"Nach so vielen Jahren war die Zeit reif für neue Herausforderungen."

Interview mit Robert Quinke, Geschäftsführer HEUTE UND MORGEN

Robert Quinke (Heute und Morgen)

marktforschung.dossier: Herr Quinke, Sie haben 2009 gemeinsam mit Dr. Michaela Brocke, Tanja Höllger und Axel Stempel die Heute und Morgen GmbH gegründet. Sie kamen damals alle von psychonomics und hatten bereits langjährige Berufserfahrung. Was war Ihre Motivation bzw. was waren die Hintergründe der Unternehmensgründung?

Robert Quinke:
Nach so vielen Jahren war die Zeit reif für neue Herausforderungen. Auch weil der Wunsch nach flexibleren und dynamischeren Strukturen und nach eigenem Unternehmertum immer stärker wurde. Persönlich war ich 13 Jahre für psychonomics tätig.

Wir haben uns ganz bewusst für eine Gründung in diesem Team entschieden, da wir uns inhaltlich perfekt ergänzen. Für jedes Thema haben wir mindestens einen angesehenen Experten an Bord: Kunden- und Vertriebspartnerzufriedenheit, Produktentwicklung, Branding und Kommunikationsforschung, qualitative und quantitative Marktforschung.

Es ist eine wunderbare Aufgabe, ein neues Unternehmen aufzubauen, die wir vier gemeinsam voller Enthusiasmus angegangen sind und die uns bis heute begeistert.

marktforschung.dossier: Was ist Ihre Unternehmensstrategie? Was machen Sie anders als andere?

Robert Quinke: Wir streben im Markt Qualitätsführerschaft an. Als Gründer verbindet uns die Leidenschaft für hochwertige kundenindividuelle Marktforschung und Beratung. Dies ist auch ein ganz bewusster Gegenentwurf zum Abverkauf von Standardprodukten und der völligen Trennung von Vertrieb und Projektmanagement bei vielen großen Instituten. Wir sind der festen Überzeugung sind, dass nur so wirklich umsetzungsrelevantes zukunftsweisendes Wissen entsteht, auf dessen Grundlage auch erst eine vorausschauende Beratung des Kunden möglich ist.

Dies drückt sich auch im Namen HEUTE UND MORGEN aus, der für den Anspruch steht, über das Heute hinaus zu denken und unsere Kunden durch intelligente Analysen und strategische Beratung bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Wir zeigen kontextbezogene Potenziale, Chancen wie Risiken und spezifische Handlungsoptionen auf.

Konkret zeigt sich unser Qualitätsanspruch in vielen Details. Dies beginnt bei der Entwicklung kundenindividueller Forschungsansätze, in die wir viel konzeptionelle Arbeit und Kreativität investieren. Die Kompetenz unserer Projektleiter gewährleistet zudem eine flexible und vor allem mitdenkende Kundenbetreuung. Nicht nur die Gründer, auch unsere Mitarbeiter verfügen über viele Jahre Berufserfahrung. Intelligentes Fragen, Zuhören, aktives Mitdenken und nicht zuletzt der Blick auf Zukunftsfähigkeit zeichnen uns aus. Zugleich arbeiten wir nur mit ausgewählten hochwertigen Feldpartnern zusammen, ganz gleich bei welcher Methode. Am Ende ergeben sich für den Kunden wertvolle Analysen und Umsetzungsperspektiven, und dies in einer klar und verständlich aufbereiteten Form.

marktforschung.dossier:
Waren im Laufe der Zeit Strategieanpassungen nötig?

Robert Quinke: Nicht grundsätzlich. Ich würde hier eher von punktuellen Anpassungen an die Nachfragesituation sprechen.

Etwas überrascht waren wir von Beginn an von der großen Nachfrage nach qualitativen Methoden, die sicher bei der Hälfte unserer Projekte zum Einsatz kommen. In diesem Bereich haben wir uns daher sehr schnell mit Christina Barschewski verstärkt.

