Progressive Web Apps – So groß ist der Einfluss auf den E-Commerce

Prof. Dr. Richard Geibel & Robin Kracht, Hochschule Fresenius

Progressive Web Apps erfahren immer mehr Aufmerksamkeit. Doch ist dies wirklich berechtigt und welcher konkrete Nutzen entsteht für den Bereich E-Commerce? Prof. Geibel und Robin Kracht stellen vor, wie Progressive Web Apps für die Optimierung von Conversion Rates im E-Commerce genutzt werden können.

In diesem Beitrag wird das Thema Progressive Web Apps und die Vorteile in Bezug auf den E-Commerce näher betrachtet. Dafür wird zuerst eine Definition sowie die wichtigsten Merkmale der neuen Technologie aufgezeigt, bevor auf die konkreten Potenziale für Unternehmen im Bereich E-Commerce eingegangen wird.

Zusammenfassend soll in diesem Beitrag die Frage beantwortet werden, inwiefern die neue Technologie für die Optimierung von Conversion Rates im E-Commerce genutzt werden kann.

Was ist eine PWA?

Eine Progressive Web App (PWA) ist ein neues App-Format, für welches sich vor allem Google als verantwortlich sieht. Die PWA wird direkt aus dem Internet und nicht aus einem App Store auf das Endgerät geladen. Somit besteht eine vom App Store unabhängige Verfügbarkeit. Bei der Entwicklung werden etablierte Webtechnologien zur Realisierung verwendet (HTML5, CSS3, JavaScript). Die PWA ist losgelöst von einem gerätespezifischen Betriebssystem und über eine URL zugänglich, da diese über einen Webbrowser ausgeführt wird.

Die neue Technologie ermöglicht es, die positiven Eigenschaften von nativen Apps (aus dem App Store) und Web Apps (mobil optimierte Webseiten) zu vereinen und stellt somit eine sehr leistungsfähige Alternative dar.

Was sind die positiven Merkmale?

PWAs überzeugen mit einigen positiven Merkmalen. Besonders im Fokus steht dabei der geräte- und browserunabhängige Entwicklungsaufwand, welcher deutlich geringer und somit auch kostengünstiger als üblich ausfällt. Es wird nur ein Programmiercode benötigt, welcher auf jedem Webbrowser funktioniert. Des Weiteren ist die Anwendung offline nutzbar, da in dem Cache vom Browser wichtige Inhalte abgespeichert werden und somit auch offline darauf zugegriffen werden kann. Durch die Inhalte im Cache weisen PWAs auch extrem schnelle Ladezeiten beim Öffnen oder Wechseln der Seiten auf. Auch der Zugriff auf diverse gerätespezifische Funktionen wird erstmals ermöglicht, d.h. Funktionen wie Kamera, Inhalte teilen oder Payment können in PWAs aufgeführt werden. Das war bei den üblichen Web Apps bislang nicht gegeben. Die Installation auf dem Handy oder Desktop ist mit nur einem "Klick" möglich und somit wesentlich kürzer als der bekannte App-Download-Prozess (besteht üblicherweise aus fünf Schritten). Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch die Unabhängigkeit zu einem App Store, nämlich der selbstständige Vertrieb. So müssen Betreiber einer PWA bei In-App-Käufen keinen prozentualen Anteil an den App Store Betreiber abgeben, wodurch eine unmittelbare Gewinnsteigerung einhergeht.

Wann eignet sich eine PWA für mein Unternehmen?

Eine PWA kann sich aus verschiedenen Gründen lohnen. Ist einem Unternehmen die Ladegeschwindigkeit der Anwendung, eine hohe Verfügbarkeit (offline) sowie ein Daten- und Speicherersparnis wichtig, kann mit gutem Gewissen auf eine PWA zurückgegriffen werden. Auch wenn die Entwicklungskosten einer nativen App bisher zu hoch waren oder sowieso ein Relaunch geplant ist, sollte über die Alternative PWA konkret diskutiert werden. Ein weiteres Argument für eine PWA ist, dass die hohen Provisionsgebühren von den App Stores eingespart werden. Dadurch können zuvor als unattraktiv eingestufte Geschäftsmodelle nun doch funktionieren.  

Schlussendlich ist die Erfolgswahrscheinlichkeit jedoch auch immer abhängig von der Nutzerakzeptanz, welche durch ein professionelles UX- und UI-Design gesteigert werden kann.

