"Wir denken, dass wir das sehr gut gemeistert haben"

Interview mit Timor Distler, A bis Z Dialoge

27.06.2017

Anderthalb Jahre sind seit den tragischen Ereignissen bei abs Marktforschung vergangen. Lydia Jeske und Timor Distler, langjährige Mitarbeiter bei abs, haben mit der Gründung von A bis Z Dialoge einige Monate später den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Im Interview mit marktforschung.de spricht Timor Distler darüber, was von abs Marktforschung bei A bis Z Dialoge zu finden ist, wie die schwere Zeit überwunden wurde und welche Entwicklungen die Branche vor Herausforderungen stellen.

A bis Z Dialoge, Timor Distler, Lydia Jeske (Bild:  A bis Z Dialoge)

A bis Z Dialoge, Timor Distler, Lydia Jeske (Bild: A bis Z Dialoge)

marktforschung.de: Der Tod von abs-Gründer und Geschäftsführer Stefan Ströhle hat Sie und das Unternehmen sicher schwer getroffen. Wie würden Sie rückblickend die erste Zeit beschreiben?
Timor Distler: Der Tod von Stefan Ströhle war für das gesamte damalige Team ein schwerer Schock und hat uns tief getroffen. In der ersten Zeit waren für uns drei Dinge sehr wichtig. Das Team zusammenzuhalten, die Familie bestmöglich zu unterstützen und den laufenden Betrieb sowie die reibungslose Projektabwicklung für unsere Kunden zu gewährleisten. Wir denken, dass wir das sehr gut gemeistert haben.

marktforschung.de: Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit?
Timor Distler: So ein Ereignis stimmt einen natürlich nachdenklich und man stellt sich die Sinnfrage.
Grundsätzlich haben Lydia Jeske und ich uns aber sehr schnell entschieden, den Schritt in die Selbstständigkeit mit Gründung der A bis Z Dialoge zu wagen. Wir möchten uns deshalb an dieser Stelle bei allen Kunden für die Unterstützung und Treue in dieser schweren Zeit bedanken und freuen uns zukünftig auf einen weiterhin partnerschaftlichen Dialog.

marktforschung.de: Sie sprachen die Selbstständigkeit an, vor einem Jahr haben Sie gemeinsam mit Lydia Jeske A bis Z Dialoge gegründet – wie kam es dazu?
Timor Distler: Ja, das stimmt, am 01.05.2016. Wir feiern unser einjähriges Bestehen. Lydia Jeske und ich verfügen gemeinsam über mehr als 20 Jahre Erfahrung auf dem Feld der Telefonmarktforschung. Angesichts dieser Summe aus Erfahrungen und Branchenkenntnissen war es für uns klar - auch im Sinne von Stefan Ströhle - uns in Eigenverantwortung durch die Gründung neu aufzustellen. Obgleich wir uns bewusst waren und sind, dass die Erwartungen an uns sehr hoch sein werden.

marktforschung.de: Warum wurde abs Marktforschung abgewickelt?
Timor Distler: Zu den Details können wir uns nicht äußern, auch auf Rücksicht auf die Familie Ströhle. Aus der familiären und erbrechtlichen Situation der Familie war eine Fortführung der abs Marktforschung nicht möglich.

marktforschung.de: Inwiefern unterscheidet sich A bis Z Dialoge von abs Marktforschung?
Timor Distler: Sie werden es kaum glauben, wir werden weiterhin im Bereich der Telefonmarktforschung tätig sein. Darin sind wir Spezialist mit mehr als 20 Jahren Branchenerfahrung. Würden Sie sich auf ein ganz neues Terrain begeben und das Know-How einfach verfallen lassen? Wir nicht! Daher können sich unsere Kunden auf eine zuverlässige, bodenständige und transparente Projektabwicklung verlassen. Wir arbeiten außerdem mit angestellten Interviewern, um dem leidigen Thema "Scheinselbstständigkeit" den Boden zu entziehen.

marktforschung.de: Gibt es im Bereich Marktforschung noch eine Form der Zusammenarbeit mit Ulrike Ströhle?
Timor Distler: Im Bereich Marktforschung nicht. Aber Frau Ströhle kooperiert als Geschäftsführerin mit ihrer eigenen Firma Dialog Telemarketing im Bereich B2B-Telemarketing sehr vertrauensvoll und partnerschaftlich mit uns. Die Dialog Telemarketing ist operativ seit 2014 tätig. Dies eröffnet uns die Möglichkeit, in Kooperation unseren Kunden auch Outbound-Telefonie außerhalb der Marktforschung anzubieten.