Insgesamt wollen wir unsere Kunden zu jedem angefragten Thema auf höchstem Niveau beraten können. Als eine Lücke in unserem Angebotsportfolio haben wir hier vor zwei Jahren das Thema Organisationsforschung und Mitarbeiterbefragungen ausgemacht. Daher haben wir uns in diesem Bereich mit Frau Dr. Bastians verstärkt, die bereits in einem anderen Institut diesen Bereich erfolgreich aufgebaut hat.

Außerdem verstehen wir uns als innovativer Anbieter, der sich inhaltlich wie methodisch kontinuierlich weiterentwickelt. So haben wir z.B. früh auf Online-Communities als bei vielen Fragestellungen sinnvolle Ergänzung zu klassischen Gruppendiskussionen gesetzt. Übergeordnet bleibt die Marschrichtung unverändert: Klarer Vorsprung durch Qualität!

marktforschung.dossier: Wie war bisher die Geschäftsentwicklung Ihres Unternehmens? Gab es in den fünf Jahren schon sichtbare „Aufs und Abs“? Was lief gut, was schlecht?

Robert Quinke: Insgesamt sind wir mit der Geschäftsentwicklung äußerst zufrieden. Vom Start weg sind wir durch unsere guten Kontakte sehr gut vom Markt angenommen worden. Auch in den Folgejahren konnten wir aufgrund der positiven Entwicklung regelmäßig Neueinstellungen vornehmen, so dass wir aktuell bereits 11 festangestellte Mitarbeiter haben. Im Juli dieses Jahres beziehen wir daher größere neue Geschäftsräume, damit dies auch in den kommenden Jahren so weitergehen kann.

Ein kleines Highlight war 2011 eine Umfrage der Fachhochschule Dortmund und des VersicherungsJournals unter Versicherern. HEUTE UND MORGEN erreichte dabei nicht nur die mit Abstand höchste Kundenzufriedenheit aller Institute, sondern lag bereits nach zwei Jahren Geschäftstätigkeit unter den Top 6 der am häufigsten genannten Institute. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Die hohe Zufriedenheit unserer Kunden ist sicherlich auch unser größter Wachstumsmotor, da wir mit vielen Kunden die Zusammenarbeit intensivieren konnten und wir durch Weiterempfehlungen auch viele neue Kunden gewonnen haben.

Zwischendurch gab es natürlich auch mal kurze Durststrecken, in denen der Auftragseingang nicht ganz so befriedigend war. Zu tiefen Sorgenfalten hat dies aber nie geführt. Es lehrt, dem eigenen Weg zu vertrauen und zugleich nachhaltig aktiv zu sein.

Von Anfang an gut lief die qualitative und quantitative Ad-hoc-Marktforschung. Bei großen und kontinuierlichen Projekten, wie z.B. im Bereich Kundenzufriedenheits-Monitoring, hat es durchaus etwas gedauert, bis wir bei Ausschreibungen berücksichtigt wurden, obwohl wir in diesem Bereich konzeptionell und methodisch exzellent aufgestellt sind. Ich denke, wir mussten erst eine bestimmte Größe erreichen und uns über erfolgreiche kleinere Projekte empfehlen, bis uns dies dann auch kapazitätsmäßig zugetraut wurde. Aus Kundensicht ist dies auch gut verständlich.

marktforschung.dossier: Was sind für Sie Vor- und Nachteile eines eigenen Unternehmens? Wie waren die letzten Jahre für Sie persönlich als Geschäftsführer?

Robert Quinke: Mir haben die letzten Jahre sehr viel Spaß gemacht. Es war eine sehr gute Entscheidung, HEUTE UND MORGEN zu gründen. Gerade am Anfang war es eine deutliche Umstellung. Zuvor hatte ich bei psychonomics ein Team von über zehn Projektmanagern geleitet. Nach der Gründung mussten wir erst einmal alles wieder selbst machen, bis hin zur Kodierung offenen Nennungen. Gerade diese intensive gemeinsame Arbeit an den ersten Projekten habe ich als sehr inspirierend empfunden.

