Interview mit Dr. Roland Abold, Geschäftsführer bei Infratest dimap „Bei allen technologischen Entwicklungen bleibt unsere Branche ein ‚people business'“

Neue Technologien sorgen auch in der Marktforschungsbranche für vielfache Möglichkeiten. Allerdings bleibt für Dr. Roland Abold, Juror beim 6. Start-up Online-Pitch, die Gewinnung und Bindung gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeitender eine zentrale Herausforderung. Im Interview hat er mit uns über weitere entscheidende Themen für die Branche und insbesondere auch Start-ups gesprochen.

Roland Abold im Interview zum Start-up Online-Pitch

Als Geschäftsführer sind Sie sicherlich mit vielen Start-ups in Kontakt. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, mit denen sich junge Unternehmen in der Marktforschungsbranche konfrontiert sehen?

Roland Abold: Den jungen Unternehmen in unserer Branche geht es ähnlich wie denen anderer Branchen. Am Anfang steht meist eine neue Idee, für die eine Finanzierung gesucht wird. Ist diese Hürde genommen, geht es darum, ein Team aufzubauen, was in Zeiten des Fachkräftemangels sowohl für neue als auch für etabliertere Unternehmen kein leichtes Unterfangen ist. Danach geht es an die Umsetzung und Kundengewinnung, wo junge Unternehmen es natürlich schwerer haben, die notwendige Aufmerksamkeit und Kontakte zu potenziellen Interessenten zu bekommen. Hier sind Initiativen wie der Start-up Pitch, aber auch die Möglichkeit, sich im Rahmen von Messen (wie der succeet) oder anderen Veranstaltungen zu präsentieren, eine gute Hilfestellung.

Sie sind als Vorstandsmitglied des ADM für die Zukunft der Marktforschung verantwortlich. Wo sehen Sie die Branche in fünf Jahren? Wie wird sich die Digitalisierung auf die Branche auswirken?

Roland Abold: Nach dem Einzug digitaler Erhebungsmethoden, plattformbasierter Forschungs- und Analysetools sowie Do-it-yourself Lösungen läuft im Moment mit neuen leistungsfähigen AI-Tools wie ChatGPT oder DeepL die nächste Welle an Veränderung durch die Forschungslandschaft. Aus meiner Sicht ergeben sich hier vielfältige neue Möglichkeiten, die aufgrund der besseren Verfügbarkeit von Technologien künftig auch kleineren Unternehmen in der Breite zur Verfügung stehen. Was wir als ADM dabei intensiv beobachten und begleiten müssen, sind ungeklärte Fragen des Datenschutzes, des geistigen Eigentums, der IT-Sicherheit sowie insgesamt der Transparenz der eingesetzten Verfahren.

Mit einem klaren Fokus auf Qualität und Transparenz kann hier in den nächsten fünf Jahren eine Erfolgsgeschichte für unsere Branche geschrieben werden.

Seit 2020 bieten Sie Start-Ups an, sich dem ADM als assoziierte Mitglieder anzuschließen. Welche Start-ups sind vor allem geeignet, um in den ADM aufgenommen zu werden?

Roland Abold: Der ADM hat sich in den vergangenen Jahren für neue und junge Unternehmen geöffnet und bereits einige Start-ups als Mitglieder gewonnen. Prinzipiell sind alle Start-ups willkommen, die rechtlich eigenständig sind und ihren Sitz in Deutschland haben. Wichtig ist für uns, dass sie sich hauptsächlich mit Themen, Methoden oder Dienstleistungen der wissenschaftlichen Markt- und Sozialforschung beschäftigen.

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Sie als ADM-Vorstandsmitglied haben einen sehr guten Überblick über die Marktforschungsbranche. Was treibt die Branche aktuell? Welche Trends zeichnen sich ab?

Roland Abold: Wie bereits oben genannt, werden neue KI-basierte Tools die Arbeitsmethoden und Services der Unternehmen stark beeinflussen.

Bei allen technologischen Entwicklungen bleibt unsere Branche allerdings ein „people business“. Daher sind Herausforderungen rund um die Gewinnung und Bindung gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeitenden ein extrem wichtiges Thema, das die Branche mehr denn je umtreibt.

Mir geht es da als Geschäftsführer von Infratest dimap nicht anders.

Welche Kriterien sind für Sie besonders wichtig, wenn es darum geht, junge Talente für Ihr Unternehmen zu rekrutieren?

Roland Abold: Bei Infratest dimap sind wir spezialisiert auf Wahl- und Politikforschung. Daher suchen wir junge Menschen, die bereit sind, sich auf das Thema einlassen und ein hohes Maß an Interesse und Leidenschaft für politische Prozesse und politische Meinungsbildung mitbringen. Aus meiner Sicht ist dies auch ein wichtiger Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der ganzen Branche: Nicht nur einfach „Angestellte“ zu gewinnen, sondern Menschen für die Forschung und Beratung im jeweiligen Themengebiet zu begeistern.

In welchem Bereich benötigt die Branche Innovationen? Wo ist die Branche teilweise sogar schon gesättigt, was neue Ideen betrifft?

Roland Abold: In den letzten Jahren ist sehr viel passiert hinsichtlich der Automatisierung von Datensammlung und Auswertung sowie der Integration von Datenquellen und der Visualisierung bspw. via Dashboards. Ob daher jede weitere beworbene „AI-powered end-to-end real time analytics platform“ einen signifikanten Innovationssprung für die Branche mit sich bringt, wage ich zu bezweifeln. Das wesentlich größere Fortschrittspotenzial würde ich aktuell in der Schnittstelle von Forschungs-Tools und Entscheidern sehen. Wie können Daten und Insights effizient und effektiv in die Entscheidungsprozesse der Kunden in Unternehmen, Politik und Gesellschaft integriert werden? Neben aller Technologie benötigen wir Menschen, die den Kunden und Kundinnen sowie Anwendenden dabei helfen, die Ergebnisse zu verstehen und umzusetzen.

Die Bedeutung der Beratung wird im Dschungel der Daten zunehmen. Vielleicht sehen wir auch hier bald neue Start-ups mit pfiffigen Ideen – ich würde es mir wünschen.

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Über die Person

Dr. Roland Abold ist seit 2018 als gewähltes Vorstandsmitglied beim Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitutee (ADM) aktiv und beschäftigt sich hier schwerpunktmäßig mit den Themen „Standards- und Richtlinien“ sowie der „Zukunft der Marktforschung“. Er ist seit Januar 2023 Geschäftsführer bei Infratest dimap. Zuvor leitete er die internationale Medienforschung bei der GfK und war von 2007 bis 2022 in verschiedenen nationalen und internationalen Rollen für das Unternehmen tätig.

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