Qualtrics 10 Tipps für effektive Umfragen mit hohen Antwortraten

Umfrage ist gleich Umfrage? Nein! Oft entscheiden sprachliche Feinheiten, Aufbau und kurze, präzise Fragen über den Erfolg einer Studie. Wolfgang Sölch, Head of Enterprise Sales Central Europe bei Qualtrics erklärt, worauf es ankommt.

Wolfgang Sölch, Head of Enterprise Sales Central Europe, Qualtrics (Bild: Qualtrics)

Wolfgang Sölch, Head of Enterprise Sales Central Europe, Qualtrics (Bild: Qualtrics)

Sie müssen kein Experte sein, um erfolgreiche Umfragen zu entwickeln und zu starten. Sie sollten nur die wichtigsten Kniffe für Erhebungen kennen – von der Entwicklung bis hin zur Durchführung. Womit wir schon beim ersten Tipp sind: Fassen Sie sich kurz! Das spart allen Beteiligten Zeit und Geld.  

1. In der Kürze liegt die Würze

Gestalten Sie Umfragen kurz und knackig. Eine Online-Umfrage darf maximal zwölf Minuten dauern, sonst empfinden sie viele Teilnehmer als zu lang und brechen sie ab. Umfragen auf Mobilgeräten dürfen sogar nur höchstens neun Minuten in Anspruch nehmen, da die Aufmerksamkeitsspanne hier noch geringer ausfällt. Teilen Sie den Teilnehmern im Vorfeld mit, wie lange Sie für die Beantwortung brauchen werden. Im Idealfall informieren Sie sie während der Umfrage, wie viel noch vor ihnen liegt, indem Sie zum Beispiel Kommentare wie "Noch drei Fragen, dann haben Sie es geschafft!“ einblenden. 

2. Immer an Mobilgeräte denken 

Optimieren Sie jede Umfrage für das Smartphone: 53 Prozent aller Befragungen finden auf dem Handy-Display statt. Da hier verhältnismäßig wenig Platz zur Verfügung steht, ist es umso wichtiger, auf den Punkt zu kommen und sich kurz zu fassen. In dem Moment, in dem ein User auf dem Smartphone nach unten scrollen muss, um den gesamten Text lesen zu können, haben Sie als Marktforscher aufgrund der steigenden Abbruchrate verloren.    

3. Einfach, nicht kompliziert 

Damit eine effektive Umfrage gelingt, müssen Sie sich aufs Wesentliche beschränken und einfache, klar formulierte Fragen stellen. Springen Sie thematisch nicht wild umher, folgen Sie einer logischen Reihenfolge. Die Befragten werden es Ihnen mit präziseren Antworten danken und die ganze Sache seltener abbrechen. Darüber hinaus verhindern klar formulierte Fragen verzerrte Ergebnisse, die durch Flüchtigkeitsfehler oder Fehlinterpretationen entstehen. Bauen Sie simple, unmissverständliche Sätze ohne komplizierte Fachsprache, die jeder Teilnehmer ohne großes Vorwissen sofort verstehen kann. 

4. Ja, nein, vielleicht, keine Ahnung? Bloß nicht! 

Vermeiden Sie Antwortmöglichkeiten wie "Ja", "Nein" oder "Ich weiß nicht". Solche Antworten verleiten zu vorschnellen, schlecht durchdachten Antworten mit geringer Aussagekraft. Bieten Sie lieber ein fein abgestuftes Spektrum an Eindrücken an. Die Skala sollte immer die gesamte Bandbreite abdecken, also auch die jeweils positivste und negativste Extremmeinung erlauben. Dies erhöht die Qualität der gewonnenen Daten.     

5. Wertungsfreie Fragen

Stellen Sie keine Fragen mit voreingenommener Meinung, da der Teilnehmer neutral befragt werden soll. Er soll sich seine eigene Meinung bilden und darf nicht durch die Fragestellung in irgendeine Richtung (unterschwellig) beeinflusst werden. Deshalb ist es für den Meinungsforscher wichtig, weitgehend auf Adjektive und Adverbien im Umfragen zu verzichten, da diese wertend erscheinen können. Mit neutralen Formulierungen in Fragebögen kommen Sie der Wirklichkeit und unverfälschten Ergebnissen wesentlich näher.  

