Die dunkle Seite von Scoring

Researchability - Verantwortung für Markt und Daten

© graphit - fotolia.com

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Die Welt um uns herum ist voll von Spionen. Wir holen sie in Zeiten von Industrie 4.0 in unser Privatleben, weil sie als RFID-Chips in Alltagsgegenständen versteckt sind. 

Haushaltsgeräte und Kleider können spionieren 

Zum Beispiel in Haushaltsgeräten, Kleidungsstücken und auch in Autos. Moderne Fahrzeuge enthalten eine Vielzahl von Sensoren. Sie erheben und übermitteln etwa an den Hersteller des Autos Daten über den Fahrzeugzustand, die Umgebung und Position des Autos und das Fahrverhalten. Vermehrt werden auch Daten erhoben, die sich unmittelbar auf den Fahrer beziehen, wie seine Alkoholisierung, seinen Gesundheitszustand oder seine Gemütslage. Sensoren leiten weiter, ob der Airbag aktiviert ist, der Gurt geschlossen sowie ob und mit wie viel Gewicht die Sitze belegt sind. Diese Daten lassen Rückschlüsse auf persönliches Verhalten zu, das im Zweifel gegen den Fahrer verwendet werden kann. 

Unsere Daten können gegen uns verwendet werden

So wurden etwa schon Mängelansprüche während der Gewährleistung unter Hinweis darauf zurück gewiesen, dass die vom Achslastsensor aufgezeichnete Überschreitung der zulässigen Last auf der Hinterachse überschritten war. 

Personenbezogen sind viel mehr Daten als man denkt

Die aus dem Fahrzeug gesendeten Daten ermöglichen über die Übertragung der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) eine Zuordnung der Informationen zum Fahrer. Sie lassen selbst dann eine Aussage über die Persönlichkeit des Fahrers zu, wenn man das nicht denkt. Wer etwa auf einer Flanierstraße mit offener Fensterscheibe, nicht angeschnallt im Wechsel beschleunigt und abbremst und dabei eine bestimmte Musik hört, der ist auch für die Werbewirtschaft hinreichend gekennzeichnet. Man kann ihn vermutlich mit sportlichen Felgen oder Auspuffanlagen und vielleicht sogar mit einem Angebot für einen Saunaclub eher beglücken, als mit einer Heizdecke. So etwas nennt man Scoring, also das bilden von Kaufprofilen. Wer sich angesichts dessen Sorgen um seine Privatsphäre macht, der sieht keine grünen Männchen, sondern ist in der Realität angekommen. 

Von Prof. Dr. Rolf Schwartmann

Veröffentlicht am: 13.05.2015

 

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