Dialego-Erhebung zu Ursachen der Milchpreiskrise

Aachen - Die Milchbranche durchlebt unruhige Zeiten: Massive Preisschwankungen, Bauernstreik und leere Regale versauern vielen Verbrauchern den Genuss von Molkereiprodukten. Eine Achterbahnfahrt mit unsicherem Ausgang. Werden Joghurt oder Butterbrot etwa zu Luxusgütern? Was sind die Ursachen der instabilen Milchpreise? Im Juni 2008 befragte das Aachener Marktforschungsinstitut Dialego 1.000 Bundesbürger zu diesem Thema.

Der seit längerem im Hintergrund schwelende Interessenkonflikt zwischen Produzenten und Einzelhandel beschäftigt die Presse schon länger und seit kurzem auch die Politik. Fast allen Verbrauchern (98 Prozent) sind die starken Milchpreisschwankungen der letzten Monate bewusst. Die ersten unangenehmen Folgen spürten sie, als zahlreiche Bauern aus Protest öffentlich ihre Milch in den Gulli schütteten, statt sie zu Dumpingpreisen an Großmolkereien zu verkaufen. Mancherorts waren die sonst gut gefüllten Regale leergefegt. Rund ein Viertel der Befragten (24 Prozent) hatte dies am eigenen Leib erlebt und kehrte mit leeren Taschen vom Milcheinkauf zurück.

Verbraucher unterstützen Milchbauern

Andera Gadeib, Alleinvorstand und Gründerin von Dialego: „Die Verbraucher stehen eindeutig auf der Seite der Milchbauern, denn die Mehrzahl der Befragten macht vor allem das überzogene Gewinnstreben von Handel (54 Prozent) und Molkereien (39 Prozent) für die Preisschwankungen bei Milch und Milchprodukten verantwortlich.“ Allerdings wissen die Befragten auch, dass die Ursachen komplexer sind. So gibt jeweils ein Fünftel den zu hohen Produktionsmengen in Europa bzw. Deutschland die Schuld für die Milchkrise, und je ein weiteres Fünftel sieht die Gründe in der gestiegenen Nachfrage auf dem Weltmarkt sowie in der landwirtschaftlichen Subventionspolitik hierzulande.

Bei den Bauern selbst hingegen sucht so gut wie niemand die Ursache für das Problem. Lediglich 9 Prozent sind der Meinung, diese hätten Schuld an den instabilen Preisen, was erklärt, dass der Protest der Bauern auf breites Verständnis stößt. Den von den Bauern geforderten Basispreis von 43 Cent je Liter halten mehr als zwei Drittel (71 Prozent) für gerechtfertigt.

Der kürzlich vom Discounter Lidl gemachte Vorschlag, den Endpreis für Milch und Butter um 10 bzw. 30 Cent anzuheben, findet zwar bei 39 Prozent derer, die von diesem Vorschlag gehört haben, Zustimmung. Allerdings muss man sehen, dass die Hälfte (48 Prozent) der zu diesem Vorschlag Befragten diesen skeptisch beurteilt und darin eher eine PR-Maßnahme zur "Image-Aufwertung" des Unternehmens sieht.

Lösung nicht in Sicht

Umstritten bleibt, welcher Weg nun aus der Krise führen kann, denn die Situation ist verworren. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Subventionen. So hält einerseits etwa ein Viertel (27 Prozent) der Befragten gezielten Subventionsabbau für das richtige Instrument, während ein Fünftel (21 Prozent) auf höhere Subventionierung setzt. Uneinigkeit herrscht auch in Bezug auf die anderen Vorschläge: je 19 Prozent vertreten die Meinung, man sollte sich aus dem internationalen Milchmarkt zurückziehen bzw. mehr aus dem europäischen Ausland importieren. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass 42 Prozent in den nächsten zwölf Monaten mit weiterem Streit über die Preisgestaltung rechnen. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) erwartet sogar weitere Preissteigerungen.

Quelle: Dialego AG

 

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