Unabhängig-von-Fleisch-Tag Auf Fleisch verzichten? – Nicht mit mir!

Heute ist „Unabhängig-von-Fleisch-Tag“. Immer wieder versuchen Kampagnen - wie zum Beispiel der Veggie Day - Fleischesser vom Fleischkonsum abzubringen. Eine vor Kurzem veröffentliche Studie der Universität Bamberg zeigt, dass diese Kampagnen eher kontraproduktiv sind. Sie erschweren meist die gewünschte Konsumveränderung.

Wie reagieren Fleischfans auf Kampagnen wie den Veggieday? (Bild: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)

„Wir werden fast täglich mit Aufforderungen konfrontiert, uns mehr zu bewegen, gesünder zu essen oder mit dem Rauchen aufzuhören. Forschung zeigt, dass solche Botschaften durchaus wirken können, ihre Effekte aber begrenzt sind. Ein Erklärungsansatz dafür ist das Phänomen der psychologischen Reaktanz“, sagt Philipp Sprengholz, Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie an der Universität Bamberg.

Durch die Aufforderung, das eigene Verhalten zu ändern, können sich Menschen in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt fühlen, sie reagieren dann verärgert und ignorieren die Botschaft oder verstärken das unerwünschte Verhalten sogar. So konnten verschiedene Studien zeigen, dass Gesundheitsbotschaften, die auf eine Reduzierung von Tabak- oder Alkoholkonsum abzielten, gegenteilige Effekte bewirkten, also zu einer gesteigerten Einnahme der Drogen führten.

Aufforderungen verärgern Studienteilnehmer

Während die Auswirkungen psychologischer Reaktanz in vielen Bereichen gut untersucht sind, ist wenig über die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse bekannt. Im Rahmen einer nun im Journal of Health Communication veröffentlichten Studie wurde von Forschenden der Universitäten Bamberg und Erfurt untersucht, inwiefern Reaktanz Aufmerksamkeitsprozesse beeinflusst.

Dazu wurden die Teilnehmenden in mehrere Gruppen eingeteilt. Während die Experimentalgruppe dazu aufgefordert wurde, in Zukunft kein Fleisch mehr zu konsumieren, um ihre Gesundheit und die Umwelt zu schützen, bekam eine Kontrollgruppe keine solche Botschaft.

In anschließenden Messungen zeigte sich, dass fleischessende Teilnehmende der Experimentalgruppe stärker verärgert waren als fleischessende Personen in der Kontrollgruppe.

Außerdem hing das Ausmaß der Reaktanz bei Experimentalgruppenmitgliedern mit ihrer Leistung in einem Wortgitter zusammen, in dem neben neutralen Wörtern wie etwa „Papier“ oder „Mond“ auch fleischbezogene Begriffe versteckt waren – zum Beispiel „Wurst“ oder „Schnitzel“. Je stärker die Verärgerung war, umso mehr fleischbezogene Begriffe fanden diese Personen im Wortgitter.

Gesundheitsbotschaften können beabsichtigte Verhaltensänderungen erschweren

„Das Ergebnis deutet darauf hin, dass die durch Gesundheitsbotschaften ausgelöste Reaktanz unsere Aufmerksamkeit in Richtung ungesunder Konsumgelegenheiten verschieben kann“, erläutert Philipp Sprengholz, Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie an der Universität Bamberg.

Dadurch kann die beabsichtigte Verhaltensänderung erschwert und ungesundes Verhalten möglicherweise sogar verstärkt werden.“

In zukünftigen Studien sollen die Aufmerksamkeitsprozesse und ihre Auswirkungen auf tatsächliches Konsumverhalten genauer untersucht werden. Die aktuellen Befunde deuten bereits darauf hin, dass Gesundheitsbotschaften möglichst wenig Reaktanz auslösen oder durch geeignete Maßnahmen Aufmerksamkeitsverschiebungen korrigieren sollten.

Täglicher Newsletter der Insightsbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare
Wir beliefern täglich mehr als 9.000 Abonnenten

Methodik

Erhebungsmethode Online-Umfrage
Befragte Zielgruppe Fleischkonsumenten
Rekrutierung Einladung erfolgte über den Panel-Anbieter Bilendi
Stichprobengröße 812 Fleischkonsumierende
Feldzeit 30. und 31. August 2022
Länder Deutschland
 

Diskutieren Sie mit!     

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Machen Sie gerne den Anfang!

Um unsere Kommentarfunktion nutzen zu können müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Weitere Highlights auf marktforschung.de

Bitte warten, Verarbeitung läuft ...