Vom Sexiest Job der Welt, dem Jungbrunnen Big Data und interaktiver Visualisierung

Interview mit Benedikt Köhler und Wolfgang Dittrich

Etwa ein Jahr ist es her, dass Dr. Benedikt Köhler und Wolfgang Dittrich das Unternehmen DataLion gegründet haben. Im Interview mit marktforschung.de äußern sie sich zu den Hintergründen sowie der ersten Zeit am Markt und schildern ihre Sicht auf die Marktforschungsbranche zwischen Small- und Big Data.

Benedikt Köhler (links) und Wolfgang Dittrich, die Gründer von DataLion (Bilder: DataLion)

Benedikt Köhler (links) und Wolfgang Dittrich, die Gründer von DataLion (Bilder: DataLion)

marktforschung.de: Herr Köhler, Herr Dittrich, Ende letzten Jahres haben Sie das Unternehmen DataLion gegründet. Bei kleinen Kindern kommt mit Blick auf den nahen ersten Geburtstag unweigerlich die Frage: "Kann es schon laufen?" Im Ernst: Wie waren die ersten Monate? Inwieweit hat sich Ihr Unternehmen bereits am Markt etablieren können?

Benedikt Köhler: Die ersten Monate waren auf der einen Seite sehr aufregend – wir standen mit DataLion auf zahlreichen Vortragsbühnen in ganz Europa bis hin zur Startup Competition der Strata + Hadoop World in London. Auf den Medientagen München haben wir den Startup-Pitch gewonnen und werden mit DataLion auf die SXSW 2016 in Austin, Texas fliegen. Auf der anderen Seite haben wir unsere ersten Aufträge gewonnen und gemeinsam mit unseren Kunden an vielen Details und Funktionen der Software gefeilt.

Ära von Tabellenbänden und Powerpoints ist vorbei

marktforschung.de: Wie kam es zu der Gründung von DataLion? Was ist die Idee hinter der Firma?

Benedikt Köhler: In unserer täglichen Arbeit mit Markt- und Medienforschungsprojekten ist immer wieder klar geworden, dass die Präsentation der Forschungsergebnisse eine zunehmend größere Bedeutung einnimmt. Die Ära des Tabellenbands und von Powerpoints ist vorbei. Die wenigsten Marktforscher oder Entscheider lassen sich heute noch mit endlosen Zahlenwüsten und einschläfernden Balkencharts beeindrucken. Und bei vielen Datenquellen wie zum Beispiel technisch gemessener Onlinenutzung, Social-Media-Streams oder laufend aktualisierten Vertriebskennziffern sind statische Darstellungen gar nicht mehr möglich. Daraus entstand die Idee einer Marktforschung-Software neuen Typs, die den gesamten Prozess von der Aufbereitung der Daten bis zur interaktiven Visualisierung abdeckt – und das sowohl auf dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand als auch mit den neuesten Standards der Big-Data-Technologien.

marktforschung.de:
Wie sehen Sie DataLion strategisch im "Konzert der Marktforschungsdienstleister" verankert?

Benedikt Köhler: DataLion sieht sich als enger Partner von Marktforschungsabteilungen in Betrieben als auch der Institute, der sich mit einer innovativen Lösung und viel Erfahrung um die Präsentations- und Visualisierungssorgen seiner Kunden kümmert. Wir ermöglichen Marktforschern in Instituten wie Unternehmen, ohne großen Aufwand ihre Studien und Trackings für ihre internen und externen Kunden innovativ, anwenderfreundlich und dynamisch aufzubereiten. Insofern ist DataLion ein Querschnittsanbieter im Marktforschungsdienstleister-Konzert.

marktforschung.de: Inwieweit tangiert das Business von DataLion das des "Stammhauses", der d.core GmbH?

Wolfgang Dittrich: Das hört sich gut an, nach grade fünf Jahren d.core als "Stammhaus" zu bezeichnen. Vielen Dank. Wir sehen d.core eher als "Inkubator". Zuerst war DataLion als d.core-Entwicklung geplant, vor ziemlich genau einem Jahr trafen wir dann die Entscheidung für eine eigenständige Firma, nicht zuletzt um mehr Möglichkeiten für eine Fremdfinanzierung durch Venture Capital Unternehmen zu haben. Natürlich profitiert DataLion von dem Kundenstamm und Netzwerk von d.core, wie zum Beispiel bei der vollständigen Umsetzung Deutschlands größter Markt-Media-Studie best for planning in DataLion-Visualisierung. Aber es gibt bereits einige von d.core unabhängige Projekte.

marktforschung.de: Was ist für die nahe Zukunft geplant, welche Kernziele werden Sie in den nächsten Monaten verfolgen?