6. Keine Doppelfragen

Konzentrieren Sie sich darauf, keine Doppelfragen zu verfassen. Diese erkennt man an dem "und" in der Mitte, das auf eine zweigeteilte Fragestellung hinweist. Jedes "und" muss ein rotes Handtuch für Sie darstellen. Zweigeteilte Fragen führen oft zu Missverständnissen, die das Ergebnis verfälschen können. Wir erinnern uns: klar und simpel formulieren. 

7. Ermüdend: Matrix-Fragen

Verwenden Sie möglichst keine Gitter-Matrix-Fragen, da diese zu den schwierigsten Fragentypen überhaupt zählen. Teilnehmer empfinden sie als schwer und ermüdend, wodurch die Motivation sinkt, die Studie bis zum Schluss durchzuziehen. Auf kleinen Smartphone-Displays werden solche Antwortgitter zudem schnell unübersichtlich und anstrengend für die Augen.   

8. Motivation ist die halbe Miete 

Bieten Sie genügend Anreize, damit eine Person an der Umfrage teilnimmt? Verlockungen können neben Geld und interessanten Fragen/Themen auch Aussagen wie "Ihre Meinung ist gefragt", "Wir brauchen Sie" oder "Wichtig für Ihr Land" sein. Durch Sätze wie diese fühlt sich der Angesprochene wichtig und ist eher dazu bereit, seine Meinung zu äußern. Je größer der Anreiz für die Teilnahme, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch anbeißt. Die Praxis zeigt zudem, dass es hilft, eine erste Frage als Köder bereits in der E-Mail anzuteasern – so lassen sich bis zu 30 Prozent der Leute zusätzlich motivieren.    

9. Personalisierte Ansprache

Bringen Sie möglichst viel über die Teilnehmer in Erfahrungen. Stichwort: Personalisierung. Bauen Sie Informationen, die Sie über die jeweilige Person haben, in die Einladung ein – das erhöht die Chance, gehört zu werden. Personalisierung kann die Antwortrate bei manchen Studien um bis zu 48 Prozent steigern. Ein bis drei Erinnerungsmails – am besten mit unterschiedlichen Formulierungen – helfen ebenfalls dabei, die Rate zu erhöhen (bis zu 36 Prozent). Höflich- und Freundlichkeit sollten selbstverständlich sein: "Bitte" und "Danke" vermitteln dem Beteiligten das Gefühl, dass seine aufgewendete Zeit geschätzt wird. 

10. Testlauf starten

Testen Sie die Umfrage, bevor Sie sie offiziell herausschicken. Legen Sie den Fragenkatalog mindestens fünf Kollegen oder Testpersonen zum Ausfüllen vor. Fragen Sie die Testpersonen im Anschluss mündlich oder schriftlich, wie sie Ihre Arbeit fanden (zum Beispiel Zeitaufwand, Sprache, Aufbau, Schwierigkeitsgrad) und wo sie auf Unklarheiten gestoßen sind. Auf diese Weise lassen sich schwache Formulierungen, überflüssige Fragen und andere Fehlerquellen minimieren. 

Der Autor

Wolfgang Sölch ist ein erfahrener Vertriebs- und IT-Spezialist auf Enterprise-Ebene. Aktuell verantwortet er die strategische Ausrichtung sowie das Wachstum von Qualtrics in Zentraleuropa. Der studierte Diplom-Informatiker blickt auf mehr als 15 Jahre Erfahrung in der IT-Branche zurück: Vor seiner Tätigkeit bei Qualtrics war Sölch unter anderem als Vice President Sales EMEA für BrandMaker tätig; als Sales Manager Data Solutions für Microsoft sowie als Sales Director Strategic Accounts für VMware.

 

Diskutieren Sie mit!     

  1. Anna am 21.12.2017
    Sehr interessanter Beitrag. Die Marktforschung ist ja für viele Unternehmen heutzutage sehr wichtig - so auch in dem Sektor der Finanzdienstleistung. Online habe ich hierzu auch eine interessante Seite gefunden:
    http://www.amr-research.com/de/marktforschung/
  2. Ulrike am 29.10.2019
    Ich denke auch, dass es sehr wichtig ist keinerlei Doppelfragen zu stellen. Diese langweilen den Befragten nur und das sollte man wirklich vermeiden. Telefonische Marktforschung ist ein wichtiger Vorgang, um heraus zu finden, was Menschen wollen. Teilweise ist es aber gar nicht einfach durchzuführen. Oft sind Unternehmen die Global Data Collection betreiben, die richtige Anlaufstelle, wenn man Marktforschung betreiben will.
    https://amr-research.com/de/what-we-do/

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