"Der Kuchen hat nicht mehr dieselbe Größe"

Über die Entwicklungen im Teststudio-Markt, den Preiskampf zwischen Teststudios und die Konkurrenz durch die Online-Forschung sprach marktforschung.de mit Frank Herzog, Geschäftsführer der m-s Teststudios.

Frank Herzog, Geschäftsführer der m-s Teststudios
Frank Herzog, Geschäftsführer der m-s Teststudios

marktforschung.de: Herr Herzog, Sie sind Geschäftsführer der m-s Teststudios mit mehreren Standorten, betreiben darüber hinaus aber auch noch in Kooperation weitere Studios mit Ihrem Kollegen Jürgen Glaser. Von wie vielen Studios sprechen wir hier genau, und wie behält man bei der Vielzahl an Standorten noch den Überblick?

Frank Herzog: Es handelt sich tatsächlich um eine Vielzahl an Studios, über die wir sehr froh sind.  Zunächst einmal gibt es unsere Kernstandorte in Nürnberg, Hamburg, Köln und Stuttgart, welche allesamt in der Zeit von 1982 bis 1985 gegründet wurden. Darüber hinaus betreiben Jürgen Glaser und ich noch die weiteren Standorte in Leipzig, München, Frankfurt, Bochum, Berlin und Essen gemeinsam.  

marktforschung.de: Wie kam es zu dieser Vielzahl an Studios?

Frank Herzog: Nun, Kundenanforderungen und die Entwicklungen im Markt haben zu der Erschließung manch eines Standortes geführt. Der Standort Berlin aber ist der Einzige, den wir von Grund auf selbst erschlossen haben. Dies ergab sich aufgrund der Nachfrage eines Kunden, der uns über einen längeren Zeitraum Aufträge in Berlin hat zusichern können. Wir haben ferner aber schon früh mit anderen Studios kooperiert, wodurch sich enge Partnerschaften ergeben haben. Und so kamen dann weitere Standorte dazu, da wir mitunter gefragt worden sind, ob wir Studios weiterbetreiben möchten. Wenn Mitbewerber die Studioarbeit an den Nagel hängen wollten oder den Wunsch hatten, einem bestehenden Netzwerk anzugehören, so sind die Betreiber an uns herangetreten. Auf diese Weise haben wir nach und nach unser bestehendes Netz ausgebaut, haben aber gleichzeitig mit den erfahrenen Teams vor Ort weiterarbeiten und so für anhaltende Qualität sorgen können.

Neue Standorte in Hamburg, Leipzig, Nürnberg

marktforschung.de: Zu Beginn des Jahres wurde nun bekannt, dass Sie außerdem die Studios der Marfos Marktforschung übernehmen und betreiben werden. Wie kam es zu diesem Deal, und was erhoffen Sie sich von den neuen Standorten in Ihrem Portfolio?

Frank Herzog: Dieser Vorgang ist über die letzten vier Jahre gewachsen. Ursprünglich begann das Ganze mit dem Wunsch von Seiten Marfos, deren Studio in Nürnberg abzugeben. Das Studio wurde also mitsamt den Mitarbeitern übernommen, aber auch unsere sonstige Zusammenarbeit mit Marfos wurde weiter vorangetrieben. So war es auch kein Geheimnis für unsere Kollegen, dass wir den Wunsch hegten, uns gen Osten auszudehnen. Wir sind daraufhin noch enger zusammengerutscht und es kam schlussendlich zur Übernahme des Studios in Leipzig.

Aufgrund der Tatsache, dass Dr. Werner Holzweißig, der Geschäftsführer von Marfos, sich allmählich zurückziehen möchte, ging danach alles weitere relativ schnell. Marfos wollte das bestehende Netzwerk nicht gefährden, und so kam es zur Übernahme der verbliebenen Marfos-Studios. An dieser Stelle möchte ich aber unterstreichen, dass sich lediglich die Besitzverhältnisse geändert haben, nicht aber die Arbeit vor Ort. Die Studios werden zwar nun von Jürgen Glaser und mir betrieben, aber wir haben alle Mitarbeiter übernommen, die in den Studios haben weiterarbeiten wollen.