Benedikt Köhler: Die Software ist nach einer mehrmonatigen Beta-Phase jetzt voll einsatzbereit und konnte sich bereits in rund 20 Kundenprojekten bewähren. Die letzten beiden großen Erweiterungen – ein komplettes visuell gestütztes Tabellierungstool, mit dem sich auch vollautomatisch Signifikanzen und Indizes berechnen lassen sowie einer Präsentationsumgebung, mit der sich ansprechende "Datenpräsentationen" erstellen lassen – sind mittlerweile in den laufenden Betrieb ausgerollt. Aktuell sind wir dabei, die künstliche Intelligenz der Software zu verbessern, so dass Datenformate, Inhalte und Bedeutungen automatisch erkannt werden. Unser Ziel ist, dass die Software auf Grundlage der eingelesenen Daten bereits sinnvolle Vorschläge für Visualisierungen und Insights anbieten kann.

marktforschung.de: In der Branche beklagt gefühlt jeder die derzeitige Marktsituation – insbesondere auch im Hinblick auf den Wettbewerb "von außen", also durch branchenfremde Anbieter. Wie nehmen Sie die derzeitige Situation war? Und: Wie werden Sie Ihr Geschäft wettbewerbsfähig halten?

Bedeutung von Data Science und Big Data in der Marktforschung nimmt zu

Benedikt Köhler: Aktuell nimmt die Bedeutung von Data Science und Big Data in der Marktforschung sehr stark zu. Häufig wird das als Herausforderung wahrgenommen, da zum Beispiel Echtzeit-Datenströmen mit den klassischen Werkzeugen der Marktforschung nicht beizukommen ist. Ich sehe das aber als große Chance: Big Data könnte sich zu einem Jungbrunnen für die altehrwürdige Marktforschungsbranche erweisen – wenn man sich den neuen Themen und Analyseansätzen öffnet und gegenseitig voneinander lernt. Im Übrigen ist die Big-Data-Welt gerade dabei, den Wert von "Small Data" zu entdecken, also von sauber erhobenen, repräsentativen Daten, die immer öfter als Schlüssel für die Interpretation von Big Data gesehen werden.

marktforschung.de: Wer hat aus Ihrer Sicht momentan die bessere Perspektive am Markt – die kleinen Spezialisten oder die großen Generalisten?

Benedikt Köhler: Wenn es um Methoden und Techniken geht, sind Generalisten gefragt, die sowohl mit klassischen Surveydaten umgehen können als auch ein Spark-Programm schreiben können, um in einem Computer-Cluster Milliarden von Dateneinträgen auszuwerten. Nicht nur in der Marktforschung, sondern auch in anderen Bereichen werden zum Beispiel Grundkenntnisse der Programmierung immer wichtiger. Inhaltlich sind aber Spezialisten gefragt, die einen Markt so gut verstehen, dass sie die Daten dann auch valide interpretieren können. Im HR-Bereich hat sich hier der Begriff der "T-Shaped Skillsets" durchgesetzt: die Kombination von breitem Generalistenwissen in vielen unterschiedlichen Disziplinen und Methoden bei einer gleichzeitigen Spezialisierung auf einen bestimmten inhaltlich definierten Themenbereich.

Wolfgang Dittrich: Wir sind davon überzeugt – und haben das auf dem diesjährigen BVM-Kongress angedeutet – dass die wichtigste Herausforderung an die Marktforscher ist, über die Erhebung und Interpretation von Befragungsdaten hinaus das Spektrum auf Analysen von Daten jeder Art und deren Visualisierung auszuweiten. "Data Scientist as the sexiest job in the world", das war bereits 2012 in der Harvard Business review zu lesen. Wir versuchen, unser Marktforschungs-Know-how ebenso wie unser BigData-Know-how über die DataLion-Software unseren Kunden zur Verfügung zu stellen, mit oder ohne damit verbundene Primärforschungen. Sozusagen Marktforschern zu helfen, DataScientists zu werden und dann endlich den sexiesten Job der Welt zu haben.

marktforschung.de: Herr Köhler und Herr Dittrich, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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Veröffentlicht am: 26.10.2015

 

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