Interview mit Gerrit Seul (Trendscope)

14.02.2013

Gerrit Seul (Trendscope)

Gerrit Seul ist Mitgründer und seit 2010 Geschäftsführender Gesellschafter bei Trendscope. 
 
marktforschung.dossier: 
Herr Seul, Sie sind Mitgründer von Trendscope. Was war seinerzeit die Idee hinter der Neugründung?

Gerrit Seul: Die Idee ist zusammen mit einem Kommilitonen schon während des Studiums entstanden, war aber am Anfang eher ein unspezifisches „wir wollen was mit Marktforschung machen“. Konkreter wurde es inhaltlich nach der Promotion meines Kollegen, daraus ist unsere erste Studie entstanden. Ich selbst bin dann erst nach einigen Jahren in einem anderen Marktforschungsinstitut wieder fest dazu gekommen. Die grundsätzliche Idee war von Anfang an, dass wir uns mit Themen und Fragestellungen beschäftigen wollten, die uns selbst auch wirklich interessieren.

marktforschung.dossier: Trendscope hat sich im Wesentlichen auf die Branchen Tourismus, Sport, Freizeit & Mobilität spezialisiert. Ist geplant, diese Fokussierung langfristig beizubehalten?

Gerrit Seul: Ja, grundsätzlich schon. In diesem Themenfeld gibt es für uns noch genügend Potenzial. Das sind eben genau die Themen, an denen wir selbst Spaß haben und mit denen wir uns auch persönlich identifizieren können. Dadurch können wir mit unseren Auftraggebern „auf Augenhöhe“ kommunizieren und das schlägt sich letztendlich in Forschungsergebnissen nieder, die ihnen weiterhelfen – das ist zumindest das Feedback, das wir glücklicherweise häufig bekommen. Zudem sind Themenfelder und Fragestellungen unserer Kunden zwar oft ähnlich, die konkreten Branchen und deren Akteure aber teilweise sehr unterschiedlich. In unseren Projekten können wir dadurch auch neue Perspektiven aus benachbarten Bereichen eröffnen. Und unser eigener Job bleibt abwechslungsreich.

marktforschung.dossier: Hat ein kleines, junges Marktforschungsunternehmen heutzutage aus Ihrer Sicht Wettbewerbsvorteile gegenüber der etablierten Konkurrenz?

Gerrit Seul: Es ist natürlich schwierig, sich gegen die „Großen“ einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Wir versuchen das über die vielzitierte Branchenexpertise. In den Ausbau unserer Branchenkenntnisse fließt ein erheblicher Teil der Arbeit unseres Teams. Denn das ewige Thema der Marktforschungsbranche, nicht nur als Datenlieferant sondern als Berater in der Umsetzung wahrgenommen zu werden, beschäftigt uns natürlich auch. Und genau darin sehen wir unseren Wettbewerbsvorteil: Wir verstehen uns gar nicht mehr ausschließlich als Marktforscher und erzielen inzwischen die Hälfte unseres Umsatzes mit reinen Beratungsprojekten, die auf Forschungsergebnissen beruhen. So entsteht nebenbei oft zusätzlich eine langfristige Kundenbeziehung.

marktforschung.dossier: Was müssen Dienstleister aus der Marktforschungsbranche aus Ihrer Sicht tun, um zukunftsfähig zu bleiben?

Gerrit Seul: Für alle Marktforscher besteht die größte Herausforderung darin, relevant zu bleiben. Denn inzwischen kommen die Mitbewerber ja nicht nur aus den Reihen der Marktforschungsinstitute. Gerade kleinere Unternehmen konkurrieren zunehmend mit anderen, branchenfremden Anbietern. Viele Werbeagenturen betrieben inzwischen selbst Marktforschung, PR-Agenturen beauftragen und verarbeiten Omnibus-Studien selbst und Media-Agenturen liefern die Erfolgsmessung gleich mit. Die Grenzen zwischen den Dienstleistern verschwimmen. Da die Preisbereitschaft für reine Marktforschungsleistungen immer geringer wird, muss die Positionierung mehr hergeben, um die eigene Relevanz langfristig zu erhalten.

marktforschung.dossier: Herr Seul, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

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