Wir haben uns hier wechselseitig noch einmal befruchtet, was die Qualität unserer Konzepte weiter gesteigert hat. Wir haben es aufgrund dieser Erfahrungen zum System gemacht, Anfragen grundsätzlich im Team zu besprechen, um für unsere Kunden immer intelligente und innovative Forschungsdesigns zu entwickeln.

Bei den klassischen Geschäftsführungsaufgaben gibt es wie immer Dinge, die mehr Spaß machen und andere, die nicht zu den Lieblingsaufgaben gehören. Wir sind von unserem Naturell alle eher Forscher und Berater als Controller, dennoch handelt es sich dabei um eine zentrale Aufgaben der Unternehmensführung, die man lernt. Sehr viel Spaß machen die Markenführung und die inhaltliche und auch personelle Weiterentwicklung des Unternehmens. Insgesamt ist es eine enorm abwechslungsreiche Tätigkeit bei der man aufpassen muss, dass kein wichtiger Teil zu kurz kommt.

marktforschung.dossier: Wie ist Ihre Einschätzung der Marktforschungsbranche? Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Robert Quinke: Eine elementare Herausforderung für die Branche stelltdie zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche dar und damit verbunden riesige Datenmengen, die jeden Tag und oft auch personenbezogen gespeichert werden. Wer hat Zugriff auf diese Daten und wie lassen sich diese auswertbar machen? Mit Big Data scheint in Zukunft fast alles möglich. Dies kann nicht ohne Auswirkungen auf die klassische Marktforschung bleiben.

Schwere Zeiten sehe ich vor diesem Hintergrund auf simpel gestrickte Marktforschung zukommen, die sich als reiner Datenlieferant versteht. Hier würde ich mittelfristig von einer Substitution ausgehen. Die Bereitstellung von genauen und täglich aktuellen Kennzahlen dürfte auf der Basis von Big Data am leichtesten gelingen.

Intelligente Marktforschung, die das Verhalten der Konsumenten wirklich verstehen und erklären kann, wird dadurch aber eher an Bedeutung gewinnen. Denn die große Datenflut wirft viele Fragen auf, die nach Antworten schreien. Daten müssen interpretiert und werden, um zu handlungsrelevantem Wissen zu werden. Hierfür sind wir Experten.

Gute Zeiten sehe ich besonders auch für die Verbindung der digitalen Lebenswelt mit qualitativen Methoden, so wie wir sie z.B. mit Online-Communitys (MROC´s) und Co-Creation erfolgreich praktizieren. Online-Research ermöglicht hier spannende neue multimodale Ansätze. Weitere neue Perspektiven könnten sich auch durch kontextbezogene mobile Befragungselemente ergeben, die aber noch in den Kinderschuhen stecken.

Ganz aktuell ist im Markt eine gewisse Verunsicherung bezüglich Datenschutzfragen festzustellen. Darf man seine Kunden noch telefonisch befragen, wenn man nicht die ausdrückliche Zustimmung dazu eingeholt hat? Das viel diskutierte CARGLASS-Urteil des OLG Köln hat hier Spuren hinterlassen. Wir setzen daher sehr erfolgreich auf Online-Befragungen mit schriftlich-postalischen Einladungen der Kunden. Dies ist datenschutzrechtlich unbedenklich und die Methode weist eine hohe Kundenakzeptanz bei vergleichsweise niedrigen Kosten auf. Wir erreichen hier Ausschöpfungen, die problemlos mit denen telefonischer Befragungen mithalten können.

Abschließend noch ein Wort zu Big Data. Ungeachtet des enormen Potenzials ist es wichtig, dass in der Euphorie die wichtige Perspektive der Veränderung und Innovation nicht verlorengeht. Denn letztlich richtet auch Big Data den Blick ausschließlich auf Vergangenes. Viele Unternehmen müssen aber auch vorausschauend neue Trends erkennen und innovativ sein. Ganz unserer Grundphilosophie folgend, ist das Heute sehr wichtig, das Morgen aber noch einmal mehr. Letztlich geht es für Unternehmen darum, Zukunft aufzubauen und zu sichern.

marktforschung.dossier:
Herr Quinke, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 02.06.2014

 

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