Karriere in der Marktforschung - Traumberuf "Erbsenzähler"?

Editorial

Anke Müller-Peters (Smart News Fachverlag GmbH)

Von Dr. Anke Müller-Peters

Haben Sie schon einmal ein Kind sagen hören: "Und wenn ich groß bin, werde ich Marktforscher?" Ich habe das noch nicht gehört. Es ist vielmehr so, dass es ausgesprochen schwierig ist zu erklären, was Marktforschung eigentlich ist. "Marktforscher fragen Leute, welche Produkte sie sich wünschen und erklären den Herstellern dann, was sie machen müssen, damit ihre Kunden zufrieden sind und die Produkte noch mehr lieben,"  so erklären Marktforscher-Eltern ihren Beruf. "Mmh..." machen die Kinder. Meistens endet das Gespräch an dieser Stelle, oder es kommt die Frage "Was ist Produkte?". Dann versuchen wir zu erklären, was Produkte sind und reden schnell über Autos, i-Pads und Spielzeug und kommen irgendwie vom eigentlichen Thema ab.

Wie kommt man überhaupt zu diesem schwer erklärbaren Beruf? Mit dieser Frage besuchen viele Leser unsere Website marktforschung.de. Erstmals zeigt der neue Bildungsatlas Marktforschung für den gesamten deutschsprachigen Bereich, welches Ausbildungs- und Studiumsangebot es für angehende Marktforscher gibt. Quereinsteiger und Wissensauffrischer können sich im Bereich Weiterbildung informieren.

Außerdem haben wir HR-Verantwortliche in unterschiedlichen Marktforschungsinstituten gefragt, welche Erwartungen sie an ihre Mitarbeiter haben und was sie ihnen als Arbeitgeber bieten können. Lesen Sie die Antworten von Marion Bodem (Ipsos), Christian Dössel (MM-Eye), Henner Förstel (MANUFACTS), Lena Lau (GfK SE) und Gaby Wiegran (Vocatus) in der Rubrik "Nachgefragt bei …".

Auch sind wir in unserem aktuellen Schwerpunktthema der Frage nachgegangen, wie es 6 Jahre nach seiner Taufe eigentlich um den Ausbildungsberuf zum Markt- und Sozialforscher steht. In der Branche wird der Beruf gekannt und geschätzt, so der Beitrag von Eva Hammächer. Außerhalb der Branche ist die Bekanntheit allerdings gering, so dass nicht alle Lehrstellen besetzt werden können.

Wenn ich nun Marktforscher bin, welches Gehalt kann ich dann erwarten? Bis vor zwei Jahren gab es kaum Daten darüber, was Marktforscher eigentlich verdienen und so haben wir das Thema im Gehaltscheck Marktforschung aufgegriffen. Die Gehaltsstudie 2012 wertet die Angaben von 2.200 Marktforschern aus und beleuchtet die Höhe der gezahlten Gehälter aus unterschiedlichen Perspektiven.

Aber Geld ist nicht alles, berichten unsere Autoren vom Great Place to Work Institut. Denn aus ihren Untersuchungen wissen sie, dass eine gute Arbeitsplatzkultur mindestens genauso wichtig für die Arbeitszufriedenheit und die Mitarbeiterbindung ist, wie das Gehalt. Die wichtigsten Rezepte zur Gestaltung eines attraktiven Arbeitsplatzes lesen Sie in ihrem Beitrag.

Jüngst habe ich gehört, dass Lokomotivführer gesucht werden. Wollten die kleinen Jungs nicht früher immer Lokomotivführer werden? Wenn diese Jungs den Artikel zur Berufsidentität lesen, wird sich der Markt für Lokomotivführer nicht entspannen: Denn "Marktforschung – in der Tat ein Traumberuf" lautet das abschließende Statement der Forscher um Dr. Gabriele Jacobs aus Rotterdam, die sich seit vielen Jahren mit Studien zur beruflichen Identität befassen. Vielleicht hören wir ja demnächst von unseren Kindern "Und wenn ich groß bin, werde ich Marktforscher."

Marktforscher oder "Erbsenzähler"?

"Erbsenzähler" - eigentlich eher ein Schimpfwort - ist eine weit verbreitete und geläufige Bezeichnung für Marktforscher. Aber warum eigentlich?

Der Begriff geht zurück auf den Reiseführer Karl Baedeker, der im 19. Jahrhundert lebte. Als dieser 1847 den Mailänder Dom bestieg, wurde er von Freiherr Gisbert von Fincke bei einer etwas ungewöhnlichen Art des Stufenzählens beobachtet: Alle 20 Stufen blieb Baedeker stehen und steckte sich eine getrocknete Erbse in die Westentasche.

Die Zahl der Erbsen mit 20 multipliziert und um die verbleibenden Reststufen ergänzt lieferte Baedeker die genaue Zahl an Stufen. Diese veröffentlichte er später in seinem Reiseführer - nicht jedoch, ohne sie beim Abstieg noch einmal zu überprüfen.

Diese Genauigkeit machte Baedeker als ersten "Erbsenzähler" berühmt. Im übertragenen und besten Sinne des Wortes lässt also die Genauigkeit als elementares Qualitätskriterium der Marktforschung auch die Marktforscher selbst zu "Erbsenzählern" werden. 

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