Das Studio in Hamburg beispielsweise wird nach wie vor von Enrico Holzweißig geführt und eigenständig geleitet. Somit ist gewährleistet, dass auch an den „neuen“ Standorten sehr erfahrene Kollegen ihrer Arbeit nachgehen. Erfahrung ist bei uns ein wichtiges Argument, sämtliche Studioleiter und Vertretungen sind mindestens zehn Jahre für uns tätig, einige bereits seit über 20 Jahren.

marktforschung.de: Apropos Hamburg – gibt es konkrete Pläne bezüglich dieses Standorts? Hier betreiben Sie aufgrund der Übernahme ja nun gleich zwei Studios …

Frank Herzog: Auch hier muss man festhalten, dass die Übernahme aus anderen Gründen erfolgt ist als beispielsweise einer Pleite oder Insolvenz. Was ich damit sagen will, ist, dass beide Studios in Hamburg ausgelastet sind und folglich auch der Raum beider Studios benötigt wird. Selbstverständlich ist es immer schöner, wenn man gewisse Dinge unter einem Dach vereinen kann. Doch eine Trennung von einem der beiden Standorte ist nicht realisierbar, da die Räume ja benötigt werden und die Auslastung da ist. Wenn wir uns von einem der beiden Studios in Hamburg trennen sollten, dann bedingt das zwangsläufig die Vergrößerung des anderen. Ansonsten könnten wir die Nachfrage nicht bedienen. Bevor wir nicht die Möglichkeit erhalten, die Räume an einem Ort zu ergänzen und uns so entscheidend zu vergrößern, ergibt das Abstoßen eines der Standorte einfach überhaupt keinen Sinn.

Aufwind im Teststudio-Markt

marktforschung.de: War die Stimmung Ihrer Branche im vergangenen Jahr aufgrund einiger Schließungen noch recht  gedämpft, so scheint sich das Jahr 2015 in eine entgegengesetzte Richtung zu entwickeln: das SpiegelInstitut beispielsweise eröffnete ein eigenes Studio an der Eastside in Mannheim, Ihre Kollegen von Quovadis präsentierten einen neuen Standort in Hamburg. Diverse andere Betreiber sprechen vom „besten Sommer seit Jahren“, und auch der Januar sei bereits „unverhofft gut“ gelaufen. Wie nehmen Sie diese Veränderungen der Landschaft wahr? Haben Sie eine Erklärung für diese jüngsten Entwicklungen?

Frank Herzog: Ich bin nun seit 1992 dabei und es hat immer wieder Wellen und auch zwischendurch mal zwei bis drei nicht so gute Jahre gegeben. Durch die jüngsten Schließungen gab es gewiss eine Umverteilung, sodass einige Studios davon profitieren konnten. Auch wir werden wohl zum Ende des Jahres resümieren können, dass 2015 ein umsatzmäßig gutes Jahr gewesen ist. Doch der Preiskampf ist durchaus spürbar!

marktforschung.de: Wie äußert sich das?

Frank Herzog: Nun ja, wir reden heute ja nicht mehr nur über den Preiskampf unter den Studios selbst, sondern vor allem über die Auswirkungen, die die Instrumente der Online-Forschung auf unser Tun haben. Denn die, so stellen wir fest, haben uns am meisten zugesetzt. Unsereiner muss nun vor allem auf die Kosten schauen, da der Kuchen nun nicht mehr dieselbe Größe hat, wie noch vor einigen Jahren. Es sind definitiv Umsätze weggebrochen.

marktforschung.de: Aber wie kommt es dann zu den Neueröffnungen?

Frank Herzog: Das wird mit Sicherheit auch mit der Kundenstruktur einiger Institute oder Studios zusammenhängen. Wenn langjährige Kunden für ihre Untersuchungen und Aufträge stets ein und denselben Standort wählen, dieser aber nur durch Kooperationen unter den Studios hat erschlossen werden können, so überlegt man natürlich, ob sich eine Neueröffnung an einem Ort unter Eigenregie rentieren kann.  Am Ende überzeugt dann sicher häufig das Argument, alles aus einer Hand bieten zu können.

Konkurrenten teilen das Geschäft untereinander

marktforschung.de: Zurück zum Preiskampf – einer Ihrer Kollegen äußerte sich in einem Gespräch, dass er von anderen Studios eher nicht von Konkurrenten spreche. Man pflege doch in der Regel gute Beziehungen, da man häufig zusammenarbeite, um Kundenwünsche – auch hinsichtlich bestimmter Standorte – erfüllen zu können. Wie passt da Ihre Aussage vom Preiskampf mit der Aussage des Kollegen zusammen?

