Raus aus der Komfortzone

Warum die Marktforschungslandschaft eine Gründerszene braucht – und wie es sich als junges Institut in dieser Branche lebt.

Henner Förstel (Manufacts)

Ein Kommentar von Henner Förstel, MANUFACTS Research & Dialog

Von außen betrachtet ist die Marktforschungsbranche keine, die zum Gründen einlädt: Der Markt wird immer stärker konsolidiert, methodische Innovationen finden eher außerhalb als innerhalb der Branche statt, und der Wettbewerbsdruck ist in einem zumindest national weitgehend gesättigten Markt sehr hoch. Da braucht es durchaus Idealismus, um ein neues Institut zu gründen.

Dass wir als MANUFACTS diesen Schritt gegangen sind und damit seit mehr als drei Jahren Erfolg haben, zeigt, dass es noch Marktsegmente gibt, in denen man als Herausforderer wachsen kann. Die Nischen, die wir dabei besetzen, sind vor allem in den Bereichen zu finden, aus denen sich die 'Platzhirsche' z.T. aufgrund vermeintlich schlechterer Ertragschancen zurückziehen.

Selbstverständlich gibt es vieles, auf das die Branche in den letzten Jahren stolz sein kann, z.B. die Etablierung der Online-Forschung.  Betrachtet man die  Situation jedoch einmal bewusst kritisch, so lassen sich auch einige 'Wohlstandskrankheiten' diagnostizieren. Beispielhaft zu nennen wären hier rückläufige Responseraten und zunehmende Professionalisierungs-Effekte bei den Teilnehmern. Fast noch schlimmer wiegen die Effekte auf der Seite der Auftraggeber: Hier ist ein wachsender Preis- und Budgetdruck nicht allein Ausdruck ökonomischer Zwänge, sondern unserer Ansicht nach auch die Folge fehlender Wertigkeit von Marktforschungsergebnissen. Der schleichende Reputationsverlust wiederum ist unter anderem darin begründet, dass seitens der Institute zu häufig 'Standard' abgeliefert wurde, sich viele Tools gleichen und Ergebnisberichte mitunter aussehen wie verbildlichte Tabellenbände.

In einer Monokultur kann keine Vielfalt wachsen. Inspiration – und solche brauchen die Auftraggeber von Marktforschung – kann nur im Freiraum entstehen. Das war der zentrale Ansatzpunkt für die Gründung von MANUFACTS, und nicht zufällig haben wir als Institut praktisch keine Tools. Schließlich sind jeder Kunde und jedes Projekt neue, eigenständige Herausforderungen, denen man mit frischem Denken und neuen Ansätzen begegnen muss.

Arbeiten jenseits der Standards, sowohl qualitativ als auch quantitativ, ist zugegebenermaßen anstrengend. Und es ist noch schwieriger, für diese Maßarbeit als junges Institut auch ein Preis-Premium zu verlangen. Trotzdem gehen wir diesen Weg bewusst, weil wir glauben, dass sich die Branche zunehmend spaltet: Da gibt es den industrialisierten Zweig, der mit hoch-effizienten und automatisierten Datenverarbeitungs-Prozessen auf den Big Data-Zug aufspringt, und es gibt einen zweiten Weg, der eher den Kontrapunkt dazu darstellt (egal, ob im qualitativen oder im quantitativen Bereich). MANUFACTS arbeitet nicht nur für Kunden aus dem B2C-Segment, sondern auch für viele aus dem B2B-Bereich, für die auch in Zeiten von Web 2.0 und Online-Panels Primärmarktforschung immer noch eine Herausforderung ist, und bei denen die Art der Datenerhebung maßgeblich über die Datenqualität entscheidet.

Viele Institute haben sich 'Beratung' auf die Fahnen geschrieben, aber wenn wir ehrlich sind, haben es Marktforscher als Berufsstand immer noch schwer, neben den klassischen Unternehmensberatungen zu bestehen. Das ist nicht nur eine Frage von Haltung und Habitus, sondern auch eine Frage, was man an Insights in die Waagschale zu werfen hat (siehe oben). Wir haben uns die Kundenindividualität in den Markennamen geschrieben, weil diese das Fundament für eine Beratung auf Augenhöhe ist. Hier haben kleine bis mittelgroße Institute mit einem persönlichen Betreuungsansatz einen Vorsprung in Bezug auf die Glaubwürdigkeit.

Wem das zu sehr nach "small is beautiful" klingt: Auch bei MANUFACTS werden internationale Befragungen erfolgreich und effizient durchgeführt, aktuell in mehr als 20 Ländern. Das bringt ein Team von 8 Marktforschern täglich an die Grenzen, ist aber auch der Motor für das Wachstum. Effizienz ist eine Frage der Organisation, Flexibilität eine Frage der Einstellung. Will man beides haben, gibt es nur eins: Raus aus der Komfortzone!

Veröffentlicht am: 01.07.2014

 

Kommentare (1)

  1. Susanne Maisch am 01.07.2014
    Hübscher Werbetext...

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