Nachgefragt bei Richard Hilmer (infratest dimap)

Richard Hilmer (infratest dimap)

Richard Hilmer ist Geschäftsführer der infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH in Berlin.

marktforschung.dossier: Welche methodischen Veränderungen haben die Wahl- und Politikforschung aus Ihrer Beobachtung in letzter Zeit geprägt?
 
Richard Hilmer: Erstens: Nutzen von Online-Erhebungen: Sie sind sinnvolle Ergänzung etwa für Panelerhebungen oder Experiment. Für Bevölkerungsbefragungen aber nach wie vor nur beschränkt einsetzbar, weil bestimmte Gruppen unterrepräsentiert und keine repräsentative Auswahl möglich.

Zweitens: Einbezug von Mobilnutzern in Telefonstichproben: Infratest dimap hat diesen Schritt Anfang des Jahres vollzogen und in den bundesweiten repräsentativen Telefonerhebungen auch Mobilnutzer einbezogen. Damit sind wieder nahezu alle Wahlberechtigten erreichbar – zentrale Voraussetzung für die Repräsentativität von Stichproben. Diese Maßnahme führt insbesondere zu einer verbesserten Erreichbarkeit von jüngeren, speziell männlicher Personen, vor allem in Städten und damit zu einer signifikanten Verbesserung der Stichprobenstruktur.
 
marktforschung.dossier: Denken Sie, dass alternativen Prognoseverfahren wie Social Media Analysen oder Börsenmodellen künftig eine größere Bedeutung zukommen könnte?

Richard Hilmer: Sie werden als Ergänzung zu den repräsentativen Umfragen die Wahlberichterstattung in den Medien sicherlich bereichern und dazu beitragen, das Interesse der Bürger an Wahlen zu fördern. Ein Ersatz für repräsentative Umfragen stellen sie sicherlich nicht dar, basieren doch deren Modelle bzw. Entscheidungsabläufe maßgeblich auf Befunden der Wahlforschung.
 
marktforschung.dossier: Welche Rolle attestieren Sie der Wahl- und Politikforschung im Wahlkampf in Deutschland – einerseits für die Politiker selbst, andererseits für die Medien?
 
Richard Hilmer: Politikern und Medien liefert die Wahlforschung umfassende Antworten auf die Frage "Wer wählt wen und warum?", den Bürgern bieten ihre Befunde eine wichtige und verlässliche Orientierung für ihre Wahlentscheidung. Sie sind und bleiben wichtiges Korrektiv für alle Arten von Spekulationen über den Ausgang von Wahlen.

marktforschung.dossier: Herr Hilmer, vielen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 02.09.2013

 

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