"Für Marktforscher wird es immer schwieriger, qualitativ hochwertige Daten durch Befragungen zu erheben"

Fünf Fragen an Linda Fürderer, Messe Stuttgart

Was müssen betriebliche Marktforscher künftig können? Wie verändert sich die Branche? Was sind die Herausforderungen der kommenden Jahre? Wir haben Linda Fürderer, Senior Projektleiterin Marktforschung & Produktentwicklung bei der Messe Stuttgart, befragt.

Linda Fürderer (Bild: Messe Stuttgart)
Linda Fürderer (Bild: Messe Stuttgart)

marktforschung.de: Welche Anforderungen werden heute an Marktforscher gestellt?

Linda Fürderer: Neben Methodenkompetenz sind vor allem Soft-Skills gefragt. Neugier, Unvoreingenommenheit, aktives Zuhören, Kommunikationsstärke, Überzeugungskunst sowie Freude am Analysieren und Entwickeln von Strategien sind wichtige Grundvoraussetzungen für Marktforscher. Heutzutage sind Marktforscher in Unternehmen nicht nur strategische Partner für interne Kunden sondern auch aktive Mitgestalter bei der Weiterentwicklung von Produkten. Die kontinuierliche Mitarbeit entlang des gesamten Produktlebenszyklus macht den Beruf des betrieblichen Marktforschers so spannend und facettenreich.

marktforschung.de: Ist betriebliche Marktforschung noch zeitgemäß?

Linda Fürderer: Bei der Messe Stuttgart hat die unternehmenseigene Marktforschung in jedem Fall ihre Berechtigung. Als einzige Messegesellschaft in Deutschland erheben wir die Daten auf unseren Messen selbst. Wir sind in die Erhebungsabläufe komplett eingebunden und dadurch in der Lage, unseren Kunden fundierte, verlässliche und umfassende Informationen aus erster Hand zu liefern. Als betriebliche Marktforscher bearbeiten wir zudem verschiedene Themen in unterschiedlichen Branchen, um beispielsweise Marktlücken für neue Messen aufzuspüren. Häufig arbeiten wir dann mit externen Beratern, Instituten sowie potenziellen Kunden und Partnern zusammen. Unsere Expertise ist bei vielen verschiedenen Aufgabenstellungen gefragt – deswegen wächst unsere Abteilung auch stetig.

marktforschung.de: Stehen betriebliche Marktforscher innerhalb eines Unternehmens in Konkurrenz zu anderen Datenexperten wie Data Analysts oder der Business Intelligence?

Linda Fürderer: Das ist bei uns nicht der Fall. Da das Prozessmanagement in der Marktforschungsabteilung angesiedelt ist, stehen wir im engen Austausch mit anderen Teams. Bei uns laufen die Informationen zusammen, an welchen Stellen Daten erhoben und gesammelt werden. Gemeinsam mit Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen besprechen wir in Arbeitsgruppen wie die Daten sinnvoll aufbereitet und gewinnbringend für das Unternehmen genutzt werden können.

marktforschung.de: Wie hat sich der Beruf des betrieblichen Marktforschers verändert?

Linda Fürderer: In vielen Unternehmen waren Marktforscher früher die Erbsenzähler. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Betriebliche Marktforscher verfügen über unternehmensübergreifendes Wissen, sind Ideengeber und strategische Partner. Sie werden häufig bei wichtigen Entscheidungen als Ratgeber hinzugezogen und gestalten die Entwicklung des Unternehmens aktiv mit.

marktforschung.de: Was sind die Herausforderungen in den kommenden Jahren?

Linda Fürderer: Durch die Digitalisierung verändern sich Erhebungsmethoden und Technologien rasant. Marktforscher müssen daher immer auf dem neusten Stand bleiben – und auch für Veränderungen bereit sein. In unserem Unternehmen wird gerade ein Tool getestet, mit dem sich Besucherströme messen lassen. Solche und andere technologiegestützte Formen der Datenerhebung ergänzen unsere klassischen Messebefragungen oder ersetzen diese in Zukunft vielleicht sogar. Für Marktforscher wird es zudem immer schwieriger, qualitativ hochwertige Daten durch Befragungen zu erheben. Das liegt unter anderem an der sinkenden Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft der Zielgruppen gegenüber Befragungen. Andere Wege um mit den Zielgruppen in Dialog zu treten wie zum Beispiel Online-Communities werden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen.    

marktforschung.de:  Vielen Dank!

Veröffentlicht am: 05.03.2018

 

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