Digitale Langzeitschäden

Researchability - Verantwortung für Markt und Daten

Die Vorteile der Nutzung von Onlinediensten liegen auf der Hand. Hoffentlich verursachen sie keine Langzeitschäden.

© lucia_lucci - fotolia.com

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Von Prof. Dr. Rolf Schwartmann

Sind Onlinedienste smart wie Asbest?

Früher schwor man auf Asbest. Die „Wunderfaser“ ist besonders fest, hitze- und säurebeständig, sie dämmt prima, sie kann versponnen und verwebt werden. Sie ist zugfester als Stahldraht. Ein smarter Werkstoff. In Zeiten der Digitalisierung schwören wir bei der Kommunikation auf smarte Online-Dienste. Sie vernetzen uns mit Privatleuten, mit datenverarbeitenden Unternehmen und mit dem Staat. Sie sitzen in Armbanduhren, Autos und Haushaltsgegenständen. Sie zählen unsere Schritte und unseren Puls und unseren Stromverbrauchen. Dadurch vermessen sie uns zugleich.  

Nutzen wir Onlinedienste zu unbedarft?

Es fragt kaum jemand danach, ob er bei der Nutzung das Datenschutzrecht einhält oder ob er Persönlichkeits- und Urheberrechte verletzt.  Das gilt sowohl für die Nutzer als für die Anbieter der Dienste und Gegenstände. All das gehört zum Geschäftsmodell.  

Man erkannte schon im Jahr 1900, dass Asbest bei unsachgemäßem Umgang in die menschliche Lunge gelangen und dort Asbestose und Lungenkrebs verursachen kann. Dass können Datendienste nicht. Wir nutzen sie aber so unbedarft wie unsere Großeltern Asbest. Intimste Informationen wie Puls und wie viele Schritte wir täglich gehen und wie viel Kalorien wir verbrauchen werden in sich vermischenden Gruppen vernetzt, deren Größe und Vielzahl man kaum erahnen kann. 

Auch Datendienste haben Langzeitwirkungen 

Was die Neben- und Langzeitwirkungen des ungehemmten und unbedachten Unter-sich-lassens von Informationen sind, als seien wir inkontinent, wissen wir nicht. 

Wir können hoffen, dass der Vergleich mit Asbest überzogen und unpassend ist, aber wissen können wir das nicht. Wir wissen aber, dass wir für die negativen Folgen moderner, vernetzter Gruppenkommunikationsexzesse selbst verantwortlich sind und sollten uns über Langzeitschäden nicht beschweren, wenn sie eintreten. 

Veröffentlicht am: 18.02.2015

 

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