Potenziale für E-Commerce Unternehmen

Besonders Unternehmen mit dem Schwerpunkt E-Commerce können von PWAs stark profitieren. Denn ein wesentlich besseres SEO-Ranking der Website wird ermöglicht, was auf die hohe Geschwindigkeit und den geringen Speicherbedarf der PWA zurückzuführen ist. Außerdem werden PWAs von Google generell stark honoriert und besser bewertet. Es ist nachgewiesen, dass Seitenbesucher mehr Zeit auf PWAs als auf normalen Websites verbringen, welches auch auf die offline Funktionalität zurückzuführen ist. Des Weiteren verzeichnen PWAs geringere Absprungraten, da die Seiten unmittelbar laden - dies spiegelt sich auch im Umsatz der Seiten wieder. Ein beliebtes Mittel zur Kontaktaufnahme sind Push-Benachrichtigungen. Diese können auch bei PWAs verwendet werden und somit die Anzahl an widerkehrenden Kunden erhöhen.

Abschließend muss noch die erhöhte Sichtbarkeit der Anwendung erwähnt werden. Denn durch das einfache Downloaden, ist das Anwendungssymbol auf dem Handy oder dem Desktop direkt zu sehen und somit häufiger beim Endnutzer in Erscheinung.

Fazit

Die neuen PWAs haben ganz klar das Potenzial, Conversion Rates bei Unternehmen zu steigern und somit auch die Zukunft des Internets mitzugestalten. Insgesamt wird das mobile Web durch das neue App-Format nutzerfreundlicher gestaltet, außerdem sind PWAs unkompliziert, plattformunabhängig und ohne Installation nutzbar. Des Weiteren ist eine schnelle Verbreitung, durch die Unabhängigkeit vom Betriebssystem zu erwarten. Zusammenfassend werden auf der einen Seite mehr Nutzer durch die bessere Auffindbarkeit angezogen und auf der anderen Seite bleiben diese sogar aufgrund der hohen Performance länger auf der Website.

Zu den Autoren

Prof. Dr. Richard Geibel hat eine Professur für Unternehmensführung an der Hochschule Fresenius in Köln. Er ist verantwortlich für den Masterstudiengang Digital Management. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich E-Commerce und digitale Transformation.

Robin Kracht ist Lehrbeauftragter an der HS Fresenius für E-Commerce und Social-Media Management. Mit dem E-Commerce Institut berät er Unternehmen hinsichtlich der Digitalisierung und Implementierung von wiss. Strukturen und Konzepten. Beim E-Commerce Institut finden Sie weitere Informationen zu dem Thema PWA.

 

 

/cb

Veröffentlicht am: 14.01.2021

 

Kommentare (3)

  1. Richard Geibel am 15.01.2021
    Unserer Meinung nach lohnt sich für die App-entwickelnden Unternehmen die intensive Auseinandersetzung mit PWAs. Apple nimmt sie sehr ernst und hat gerade die Kommission halbiert
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/apple-halbiert-app-store-gebuehren-fuer-viele-entwickler-17058284.html

    Die Entwicklung bei den PWAs geht kontinuierlich weiter und ist noch nicht am Ende, insb. bzgl. der Gerätezugriffe sind hier viele Fortschritte festzustellen. Zwischenzeitlich gibt es eine Vielzahl erfolgreicher Anwendungen auf der Basis von PWAs, u.a. Starbucks, Forbes, Pinterest, trivago,...

    Einen tiefergehenden Überblick bietet der aktuelle Artikel auf t3n "So steht es um Progressive-Web-Apps im Jahr 2020", https://t3n.de/news/webdesign-steht-um-jahr-2020-1242754/
  2. Peter am 14.01.2021
    Nunja, hier fehlen aber einige Aspekte bzw. sind falsch dargestellt.
    * PWAs sind bzgl. Gerätezugriff nicht vergleichbar mit nativen Apps
    * Wenn Performance ein Thema ist (Spiele, AR, etc.) sind native Apps deutlich im Vorteil.
    * Die für Apps relevante & gelernte Suchmaschine für User ist der App Store, nicht Google -> es gibt eine Suchmaschine.
    * Native Apps kann man geräteunabhängig erstellen (Flutter, React, etc.)
    * Native Apps erhalten automatische Updates (Default vom jeweiligen OS)
    * "An der Bezahlschranke vorbei" ist ein Grund, warum iOS PWAs so gut es geht nicht unterstützt.

    Wenn Web-App, dann PWA. Es macht wenig Sinn Web-Apps mit PWAs zu vergleichen - relevanter wäre es im Artikel, native Apps mit PWAs zu vergleichen und dabei alle Dimensionen zu berücksichtigen, nicht nur die Theorie.
  3. Michael W am 14.01.2021
    Interessantes Thema und guter Artikel!

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