Neuer Masterstudiengang „Behavioral Ethics, Economics and Psychology“ - Interview mit Professor Dr. Dominik H. Enste

Dominik H. Enste (Institut der deutschen Wirtschaft Köln)

Professor Dr. Dominik H. Enste ist Geschäftsführer der IW Akademie, Leiter des Kompetenzfelds Wirtschaftsethik und Verhaltensökonomik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln sowie Professor für Wirtschaftsethik und Institutionenökonomik an der Fachhochschule Köln. 2014 hat er in Zusammenarbeit mit Prof. Detlef Fetchenhauer (Universität zu Köln) und in enger Kooperation mit der Fachhochschule Köln einen neuen Masterstudiengang „Behavioral Ethics, Economics and Psychology“ entwickelt und akkreditieren lassen.

marktforschung.dossier: Herr Prof. Enste, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln wird von Arbeitgeberverbänden und Unternehmen getragen und vertritt in der Regel wirtschaftsliberale Positionen. Was hat Sie bewogen, einen solchen eher „exotischen“ Studiengang für angehende Manager ins Leben zu rufen? Reicht das klassische Handwerkszeug der Betriebswirte und Volkswirte nicht mehr aus?

Dominik H. Enste: Ob Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter: Die Ansprüche der Stakeholder gegenüber der Wirtschaft und den Unternehmen sind vielschichtig und wachsen stetig. Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Gesellschaft sich einig, dass ein Unternehmen neben der Ergebnisverantwortung auch eine gesellschaftliche Verantwortung zu tragen hat. Diese neuen Verantwortungsdimensionen setzen erweiterte Kompetenzen bei Führungskräften voraus. Um erfolgreich zu sein, müssen sie neben fundierten Kenntnissen über wirtschaftliche Zusammenhänge im Umgang mit Menschen souverän und durchsetzungsstark agieren, ohne dabei ethische Grundsätze aus den Augen zu verlieren. Der Master of Arts in „Behavioral Ethics, Economics and Psychology“ vermittelt eben diese modernen Führungsqualitäten in einem wissenschaftlich fundierten, anwendungsorientierten und praxisnahen Studium. Neben dem Beruf erlangen Studierende die notwendigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen in einem – wie uns von der Akkreditierungskommission bestätigt wurde – einzigartigen interdisziplinären Schwerpunktmix aus Psychologie, Ethik und Ökonomik.

marktforschung.dossier: Neben Ethik setzen Sie vor allem auf verhaltenswissenschaftliche Grundlagen, also Psychologie und Behavioral Economics. Findet sich hier ein Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften?

Dominik H. Enste: Ein solcher Paradigmenwechsel ist dringend erforderlich, aber er vollzieht sich nur langsam. Ich forsche seit 20 Jahren an der Schnittstelle zwischen Ökonomik und Psychologie und spüre noch heute die Vorbehalte auf beiden Seiten gegenüber der jeweils anderen Disziplin. Dabei ergänzen sich die Erkenntnisse zum Verhalten und Entscheiden in Knappheitssituationen und könnten zur treffenderen Analyse und Vorhersage beitragen. Dies gilt natürlich auch für die Marktforschung, wobei mir dort die Widerstände weniger ausgeprägt zu sein scheinen als in der klassischen Ökonomik. Die Marktforschung kann dennoch stark von Erkenntnissen der Experimente aus der Verhaltensökonomik profitieren; aber noch wichtiger erscheint mir dort, auch ethische Fragen zu behandeln und sich noch mehr über die Grenze zwischen Manipulation und Information klar zu werden. Denn mit Voreinstellungen (Defaults) oder dem Schubsen in die „richtige“ Richtung (Nudging) sind auch viele moralische Fragen verbunden.

marktforschung.dossier: Es handelt sich dabei um einen berufsbegleitenden Master. Wie ist dieses Studium mit dem zeitlich sehr eng getakteten Alltag eines Angestellten oder einer Führungskraft zu vereinbaren?

Dominik H. Enste: Der Master der IW Akademie wurde speziell für Berufstätige konzipiert, die sich neben der Arbeit weiterbilden möchten. Das Selbststudium lässt genügend Raum für eine individuelle, auf den persönlichen Alltag abgestimmte Zeiteinteilung. Die Präsenzzeit pro Semester ist mit einer Woche und 4 Wochenenden überschaubar. Die direkte Nähe der IW Akademie zum Kölner Hauptbahnhof erleichtert die Anreise zudem sehr. Darüber hinaus nutzen wir zahlreiche Methoden der modernen Medien (z.B. Onlinetools, Video- und Telefonkonferenzen), um den Kontakt zwischen Dozenten und Studierenden auch außerhalb der Präsenzzeiten zu ermöglichen. Die kleine Gruppengröße mit maximal 25 Studierenden ermöglicht dabei einen intensiven Austausch sowie eine sehr praxisnahe Lehre, die sich am alltäglichen Geschäft eines Unternehmers ausrichtet und theoretische Erkenntnisse auf Praxisfälle überträgt. 

marktforschung.dossier: Eigeninitiative und Lernbereitschaft sind also notwendige Voraussetzung. Doch welche persönlichen Vorteile können die Studierenden, aber auch die Unternehmen aus dem Master der IW Akademie ziehen?

Dominik H. Enste: Bei dem Master handelt es sich um ein praxisnahes, interaktives Studium des „General Managements“ mit interdisziplinären Inhalten aus der aktuellen Forschung. Studierende lernen, persönliche aber auch unternehmerische Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu analysieren und zu lösen. Der Umgang der Führungskraft aber auch des Unternehmens insgesamt mit moralischen Risiken und Reputationsrisiken sind dabei ein Bindeglied zwischen allen 12 Modulen. Letztlich führt das dialogorientierte Studium zum Erwerb moderner Führungskompetenzen, die vielseitig im General Management einsetzbar sind. In Seminaren für Führungskräfte, die wir neben dem Studiengang ebenfalls anbieten, zeigt sich die große Relevanz dieses wissenschaftsbasierten, aber praxisorientierten Ansatzes. Über 550 TOP-Führungskräfte der Deutschen Bank haben im Rahmen des Kulturwandelprozesses die Seminare bereits besucht und haben dieses mit sehr gut (1,5) bewertet.

marktforschung.dossier: Herr Prof. Enste, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Mehr Informationen zum Studiengang und den Seminaren unter: www.iwakademie.de 

Veröffentlicht am: 10.03.2015

 

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