibt nun drei parallele Tracks, die inhaltlich kohärent sind: Track 1: Methoden; Track 2: Marktforschung; Track 3: Internet und Gesellschaft. In den letzten Jahren wurden wir vereinzelt aber doch regelmäßig darauf hingewiesen, dass das Programm zu unübersichtlich sei. Außerdem störte der häufige Wechsel zwischen den verschiedenen Tagungsräumen. Mit der neuen Struktur, die wir gemeinsam mit einer Gruppe von Mitgliedern der DGOF entwickelt haben, glauben wir, die Attraktivität des Programmes deutlich gesteigert zu haben – zumal wir durch die Beschränkung auf drei Tracks (früher waren es vier) auch strengere Bewertungskriterien hinsichtlich der eingereichten Beiträge anlegen mussten.

marktforschung.de: Ein wesentlicher inhaltlicher Fokus liegt – Sie sagten es bereits – auf dem Thema Qualität in der Online-Marktforschung – sowohl im Hinblick auf Panel- als auch auf Daten- und Sample-Qualität. Sehen Sie im Hinblick auf die aktuellen Qualitätsstandards in der Online-Marktforschung weiterhin Diskussionsbedarf?

Dr. Olaf Wenzel: Nun, Diskussionsbedarf wird immer vorhanden sein. Aber wir sind ja kein Debattierclub – wir wollen auch irgendwann mal zu Potte kommen. Deshalb haben wir als DGOF sehr aktiv an der Möglichkeit gearbeitet, sich nach der Access Panel Norm zertifizieren zu lassen. Das ist nun seit Ende 2009 möglich und die ersten beiden Online-Panel-Betreiber haben diesen Prozess bereits erfolgreich durchschritten. Nun kommt es meiner Meinung nach darauf an, weitere Online-Feldanbieter für diesen Prozess zu gewinnen, damit die Online-Marktforschung in der Praxis auf eine Datengrundlage zurückgreifen kann, deren Qualität sicher gestellt ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass auch in Zukunft einzelne Aspekte der Qualität neu definiert oder überarbeitet werden. Letztlich müssen sich die Normen ja in der Praxis bewähren. Aber, das möchte ich noch einmal betonen, wir sind hier wirklich einen sehr großen Schritt voran gekommen.

marktforschung.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Marktforschung im Social Web? Wird dieses Thema überschätzt oder ist das "Participative Internet" wirklich eine "Datenfundgrube" für Marktforscher?

Dr. Olaf Wenzel: Ich denke nicht, dass dieses Thema überschätzt wird. Im Gegenteil, ich bin sogar fest davon überzeugt, dass wir uns heute noch gar nicht richtig vorstellen können, wie nützlich der beinahe unendlich erscheinende Datenpool "partizipatives Internet" in Zukunft noch sein wird.

Die entscheidende Frage ist eigentlich nicht, ob diese Datenfundgrube nützlich ist – natürlich ist sie das! Die Frage ist eher, mit welchen Methoden und Techniken eine Auswertung möglich ist. Als Datenanalysten denken wir ja traditionell sehr zweidimensional: Variablen und Fälle! Netzwerkanalytische Ansätze – um nur eine weitere Dimension zu nennen – waren bislang eher das Handwerkszeug eines eingeschworenen Kreises von Methodikern. Das ändert sich gerade, neue Tools werden entwickelt, neue Ideen generiert. Aber wir sind hier meiner Ansicht nach immer noch am Anfang der Entwicklung. Nicht jede Idee, die heute bunt und sexy erscheint, wird sich auf Dauer durchsetzen.

marktforschung.de: Die GOR10 findet an der Hochschule in Pforzheim statt. Was war ausschlaggebend für die Wahl der diesjährigen Location?


Dr. Olaf Wenzel: In erster Linie fanden wir Pforzheim deshalb attraktiv, weil hier bereits seit Jahren ein echter Marktforschungsstudiengang etabliert ist. Den Marktforschungsnachwuchs – die Marktforscher von morgen – wollen wir gezielt ansprechen, von der Online-Methode begeistern und ihm die Möglichkeit geben, Kontakte in die Praxis oder auch die Wissenschaft zu generieren. Die GOR hat von Anfang an neben den inhaltlichen Dingen auch den Netzwerkgedanken verfolgt. Die "Szene" trifft sich hier seit Jahren und viele – ich eingeschlossen – profitieren im Laufe Ihres Berufslebens von den Kontakten, die auf der GOR entstanden sind. 

marktforschung.de: Herr Dr. Wenzel, vielen Dank für das Gespräch!

 

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