"Wir können jetzt mehr Zeit in Forschung und Entwicklung investieren und an neuen Produktideen 'tüfteln'."

Interview mit Uwe Braun und Prof. Dr. Stefan Tuschl, Geschäftsführer und Gründer der komma Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH

Uwe Braun, Stefan Tuschl (komma)

marktforschung.dossier: Sie haben 2012 gemeinsam die komma Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH gegründet. Sie kamen beide aus Führungspositionen bei TNS Infratest und hatten bereits langjährige Berufserfahrung. Was war Ihre Motivation bzw. was waren die Hintergründe der Unternehmensgründung?

Uwe Braun: Die Motivation war eher von Lust als Frust getrieben: Lust etwas Neues aufzubauen und zu gestalten. Nach über 15 Jahren bei einem großen Institut reizte es uns ein neues Unternehmen aufzubauen, das genau auf heutige Kundenbedürfnisse zugeschnitten ist. Natürlich haben bei der strategischen Ausrichtung auch unsere eigenen Stärken eine Rolle gespielt.

Prof. Dr. Stefan Tuschl: Uns beide verbindet der Spaß an der Marktforschung und an der kreativen Entwicklung neuer Ansätze. Als Führungskraft in einem großen Unternehmen bleibt dafür nur wenig Zeit. Generell können wir jetzt mehr Zeit in Forschung und Entwicklung investieren und an neuen Produktideen „tüfteln“. Dabei kommt es uns zugute, dass wir unsere bisherigen Erfahrungen in unser eigenes Unternehmen einbringen können. Für mich ist es besonders wichtig, Wissenschaft und Praxis eng zu verzahnen. Als Professor für quantitative Methoden hat für mich die praxistaugliche Umsetzung von Analyseergebnissen hohe Relevanz.

marktforschung.dossier: Was ist Ihre Unternehmensstrategie? Was machen Sie anders als andere?

Uwe Braun: Uns war bei der Gründung bewusst, dass wir in dem starken Wettbewerbsumfeld nur bestehen können, wenn wir eine eindeutige Positionierung haben. Wir fokussieren uns auf zwei Bereiche: Einerseits auf Kommunikations- und Markenforschung, andererseits auf Projekte mit einem starken Beratungsschwerpunkt. Bei den Beratungsprojekten unterstützen wir themenübergreifend im Umsetzungsprozess. In der Regel verfügt der Kunde bei diesen Projekten bereits über Daten, die er selbst oder mit einem anderen Anbieter erhoben hat.

Prof. Dr. Stefan Tuschl: Wir unterstützen die Kunden dann dabei, entscheidungsrelevante Erkenntnisse abzuleiten. Das kann zum einen durch eine Anreicherung der Ergebnisse mittels fortschrittlicher Analyseverfahren erfolgen. Zum anderen können wir aus einer externen Perspektive heraus die wirklichen Insights gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten. Wir sehen uns als Partner und Sparringspartner unserer Kunden. Dieses partnerschaftliche Verhältnis drückt sich unter anderem dadurch aus, dass es bei unseren Eigenentwicklungen keine Black-Box-Lösungen gibt.

marktforschung.dossier: Wie war bisher die Geschäftsentwicklung Ihres Unternehmens? Gab es in diesen ersten zwei Jahren schon sichtbare „Aufs und Abs“? Was lief gut, was schlecht?

Uwe Braun: Als neu gegründetes Unternehmen sind wir mit unserer Unternehmensentwicklung mehr als zufrieden. Glücklicherweise nehmen unsere Kunden unser Konzept sehr gut an. Die Herausforderung ist dann allerdings, rechtzeitig auch zusätzliche und passende Mitarbeiter zu finden. Mit Sicherheit wird es bei der weiteren Geschäftsentwicklung irgendwann auch Rückschläge geben, wir haben uns aber vorgenommen, dass wir damit noch ein paar Jahre warten möchten. Spaß beiseite: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es trotz anfänglicher Skepsis extrem wichtig ist, einen detaillierten Businessplan aufzusetzen und die aktuellen Entwicklungen damit abzugleichen.

marktforschung.dossier: Was sind für Sie Vor- und Nachteile eines eigenen Unternehmens? Wie waren die letzten Monate für Sie persönlich als Geschäftsführer?

Prof. Dr. Stefan Tuschl: Für mich persönlich ist die enge Verbindung zwischen Lehrtätigkeit an der Hochschule und der Projektarbeit im eigenen Unternehmen eine deutliche Bereicherung, die meine Erwartungen übertroffen hat. Allerdings ist man in einer kleinen Firma auch „Mädchen für alles“: Das geht vom Kaffeekochen bis hin zum Buchen der Dienstreise. Doch die Anzahl an unangenehmen Aufgaben bleibt überschaubar.

Uwe Braun:
Wenn man von einem sehr großen Marktforschungsinstitut kommt, ist die größte Umstellung das Fehlen der vielen Kollegen, mit denen man Ideen austauschen kann. Das war uns bewusst, wir haben diesen Punkt anfangs aber doch etwas unterschätzt. Wichtig war es uns deshalb von Anfang an, ein Netzwerk von Partnern aufzubauen, mit denen wir spezielle Themen vorantreiben können, bei denen wir keine Experten sind. Das ist uns auch sehr gut gelungen. Das gehört zu den Vorteilen eines eigenen Unternehmens: Entscheidungen über die richtigen Partner können sehr schnell und unkompliziert getroffen werden.

marktforschung.dossier: Wie ist Ihre Einschätzung der Marktforschungsbranche? Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Prof. Dr. Stefan Tuschl: Aus unserer Sicht sind die Kundenbedürfnisse heute vielschichtiger als früher. Diesen müssen wir mit unseren Lösungsvorschlägen noch individueller begegnen. Beispiele dafür sind die veränderten Reportingbedürfnisse (z.B. Reportingportale in Echtzeit oder Management-Dashboards auf mobilen Plattformen). Spannend finden wir auch die derzeitige Entwicklung bei den Befragungstechniken. Ich denke da insbesondere an Facial Recognition oder Stimmerkennung zur Messung von Emotionen. Eine neue Herausforderung aber auch Chance für die gesamte Branche sind die zusätzlichen Datenquellen, die für Analysezwecke genutzt werden können, wie Social Media und weitere unstrukturierte Daten.

marktforschung.dossier: Herr Braun, Herr Tuschl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 10.06.2014

 

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