"Viele Innovationen sind auch mit kleinem Geld machbar."

Interview mit Peter Braun, CEO Ipsos Deutschland

Peter Braun (Ipsos)

marktforschung.dossier: Herr Braun, unsere diesjährige Gehaltsstudie mit dem Sonderteil zum Thema "Innovationen" zeigt unter anderem, dass mit 60% ein großer Teil der dort befragten Marktforscherinnen und Marktforscher sich selbst in der Pflicht sehen, bei ihrer Tätigkeit innovativ zu sein. Noch mehr, genauer 70% der Befragten äußerten, Angestellte würden in ihrem Unternehmen sogar explizit zum Einbringen von Ideen aufgefordert. Trotzdem haben speziell in großen Unternehmen nur etwas über 50% der Mitarbeiter das Gefühl, diese würden dann auch umgesetzt. Wie ist diese Differenz Ihrer Einschätzung nach zu erklären? 

Peter Braun: Zuerst überrascht mich, dass "nur" 70% der Angestellten explizit zum Einbringen von Ideen aufgefordert sind. Ideen entstehen nicht in einem Elfenbeinturm, sondern bei allen Mitarbeitern. Davon lebt jedes Unternehmen. Dass etwas weniger das Gefühl haben, dass ihre Ideen auch umgesetzt werden, ist dann schon wieder verständlicher. Insbesondere bei großen Unternehmen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es diese Idee schon an anderer Stelle gibt. Und manchmal ist es gerade in größeren Unternehmen auch so, dass kleine Ideen an einer Stelle Auswirkungen auf andere Themen haben und deshalb isoliert nicht so einfach umgesetzt werden können.

marktforschung.dossier: Wie verhält sich dies bei Ipsos? Werden die Mitarbeiter in Innovationsprozesse aktiv mit einbezogen? Wird innovatives Denken erwartet und werden Ideen auch entsprechend umgesetzt? 

Peter Braun: Wir erwarten von allen Mitarbeitern, sich mit Verbesserungen für unser Unternehmen auseinanderzusetzen. Bei uns gibt es schon seit einigen Jahren ein spezielles Programm zum Verbesserungsmanagement, bei dem Mitarbeiter ihre Ideen und Innovationsvorschläge in einem strukturierten Prozess einreichen. Diese werden dann vom Managementteam evaluiert und bei positiver Bewertung umgesetzt, meistens sogar durch den Einreicher selbst. Das ist mittlerweile Teil unserer DNA bei Ipsos und fließt bei einigen auch in die variable Vergütung ein. Unsere Junioren erstellen außerdem im Rahmen unseres "Wingsprogramms" in konkret ausgearbeitetes Verbesserungskonzept, das sie in vielen Fällen gemeinsam mit der jeweiligen Fachabteilung umsetzen.   

marktforschung.dossier: Als Innovationsbremsen sehen die im Rahmen der Studie befragten Geschäftsführer der Institute vor allem finanzielle Aspekte. Zusätzlich sind aus ihrer Sicht innovative Vorgehensweisen nicht immer mit der Abhandlung des Tagesgeschäfts zu vereinbaren. Wie ist Ihre Einschätzung?

Peter Braun: Diese Einschätzung teile ich nicht. Jedes Unternehmen und jeder Geschäftsführer muss die Balance zwischen ständiger Erneuerung und Erledigung des Tagesgeschäfts managen. Natürlich kommt einem letzteres leicht dazwischen und man sollte sich nicht zu viele Dinge gleichzeitig vornehmen. Aber am Ende ist das eine Frage der Einstellung und der Prioritäten. Und viele Innovationen sind auch mit kleinem Geld machbar. 

marktforschung.dossier: Neben dem Zeit- und Kostendruck als den in der Studie am häufigsten genannten Problemen werden bürokratische Vorgaben, starre Strukturen, ausgeprägte Hierarchien, standardisierte Prozesse und mangelnde Kapazitäten als Innovationshemmer angegeben. Wie ist Ipsos diesbezüglich aufgestellt?

Peter Braun: In der Beziehung sind wir sehr französisch aufgestellt. Wir haben flache Hierarchiestrukturen und versuchen, mit einem Minimum an Regeln auszukommen, innerhalb derer unsere Mitarbeiter Freiraum für selbstständiges und effizientes Arbeiten haben. Noch haben wir eine Größe, die die notwendige Flexibilität dafür zulässt. Kapazitäten sind allerdings auch bei uns manchmal ein Problem, insbesondere, wenn das Geschäft gut läuft und extrem viel zu tun ist. Da ist der Spagat manchmal nicht leicht hinzubekommen, und wir sind froh, dass wir so viele hochmotivierte Mitarbeiter dabei haben, die immer wieder bereit sind, die Extra-Meile zu gehen.

marktforschung.dossier: Auch bestimmte Kundenvorgaben können Innovationen deutlich bremsen. Welche Erfahrung haben Sie gemacht?

Peter Braun: Hier würde ich komplett widersprechen. Ein wichtiger Bestandteil unserer Game Changers Philosophie ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Wir sehen das als wichtige Quelle für Innovationen und Ideen. Nicht selten werden in gemeinschaftlichen Teams mit den Kunden neue Ansätze oder Tools entwickelt. Dabei kommt es auch mal vor, dass wir konsequent von bestimmten Ideen unserer Kunden abraten. Das ist zwar nicht immer der bequemste Weg, aber am Ende doch für alle Beteiligten der beste. 

marktforschung.dossier: Herr Braun, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 19.05.2015

 

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