marktforschung.de: Welche Märkte bedienen Sie bzw. welchen Fokus setzen Sie bei A bis Z Dialoge?
Timor Distler: Ein Fokus unserer Leistungen ist sicher weiterhin die Outbound-Telefonie, wobei wir uns schwerpunktmäßig hin zur B2B-Marktforschung entwickeln wollen. Wir sind der Auffassung, dass das Telefon auch zukünftig das übliche und zuverlässigste Kontaktmedium im B2B-Bereich bleiben wird. Nur über die persönliche Ansprache am Telefon sind die B2B-Zielgruppen überhaupt erreichbar und dann auch zur Teilnahme motivierbar. Nicht zuletzt unterstreicht die telefonische Ansprache ein gewisses Maß an Wertschätzung den Probanden gegenüber. Letzteres wird unseres Erachtens noch immer viel zu sehr unterschätzt.
Ein weiterer Fokus wird die internationale Telefonie sein, wobei wir hier den Schwerpunkt im europäischen Ausland meinen. Darunter verstehen wir allerdings die zentrale Steuerung und Durchführung aller Interviews aus Deutschland heraus. Diesen Anspruch, hochwertige Outbound-Telefonie zentral und aus einer Hand zu bieten, unterstreicht unser Motto mit einem eigens entwickeltem Logo: "Hergestellt in Deutschland". Wenn man es auf das einzelne Interview herunterbricht, dann kann man ebenso sagen: "Durchgeführt in Deutschland". Wir sind der festen Überzeugung, dass nur so unsere Kunden qualitätsgesicherte und valide Daten erhalten. Wer glaubt, dass eine Mehrländerstudie mit x-verschiedenen Feldinstituten eine gleichbleibende Erhebungs- und Datenqualität ausweist, der irrt gewaltig.

marktforschung.de: Welche Ziele hatten Sie für das erste Jahr des neuen Unternehmens?
Timor Distler: Unser vornehmliches Ziel war es, das Unternehmen bekannt zu machen und am Markt präsent zu bleiben. Weiterhin war es uns sehr wichtig, die Projektabwicklung für unsere Kunden auf dem gewohnten hohen Niveau beizubehalten und das über die Jahre erworbene Vertrauen zu festigen und auszubauen.

marktforschung.de: Welche Ziele verfolgen Sie in Zukunft/langfristig?
Timor Distler: Langfristiges Ziel ist es, unseren Kunden qualitätsgesicherte Telefonmarktforschung auf höchstem Niveau zu bieten. Darüber hinaus planen wir die Eröffnung einer Niederlassung in Berlin, um weiterhin ebenfalls die internationale Telefonie zentral und aus einer Hand leisten zu können.
Im Gegensatz dazu begleitet uns das Thema "Regionalität" mit einem Schuss "schwäbischer Zuverlässigkeit". Wir engagieren uns etwa als Firmenmitglied im Marketing Club Ulm/Neu-Ulm und kooperieren mit lokalen Vertriebspartnern, um das Thema "Marktforschung" den regional tätigen Unternehmen zu offerieren.

marktforschung.de: Welche Branchenentwicklungen sorgen für neue Herausforderungen für Unternehmen wie A bis Z Dialoge?
Timor Distler: Unseres Erachtens steht die Telefonmarktforschung vor drei zentralen Herausforderungen.
Erstens: das Thema "Offshoring" von Call-Center-Dienstleistungen ins vermeintlich billigere Ausland. Ich erhalte zu Hause verstärkt Anrufe von in Deutschland ansässigen Anbietern, die Call-Center im Ausland beauftragen, um nach Deutschland hinein zu telefonieren. Meine Erfahrung sind schlechte Deutschkenntnisse, eine damit verbundene miserable Interviewführung und letztendlich unbrauchbare Ergebnisse.
Zweitens das zuvor erwähnte Thema "freiberufliche Interviewer" verbunden mit der Problematik der vermeintlichen Scheinselbstständigkeit. In den letzten Jahren sind doch einige Mitbewerber aufgrund der unklaren Rechtslage zu hohen Nachzahlungen der Sozialversicherungsbeiträge verdonnert worden. Die nicht eindeutige Auslegung durch die Gerichte birgt eine nicht vertretbare Rechtsunsicherheit und letztlich eine Wettbewerbsbeeinflussung.
Drittens das Thema "Akzeptanz der Telefonmarktforschung" im Spannungsdreieck von "eigengestrickten"Umfragen über verbotenes Direktmarketing bis hin zum "Telefonterror aus dem Ausland", um Herrn Sobotka von Telemark Marketing zu zitieren.
Wie Sie sehen, trotz bodenständiger Telefonmarktforschung: Es bleibt spannend.

marktforschung.de: Herr Distler, haben Sie vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Ina Oberhoff.

 

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