Frank Herzog: Ich denke, dass definitiv ein Konkurrenz- und Preiskampf da ist, allein schon aufgrund des reduzierten Volumens, das uns aufgrund der Online-Forschung geblieben ist. Es lässt sich nicht ignorieren, dass die Kunden heute mehrere Ansatzpunkte haben, und bestimmte Dinge werden heute eben auf Basis des zur Verfügung stehenden Budgets entschieden. Der Druck, Projekte zu bekommen, ist da.

Aber, und da hat der Kollege durchaus recht, wir tendieren derzeit dazu das Geschäft wieder eher zu teilen, als es noch im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist. Grundsätzlich möchte ich bestätigen, dass es kein Kratzen und Beißen unter uns Studiobetreibern gibt, wir gehen allesamt fair miteinander um.

marktforschung.de: Stichwort Umbruch: Einer Ihrer Teststudio betreibenden Kollegen  bezeichnete seine Tätigkeit im Gespräch mit uns als die eines Branchen-Dinosauriers. Es führe auch in Zukunft kein Weg an der Arbeit der Teststudios vorbei, so seine Überzeugung. Wie stehen Sie zu einer solchen Aussage?

Frank Herzog: Diese Aussage kann ich ohne Umschweife direkt unterschreiben. Das Handwerk ist dasselbe geblieben, und auch in Zukunft wird sich nichts Wesentliches ändern. Selbstverständlich müssen auch wir unsere Technik entsprechend der Kundenwünsche auf dem modernsten Stand halten. Früher gab es Tapes, heute digitale Aufnahmen und Webstreaming sowie die vielerorts angewandte Software von FocusVison. Als ich angefangen habe, gab es in unseren Büros lediglich einen Computer, auf dem die Rechnungen geschrieben wurden. Heute sieht das natürlich anders aus.

Wenn wir aber vom Eye-Tracking und anderen technischen Errungenschaften reden, so sprechen wir hier eigentlich nur vom normalen Wandel der Zeit in Bezug auf die Anwendungen. Die klassische Marktforschung aber, im Feld sowie im Studio, wird weitergehen und immer nachgefragt werden, das ist ganz sicher. Dies wird auch in Zukunft an Manpower geknüpft sein, und auch Gruppendiskussionen werden nicht plötzlich nur noch online stattfinden.

Dienstleister und Marktforscher

marktforschung.de: Spannen wir einen Bogen zu Ihrem eigenen Alltagsgeschäft. Gibt es bestimmte Hürden oder Stolpersteine, die, so gut man auch auf ein Projekt vorbereitet zu sein scheint, einem im Betrieb einfach immer wieder begegnen, und welche offensichtlich nicht oder nie zur Gänze zu vermeiden sind?

Frank Herzog: Jeder, der ein Studio betreibt, weiß, dass es eine gewisse Dynamik gibt, mit der man als Dienstleister umgehen muss. So muss man immer auf Kundenwünsche schnell und sicher reagieren können, schlussendlich ist aber fast alles planbar. Dass Pläne aber auch mal umgeworfen werden müssen, liegt in der Natur der Sache, ist aber eher spannend. Ich bin der Meinung, dass wir als klassisches Teststudio genauso Dienstleister wie Marktforscher sein müssen.

Alle Projekte müssen so organisiert sein, dass sie einen Puffer bieten, wenn mal nicht alles gleich nach Plan läuft. Ich bin aber überzeugt davon, dass alle unsere Studioleiter und Mitarbeiter ihr Handwerk dahingehend verstehen, und diesen Herausforderungen gewachsen sind.

marktforschung.de: Wenn man heute erfolgreich ein Teststudio führen möchte, welche Charaktereigenschaften muss man unbedingt als Betreiber mitbringen und warum?

Frank Herzog: Über die grundlegenden Eigenschaften eines Dienstleisters hinaus verlangt speziell unsere Tätigkeit ein gutes  Organisationstalent, Kundenorientierung, Flexibilität und auch ein entsprechendes Durchsetzungsvermögen  – allesamt Eigenschaften  um nachhaltig am Markt bestehen zu können.

Die Teststudios:

Informationen zu den Teststudios von m-s Teststudios finden Sie in unserem Teststudioverzeichnis.

Veröffentlicht am: 09.10.2015

 

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