"Natürlich hat hier in Deutschland erstmal keiner auf ein weiteres Institut in diesem Bereich gewartet."

Interview mit Rainer Faus, Geschäftsführer pollytix strategic research gmbh

Rainer Faus (pollytix)

marktforschung.dossier: Herr Faus, Sie haben 2012 zusammen mit Ihrer Frau Jana Faus die pollytix strategic research gmbh gegründet. Was war Ihre Motivation bzw. was waren die Hintergründe der Unternehmensgründung?

Rainer Faus: Wir waren beide jahrelang in der Meinungs- und Wahlforschung in Asien und Australien tätig und haben nach unserer Rückkehr nach Deutschland festgestellt, dass in Deutschland der strategische Aspekt der Forschung oft vernachlässigt wird. Im Ausland hatten wir jedoch einen besonderen Fokus auf die strategischen Implikationen aus der Forschung gelegt. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland waren wir erst einmal freiberuflich tätig und haben den Bedarf an strategischer Forschung deutlich gespürt - noch immer unterstützte ich auch Wahlkämpfe in Australien durch strategische Forschung. Bei einem dieser Trips ist dann 2011 gemeinsam mit meinen ehemaligen Arbeitgebern der Gedanke gereift, dass wir gemeinsam in Deutschland ein europäisches Büro für strategische Meinungsforschung gründen. Da ich hauptsächlich quantitativ arbeite meine Frau Jana aber auch einen starken qualitativen Hintergrund hat, ergänzen sich unsere Skill-Sets sehr gut und wir können unseren Kunden die gesamte Methodenpalette passgenau anbieten.

marktforschung.dossier: pollytix ist ein auf gesellschaftliche und politische Fragen spezialisiertes Meinungsforschungsinstitut. Damit bewegen Sie sich in einem Feld, das bereits von vielen etablierten Kräften besetzt war und ist. Wieso also gerade dieser Bereich? Was ist Ihre Unternehmensstrategie?

Rainer Faus: Natürlich hat hier in Deutschland erstmal keiner auf ein weiteres Institut in diesem Bereich gewartet, gleichzeitig herrscht aber bei vielen Kunden eine latente Unzufriedenheit mit den großen Instituten und ihren standardisierten Produkten vor, die wenig nutzbare Tabellenbände oder Berichte liefern, die keinen strategischen Input geben und damit oftmals Probleme der Kunden nicht lösen. Hier kommen dann häufig wir ins Spiel: Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten Forschungsprozess von Problemdefinition bis zur Umsetzung der Ergebnisse und haben dabei Instrumente zur Verfügung, die im angelsächsischen Bereich zwar seit Jahren zum anerkannten Repertoire gehören, hier in Deutschland aber noch eher Neuland sind. Unser Alleinstellungsmerkmal ist dabei, dass wir eben nicht nur den Status Quo messen, sondern einen Schritt weiterdenken und Chancen, Risiken und Potentiale aufzeigen. Also messen wir nicht nur die öffentliche Meinung, sondern zeigen auch Wege auf, wie diese geändert werden kann, welche Zielgruppe dafür erreicht werden muss und in welcher Sprache diese angesprochen werden will. Mit unserer strategischen Meinungsforschung sind wir damit Problemlöser und nicht nur Zahlenlieferant.

marktforschung.dossier: Wie war bisher die Geschäftsentwicklung Ihres Unternehmens? Gab es in diesen ersten zwei Jahren schon sichtbare „Aufs und Abs“? Was lief gut, was schlecht?

