Fünf Tipps für die Verwendung von Zahlen im Storytelling

Thomas Pyczak, Strategisches Storytelling

Lernen Sie die fundamentalen Regeln für den Umgang mit Zahlen im Storytelling kennen – für Charts, Vorträge, Konzepte oder Strategieunterlagen. Thomas Pyczak, Buchautor und Blogger, beschäftigt sich in diesem Artikel intensiv mit dem Thema des strategischen Storytellings und nennt fünf Tipps, um Sachverhalte einfach, klar und zugleich emotional darzustellen.

Thomas Pyczak

Wenn wir an Story denken, dann sind wir meist gedanklich weit weg von Zahlen. Wir sind bei Figuren und Ereignissen. Doch sollten wir die Grundzahlen unbedingt kennen, denn gelungenes Storytelling basiert viel mehr auf Zahlen, als wir annehmen. Diese fünf Tipps geben Ihnen ein Gefühl, in welchem Kontext Zahlen entscheidend sind für den Erfolg einer Story. Wie sie dazu beitragen, Sachverhalte einfach und klar darzustellen, doch zugleich emotional.

1. Aufzählung: Die Klarheit der Zahl Drei

Drei ist die Zahl der Aufzählungen schlechthin. Mit ihr verbindet sich automatisch eine kognitive Leichtigkeit und eine positive Emotion. Weil wir die Zahl so gut kennen. Zum Beispiel aus dem Märchen: die drei Wünsche, die der Flaschengeist gewährt. Oder aus der Musik: der Dreiklang als Grundform von Harmonien. Oder aus genialen Vorträgen: "Ich möchte Ihnen heute drei Geschichten aus meinem Leben erzählen", beginnt Steve Jobs seine Stanford-Rede. Die Drei spricht uns intuitiv an. Daher bei Aufzählungen möglichst nicht zwei oder vier Punkte, sondern eben drei. Für längere Listen empfehle ich –wieder reine Erfahrungswerte – die Zahlen 5, 7, 10 und 12. Diese Zahlen haben sich in der Praxis bewährt.

2. Struktur: Die Drei bestimmt den Aufbau

Im Kontext von Storys ist die Drei die strukturgebende Zahl. Gute Geschichten bewegen sich in drei Schritten. Der griechische Philosoph Aristoteles beschriebt den Aufbau der Tragödie mit Hilfe der Drei: Anfang, Mitte, Ende. Heutige Geschichte folgen immer noch und immer wieder diesem Schema. Etwas konkreter sieht es so aus: Ausgangssituation, Komplikation, Auflösung. 1. Eine Figur tritt auf, wird in ihrer Welt vorgestellt. 2. Sie will gegen Widerstände ein Ziel erreichen. 3. Sie erreicht schließlich dieses Ziel oder auch nicht. Diese Struktur ist so elementar, dass die 3 damit zur wichtigsten Zahl unter den Zahlen im Storytelling wird. Auch eine Strategiepräsentation folgt dieser Gliederung, wenn sie gut aufgebaut ist: Ausgangssituation, Komplikation, Auflösung.

3. Modelle und Frameworks: Symmetrie und Einfachheit zählen

Modelle entwickeln ihren Zauber aus einer Grundeinfachheit und Zugänglichkeit. Ein Modell, das auf den ersten Blick kompliziert wirkt, schreckt ab, wird widerwillig beachtet und schwer erinnert. Einfachheit geht oft einher mit Symmetrie. Das Modell der Archetypen zum Beispiel wird durch die Symmetrie ansprechend. Es sind 12 Archetypen in 4 Segmenten. Sie lassen sich einfach und klar in einem Zirkel darstellen. Das Modell des Growth Mindset ist auf den ersten Blick ganz anders und doch ist es ebenfalls geprägt von Symmetrie und Einfachheit: eine Gegenüberstellung in fünf Kategorien, also zehn Punkte, die relevant sind. Modelle, davon bin ich überzeugt, erzählen ihre Story besser, wenn sie sich an Zahlen orientieren, die den Zugang erleichtern.

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4. Komplizierte Zahlen: Die Kunst des Rundens

Eine Basis-Regel aus dem Journalismus, die gern übersehen wird. Es geht im Kern um die Erfassbarkeit von Zahlen. Lange Zahlen oder Zahlen mit Kommastellen sind manchmal notwendig. Weil eine Zahl eben genau den Punkt markiert. PI, das haben wir alle in der Schule gelernt, ist 3,14. Basta. Häufig wenden wir diese Genauigkeit jedoch auf Zahlen an, die eine Rundung vertragen würden. Im Kontext einer Geschichte geben Zahlen meist ein Gefühl für Größenordnungen. Und die sollten so sein, dass wir es dem Leser oder Zuhörer einfach machen. Aus 47 Prozent wird so: knapp 50 Prozent oder knapp die Hälfte. Das ist eingängiger. Und es lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf die falschen Dinge.

5. Magie: Niemals die 9 3/4 vergessen

Die Züge in die Zauberwelt fahren bei Harry Potter auf Gleis 9 3/4. Nicht auf Gleis 9, nicht auf Gleis 10. Man muss erst einmal durch eine Wand laufen, um zu diesem Gleis zu kommen. 9 3/4 ist für mich eine der stärksten Metaphern für das, was Storytelling leistet: Wir gehen durch Wände. Die 9 ¾ ist Mahnung und Ansporn: Nicht zu glatt sein, dann bleibt die Magie auf der Strecke. Und damit die Überzeugungskraft und die Chance, Menschen zu bewegen.

Ein abschließender Hinweis, der mir wichtig scheint: Die Verwendung von Zahlen im Storytelling, da geht es häufig um das richtige Gespür für das, was eine Geschichte benötigt. Und manchmal ist es eben das, was gegen alle guten Regeln verstößt. Und so vielleicht selbst wieder zur Regel wird. Steve Jobs hat bei seinen Präsentationen das "One more thing" eingeführt, es würde zum Klassiker. Amazon-CEO Jeff Bezos wiederholt seit mehr als 20 Jahren sein Mantra: "It's always day one", auch wenn es rechnerisch nicht ganz leicht nachzuvollziehen ist. Doch die Story dahinter ist deutlich: Wir stehen ganz am Anfang. Heute wie damals.

Über den Autor

Thomas Pyczak (Bild: Sabine Felber)
Thomas Pyczak ist der Autor des Buches "Tell Me! Wie Sie mit Storytelling überzeugen" (3. erweiterte Auflage 2020) und des Blogs strategisches-storytelling.de. Er ist auch als Consultant, Coach und Trainer für Business Storytelling tätig und arbeitet für Kunden wie Guhl, Salesforce.com oder die School of Life in Berlin. Zuvor war Thomas Chefredakteur und CEO von CHIP, Deutschlands führender Medienmarke im Tech-Sektor. Er lebt in Herrsching am Ammersee.

/jre

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