"Kleine Institute bieten innovativere Ansätze"

6 Fragen an Katja Reinhardt, Merck Group

Welche Kriterien spielen bei der Auftragsvergabe von betrieblichen Marktforschern eine Rolle? Was macht ein gutes Unternehmensimage aus? Und: Welche Vorteile haben kleinere Institute gegenüber den großen Playern der Branche? Diese und mehr Fragen beantwortet uns Katja Reinhardt, Senior Global Market Research Manager bei Merck Consumer Health.

Katja Reinhardt, Merck Group

Katja Reinhardt, Merck Group

marktforschung.de: Ganz allgemein gefragt, wo sehen Sie die Hauptunterschiede zwischen großen und kleinen Marktforschungsinstituten?

Katja Reinhardt: Große Institute bieten in der Regel ein größeres Spektrum an Methoden und Tools an, verfügen bei quantitativen Studien eher über Benchmarks und Standards und haben meistens ein größeres internationales Netzwerk auch außerhalb der EU. Sie sind aber aufgrund ihrer Größe und dahinterstehenden Apparates weniger flexibel. 

marktforschung.de: Stichwort Image: Mit welchen Eigenschaften assoziieren Sie ein gutes Unternehmensimage?

Katja Reinhardt: Kompetenz und das heißt im Bereich der Marktforschung gute Ausbildung der Mitarbeiter auf allen Ebenen, hohe Qualitätsstandards, transparent in der Kommunikation, empathisch und fairer im Umgang mit Mitarbeitern sowie innovativ und neugierig, neue Ansätze auszuprobieren.

marktforschung.de: Welche Kriterien sind für die Beauftragung eines Instituts für Sie ausschlaggebend?  

Katja Reinhardt: An erster Stelle stehen durchdachte Methodenansätze und Erfahrung mit spezifischen Methoden, aber sicherlich spielt auch oft eine Rolle, dass man in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet hat beziehungsweise, dass Kollegen das Institut empfohlen haben. Last but not least sollten die Preise nicht völlig aus dem Rahmen fallen - sowohl nach oben als auch nach unten.

marktforschung.de: Welche Vorteile sehen Sie in der Beauftragung von kleineren Marktforschungsinstituten?

Katja Reinhardt: Sie sind oft viel flexibler und machen im Bereich Methode, Timing oder auch Kosten mehr möglich. Häufiger bieten kleine Institute die innovativeren Ansätze an und sind eher bereit, auch mal zu experimentieren und Dinge auszuprobieren.

marktforschung.de: Welche Nachteile sehen Sie in der Beauftragung von kleineren Marktforschungsinstituten im Vergleich zu großen Playern der Branche?

Katja Reinhardt: Bei Mehrländerstudien haben kleinere Institute ein weniger großes Netzwerk, verfügen bei quantitativen Studien häufig nicht über standardisierte Tools und Benchmarks. Bei sehr großen Studien sind größere Institute eher in Lage Arbeitsspitzen abzudecken. Außerdem ist bei manchen Studien ein Vorteil, wenn man mit einem Institut gearbeitet hat, das auch außerhalb der Marktforschung eine große Bekanntheit hat. 

marktforschung.de: Hat die Berichterstattung rund um die “Akte Marktforschung“ den Prozess der Auftragsvergabe in Ihrem Unternehmen verändert?

Katja Reinhardt: Nein, eigentlich hat sich dadurch nicht wirklich etwas verändert. Bei den Instituten, mit denen wir zusammenarbeiten, zweifeln wir nicht daran, dass sie alles tun, um "Fälscher-Interviews" zu verhindern. Aber in der Vergangenheit haben wir eine weitere Zusammenarbeit mit einem Institut ausgeschlossen, wo wir das Gefühl hatten, das in der Feldarbeit nicht korrekt gearbeitet wurde. Das war kein deutsches Institut.

Zur Person

Katja Reinhardt arbeitet seit sieben Jahren als Senior Global Market Research Manager bei Merck Consumer Health und war zuvor auch im FMCG auf betrieblicher Seite sowie im Institut tätig. 

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