Rainer Faus: Der Anfang war zugegebenermaßen etwas holprig, aber inzwischen läuft es exzellent. Wir haben zu Beginn den administrativen Aufwand einer GmbH-Gründung etwas unterschätzt. Dazu kam, dass die Anzahl der uns verfügbaren relevanten Kontakte in niedriger einstelliger Höhe lag, was für eine Neugründung eher unüblich ist. Wir mussten daher erstmal mühsam ‚kalt‘ Klinken putzen, und hier reicht es eben auch nicht, einfach nur besser zu sein als die Konkurrenz, sondern man muss das auch überzeugend kommunizieren und zum Teil jahrelange Bindungen von Kunden zu anderen Instituten aufbrechen. Dabei haben wir aber bei einigen Kunden, die mit den großen Instituten nicht zufrieden waren und frischere, innovativere Ansätze und strategischen Input wollten, einen Nerv getroffen. Inzwischen sind wir in der Politikszene recht bekannt und vernetzt und es geht durch Mundpropaganda und Empfehlungen stetig bergauf. Zum Teil so schnell, dass wir leider zeitweise sogar Projekte ablehnen mussten. Mittlerweile sind wir bei pollytix zu fünft, ziehen im Juli in größere Räumlichkeiten und können dann unseren Expansionskurs fortsetzen.

marktforschung.dossier: Was sind für Sie Vor- und Nachteile eines eigenen Unternehmens? Wie waren die letzten zwei Jahre für Sie persönlich als Geschäftsführer?

Rainer Faus: Ich war früher schon als Direktor in leitender Position tätig und daher ist mir große Verantwortung nicht unbekannt. Dennoch ist man natürlich mit dem eigenen Unternehmen emotional verbundener und auf andere Weise ‚verheiratet‘ als wenn man als Arbeitnehmer angestellt ist. Sicherlich arbeitet man als Geschäftsführer nochmal deutlich mehr und ist auch im Urlaub oder jenseits typischer Bürozeiten im Dienst. Paradoxerweise lässt sich für uns trotz der Mehrarbeit Familie und Beruf besser vereinbaren, als wenn wir beide ähnliche Positionen in anderen Firmen innehätten Wir können selbst bestimmen, wie wir unsere Zeit einteilen. Es ist außerdem extrem befriedigend, seine eigenen Vorstellungen umsetzen zu können, eine eigene Firmenkultur zu etablieren und nicht im Produktkorsett eines Großkonzerns gefangen zu sein. Vom familiären Charakter unseres Unternehmens profitieren nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch unsere Kunden: Wir haben ein junges engagiertes Team aus ambitionierten Forschern und der Kunde bekommt top-notch-Forschung und strategischen Input zu einem vernünftigen Preis, Wir müssen nicht quartalsweise die Profitinteressen von Anteilseignern befriedigen, wie das bei vielen etablierten Instituten der Fall ist.

marktforschung.dossier: Wie ist Ihre Einschätzung der Branche im Bereich politische Meinungsforschung? Hat sich diese evtl. im Vergleich zu vor der Gründung geändert?

Rainer Faus: Ich sehe hier eindeutig einen Wandel, vor allem auf Kundenseite. Kunden geben sich nicht mehr mit bedeutungslosem Zahlensalat, aus dem sie nicht schlau werden, zufrieden, sondern fordern echte Lösungen für ihre Probleme. Sie möchten wissen was die Daten bedeuten und wie sie sie strategisch nutzen können. Unsere jahrelange Beschäftigung im politisch-gesellschaftlichen Bereich, in Kampagnenentwicklung und -tracking sowie Issue Management, gibt uns ein tiefes Verständnis dafür, welche Art von Output Kunden in bestimmten Situationen weiterhilft. Durch unseren strategischen Forschungsansatz und unseren internationalen Background haben wir genau die Tools zur Verfügung die z.B. auch bei der Obama-Kampagne zum Einsatz kamen und sind der eher konservativen Konkurrenz in dieser Hinsicht weit voraus. Das wissen unsere Kunden zu schätzen und erkennen unser besonderes Engagement nicht nur durch viele neue Folgeaufträge, sondern auch über Weiterempfehlungen an. Langfristig werden die Institute erfolgreich sein, die über reine Deskription einen Mehrwert bieten, die die Extra-Meile gehen und dem Kunden das Leben leichter machen und letztlich Arbeit abnehmen. Die pollytix strategic research gmbh ist in diesem Aspekt perfekt für die Zukunft aufgestellt.

marktforschung.dossier:
Herr Faus, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 02.06.2014

 

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